Prozess vor dem Landgericht

Mehr als 8000 Euro abgehoben

Vorsicht beim Geldabheben am Automaten: Kriminelle versuchen dabei, Beute zu machen
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Der Angeklagte soll vom Konto eines 83-jährigen Meinerzhageners 8000 Euro abgehoben haben (Symbolbild) .

Kierspe/Hagen - Einem 35-jährigen drogensüchtigen Kiersper wird vorgeworfen, zwei Wohnungseinbrüche, einen Autodiebstahl, einen Einbruch in ein Fahrzeug begangen und eine erbeutete Kontokarte längere Zeit genutzt zu haben.

Auch der Einbruch in ein Auto kann für erhebliche Verunsicherung sorgen. Das machte im Landgericht die Vernehmung einer ambulanten Pflegerin deutlich, deren Dienstfahrzeug der Angeklagte am 2. Januar 2020 in Kierspe aufbrach und ausräumte. „Ich wusste nicht, ob es jemand auf mich abgesehen hatte“, erklärte die Zeugin im Landgericht. Während sie sich um die Ganzkörperpflege eines Patienten kümmerte, schlug der Angeklagte mit einem Nothammer, wie er in Bussen aushängt, eine Seitenscheibe des Autos ein, um an ihre Tasche zu kommen. Unglücklicherweise waren darin viele Wertsachen: Die Jahreskarte für einen Tierpark, teure Schminkutensilien, eine Geldbörse mit den üblichen Karten und Ausweisen sowie Schlüssel von Patientenwohnungen. Glücklicherweise kamen diese kurz darauf zurück – ebenso wie Kundenkarten und Ausweispapiere. Eine Überwachungskamera hielt den Blitzeinbruch fest. Die Bilder waren derart scharf, dass sowohl der Chef als auch der Lebenspartner der Zeugin den Einbrecher identifizieren konnten. Er war allen Beteiligten – auch der Zeugin – bekannt.

Jener Polizist, der die Anzeige aufgenommen hatte, stellte den Blitzeinbruch in das Auto des Pflegedienstes in einen größeren Zusammenhang: Nach der vorläufig letzten Entlassung des Angeklagten aus der Justizvollzugsanstalt sei die Anzahl der Fahrzeug-Einbrüche in Kierspe signifikant angestiegen. Nach seiner erneuten Verhaftung sei sie wieder gesunken.

Nach den letzten Vernehmungen der Zeugen stellt sich nun die Frage nach dem weiteren Weg des Angeklagten. Zunächst war der psychiatrische Sachverständige Dr. Nikolaus Grünherz gefragt. Er sah keine Anzeichen für eine aufgehobene oder auch nur eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des 35-Jährigen. Dieser sei als voll schuldfähig anzusehen. Auch der Suchtdruck könne keine entscheidende Rolle bei den Betrugstaten zum Schaden des 83-jährigen Meinerzhageners gespielt haben. Durch die fortlaufenden Abhebungen von insgesamt mehr als 8000 Euro habe der Angeklagte während der Tatserie immer genug Geld zum Betäubungsmittel-Erwerb gehabt.

Der Gutachter attestierte dem 35-Jährigen eine krankhafte Abhängigkeit von Betäubungsmitteln, die die Einweisung in eine geschlossene Entziehungsanstalt rechtfertige. Der Angeklagte habe aus verschiedenen Gründen schon mehrere Entwöhnungsbehandlungen abgebrochen oder habe anschließend wieder zu Cannabis und Amphetamin gegriffen. Bei der Behandlung in der Suchtklinik müssten die Gründe für diese Rückfälle aufgearbeitet werden. Das Selbstwertgefühl des 35-Jährigen müsse stabilisiert werden, um ihn von der Anerkennung durch andere Drogenabhängige unabhängig zu machen. Wenn dieser Prozess gelinge, gebe es „eine hinreichend günstige Erfolgsprognose“ für eine solche Langzeittherapie. „Ohne Behandlung würde sich der Lebensweg und der Betäubungsmittel-Konsum des Angeklagten fortsetzen.“ Hilfreich für eine Stabilisierung des Selbstbildes wären Berufspraktika und möglicherweise eine Ausbildung im Rahmen der Therapie.

Der Prozess im Landgericht Hagen soll am Donnerstag, 17. Dezember, mit den Plädoyers und dem Urteil zu Ende gehen.

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