Drogenprozess: Urteil gegen Kiersper (23) gefallen

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Symbolbild

Kierspe - Raus aus dem alten Freundeskreis in Lüdenscheid wollte ein heute 23-Jähriger, der in Kierspe offenbar mehr Ruhe und zudem in Meinerzhagen einen Ausbildungsplatz fand. Er hatte guten Grund, mit der Vergangenheit zu brechen. Das zeigte jetzt die Verhandlung vom Gericht.

Die alten Freunde hatten es in sich: In einem großen Strafverfahren im Landgericht Hagen wurde ein 27-jähriger Drogenhändler am 19. Juni 2018 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er hatte sich im Herbst 2017 immer wieder kiloweise Marihuana von einem mitangeklagten Mann aus Rotterdam liefern lassen und diese Ware von Lüdenscheid aus gewinnbringend in den Straßenverkauf gebracht.

In dieses System waren teilweise auch Jugendliche unter 18 Jahren eingebunden. Dem 23-jährigen Beschuldigten kam in diesem System eine besondere Rolle zu: Er stellte seine Lüdenscheider Wohnung zur Verfügung, um einen Teil der Ware zu bunkern. Laut Anklage hatte er im Oktober und November 2017 drei Lieferungen von bis zu zwei Kilogramm Marihuana in seiner Wohnung aufbewahrt.

Nach einem Rechtsgespräch, das ihm im Falle eines Geständnisses eine mögliche Bewährungsstrafe in Aussicht stellte, legte er im Amtsgericht Lüdenscheid ein umfassendes Geständnis ab. Dabei bestätigte er, was die Ermittler bereits vermutet hatten: Nicht nur in den angeklagten drei Fällen, sondern rund ein Dutzend Mal bunkerte er kiloweise Marihuana in seiner Wohnung. Ansonsten habe er mit der ganzen Geschichte aber nichts zu tun gehabt, beteuerte er: „Ich wusste nie, wie viel in den angelieferten Sporttaschen war.“ Mit Betäubungsmitteln habe er nichts zu tun – deshalb habe es auch keine Entlohnung durch ein Zugreifen auf das Marihuana gegeben. Für das Schöffengericht stellte sich damit aber die Frage, was der 23-Jährige denn von seinen Diensten für die Drogenhändler gehabt hatte. Er habe ihre Fahrdienste zuweilen in Anspruch genommen, und ab und zu hätten sie seine finanziellen Löcher gestopft – allerdings nur durch einen Kredit, behauptete der Angeklagte. Das wollte ihm im Gerichtssaal niemand so recht glauben, aber es ließ sich auch nichts Anderes feststellen.

Polizeibeamte hatten seine Wohnung am 21. November 2017 durchsucht und dabei noch eine Sporttasche mit 1,24 Kilogramm Marihuana gefunden. Eine Polizistin war bei der Suche einfach ihrer Nase gefolgt, berichtete sie im Amtsgericht. „Ich habe die Ware quasi erschnüffelt.“ Kurios und für die Ermittler sehr zielführend war der Umstand, dass der Mann aus Rotterdam, der die Ware nach Lüdenscheid geliefert hatte, sein Handy in der Wohnung des 23-Jährigen vergessen hatte. Auf diese Weise kamen die Ermittler auch ihm auf die Spur.

Der junge Mann, der mittlerweile in Kierspe wohnt, kam mit einem für ihn „extrem guten“ Urteil davon, wie Richter Andreas Lyra ihm hinter die Ohren schrieb. „Wir haben ernsthafte Zweifel daran, dass es kaum Gegenleistungen gegeben hat“, sagte er in seiner Urteilsbegründung. Das Schöffengericht verurteilte den 23-Jährigen wegen dreimaliger Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Das erlaubt ihm die Fortsetzung der begonnenen Ausbildung. Nebenher muss er 200 Sozialstunden ableisten – so ganz ohne spürbare Strafe wollte das Gericht die Sache nicht auf sich beruhen lassen.

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