2035 Euro vom Jobcenter

Kiersper verstrickt sich in Widersprüche

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Gericht (Symbolfoto)

Die Widersprüche, in die sich ein 28 Jahre alter Mann aus Kierspe im Amtsgericht Meinerzhagen verstrickte, brachen ihm am Ende sprichwörtlich das Genick. So hatte er sich den Prozessverlauf wohl nicht vorgestellt.

In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. März hatte der Mann zu Unrecht 2035,02 Euro vom Jobcenter erhalten. Er hatte eine Arbeitsstelle in einer Spielhalle verschwiegen. „Ja, ich habe das Geld bezogen. Bis ich das bemerkt habe, war es zu spät“, begann der Angeklagte im Gericht seine Einlassung. Das konnte der Richter nicht so recht nachvollziehen: „Wenn man das im ersten Monat nicht merkt, na gut. Aber im zweiten und dritten?“ Er verwalte sein Konto nicht selbst, suchte der Kiersper nach einer Erklärung. Da er nicht gut mit Geld umgehen könne und Schulden habe, habe er seiner Mutter das Konto überlassen.

24 000 Euro Schulden

Auch dafür zeigte der Richter wenig Verständnis: „Sie sind 28 Jahre alt. Sie müssen sich selber darum kümmern.“ Insgesamt habe er etwa 24 000 Euro Schulden. Um nicht noch mehr anzusammeln, habe seine Mutter ein wachsames Auge auf seine finanzielle Situation. Zustande gekommen seien die Schulden unter anderem durch eine schwere Spielsucht, gab der Kiersper an. „Und dann arbeiten Sie ausgerechnet in einer Spielhalle?“, fragte der Richter ungläubig nach. Ja, die Tätigkeit in der Spielhalle habe ihm geholfen, seine eigene Sucht zu überwinden, sagte der 28-Jährige. Und was die Meldung beim Jobcenter angehe, habe er seinen Arbeitsvertrag am 18. Januar erhalten und ihn sofort beim Arbeitsamt abgegeben – also in den Briefkasten geworfen.

Nach Aktenlage, so der Richter, läge ein Arbeitsvertrag aber nicht vor. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wollte es noch einmal genauer wissen und hakte nach, wofür der Angeklagte das Geld ausgegeben hatte. Hatte er zuvor noch angegeben, gar nicht bemerkt zu haben, dass er zusätzlich Geld hatte, erklärte er nun plötzlich, das Geld genutzt zu haben, um einen Teil seiner Schulden abzuzahlen.

Sechs Monate Haft auf Bewährung

Am Ende glaubten weder der Richter, noch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Geschichte, die ihnen der Angeklagte aufgetischt hatte. Drei Mal war der Mann in der Vergangenheit wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Sachbeschädigung aufgefallen. Jedes Mal war er mit Geldstrafen davongekommen. Nun gab es sechs Monate Haft auf Bewährung wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Außerdem muss er die 2035,02 zu viel gezahlten Euro zurückerstatten. „Es ist ein nicht unerheblicher Betrag“, machte der Richter noch einmal deutlich. Da es die erste Haftstrafe für den Kiersper ist, konnte sie zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Angeklagte muss sich nun drei Jahre lang straffrei führen. Tut er das nicht, droht der Widerruf der Bewährung und damit ein sechsmonatiger Aufenthalt hinter Gittern.

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