Zunächst Drogenentzug

Nach Kontoplünderung: 35-Jähriger muss Haftstrafe nicht antreten

Ein 35-jähriger Kiersper plünderte das Konto eines 83-jährigen Seniors. Symbolbild)
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Ein 35-jähriger Kiersper plünderte das Konto eines 83-jährigen Seniors. (Symbolbild)

Dem Prinzip „Therapie statt Strafe“ folgte das Urteil im Prozess gegen einen Autoknacker und Computerbetrüger aus Kierspe.

Kierspe - Im Landgericht wurde er wegen schweren Einbruchdiebstahls und Computerbetrugs in 20 vollendeten und drei versuchten Fällen zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Allerdings muss er diese Haftstrafe nicht antreten, weil die Richter gleichzeitig die Einweisung in eine geschlossene Entziehungsanstalt anordneten. Unbehandelt sei die Gefahr groß, dass der Angeklagte nach seiner Entlassung zur Deckung seines Drogenbedarfs wieder ähnliche Taten mittlerer Kriminalität begehen werde, begründete der Vorsitzende Richter Christian Hoppe die Unterbringung in einer Entzugsklinik.

Nach erfolgreichem Verlauf einer auf zwei Jahre angelegten Drogentherapie hätte der Kiersper die Chance, auf Bewährung entlassen zu werden. Die Richter hielten ihm sein umfassendes Geständnis, seine „aufrichtige Reue“ und die „erschwerten Haftbedingungen wegen Corona“ während der rund sechs Monate in Untersuchungshaft zugute. Der Angeklagte bat um ein mildes Urteil und versetzte sich in seinem letzten Wort in die Perspektive der Anklage: „Ich gehöre natürlich bestraft.“

Schon während des Prozesses hatte er sich bei den Tatopfern entschuldigt und eine Wiedergutmachung im Rahmen seiner Möglichkeiten in Aussicht gestellt. Auch die Richter hatten diesen Aspekt im Blick: Auf der Grundlage jenes Gesetzes, das die Einziehung von Taterträgen regelt, ordneten sie die Einziehung von 3150 Euro an. Dieser Betrag entsprach den Barabhebungen vom Konto des 83-Jährigen. Der Aufwand zur Ermittlung des Wertes der mit der Karte gekauften Gegenstände sei zu hoch, befand das Gericht.

„Im Grunde kein schlechter Mensch“

Tatsächlich waren einige Waren in der Wohnung der Lebensgefährtin des Angeklagten sichergestellt worden. Diese hatte vor Gericht plastisch vom Besuch der Polizei berichtet: „Es hat morgens geklingelt, und die haben meine Wohnung ausgeräumt.“ Er habe ihr erzählt, dass er das Geld für diese Geschenke „gewonnen“ habe. Verteidigerin Julia Kusztelak betonte in ihrem Plädoyer, dass ihr Mandant „im Grunde kein schlechter Mensch sei, der Straftaten begeht, um anderen Menschen zu schaden“. Unglückliche Umstände hätten dazu geführt, dass die Abbuchungen vom Konto des 83-jährigen Meinerzhageners so lange liefen. Ihr Mandant brauche nun eine längere Drogentherapie. Um jegliche Versuchungen zu unterbinden, ordneten die Richter die Fortdauer des Haftbefehls gegen den 35-Jährigen an. Nach diesem Urteil kann er relativ zügig in eine forensische Klinik verlegt werden.

Der Fall

Ein 35-Jähriger aus Kierspe musste sich im Landgericht Hagen wegen verschiedener Delikte verantworten: Diebstähle in zwei Wohnungen in Meinerzhagen, gewerbsmäßiger Computerbetrug mit der Kontokarte eines 83-Jährigen (Schaden: rund 8000 Euro) und Einbruch in ein Auto in Kierspe.

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