Weniger Flüchtlinge, doch die Arbeit bleibt

+
Die Einrichtung der Wohnungen für die Geflüchteten ist eine der vielen Aufgaben, die der Verein Menschen helfen übernimmt.

Kierspe - Der Zuzug Geflüchteter hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen, doch aufgrund der Zuweisungen sind die Zahlen schwankend. Kam im Jahr 2017 gerade einmal ein Schutzsuchender nach Kierspe, waren es im vergangenen Jahr 62.

Wenn heute drei Iraker nach Kierspe kommen, dann ist für ihre Unterbringung gesorgt. Vor allem der Verein Menschen helfen ist seit Jahren unermüdlich, wenn es darum geht, den Menschen ein würdiges Wohnumfeld zu schaffen, sie bei ihrer Ankunft zu begleiten und ihnen gerade die ersten Schritte in der neuen Stadt zu erleichtern.

Heute sind es ein 20-Jähriger, der mit seiner 15-jährigen Schwester und seinem 25-jährigen Bruder ankommt. „Da haben wir gerade die Wohnung eingerichtet, vor allem bei dem Zimmer für die 15-Jährige haben wir uns viel Mühe gegeben, da diese es sicher am Schwersten hat, sich in der neuen Situation zu Recht zu finden“, erzählt Karin Schmid-Essing vom Verein Menschen helfen. Bei Schmid-Essing und ihrem Mann Fritz Schmid laufen immer noch die Fäden der Flüchtlingsarbeit zusammen. Doch die individuelle Betreuung der drei Neuankömmlinge werden wohl in erster Linie Iraker übernehmen, die hier schon länger leben. „Das klappt auch ganz gut, aber es wäre natürlich schön, wenn wir mehr deutsche Familien hätten, die als Kümmerlinge tätig würden“, sagt Schmid-Essing.

Damit spricht sie ein Grundproblem des Vereins an. Viele haben ihr Engagement zurückgefahren, manche haben den Verein ganz verlassen – und die anderen, die immer noch sehr aktiv sind, haben mit den Flüchtlingen, die vor allem 2015 und 2016 nach Kierspe kamen, mehr als genug zu tun. Denn auch, wenn diese nach einer Anerkennung nicht mehr im Leistungsbezug der Stadt sind, hört die Arbeit nicht auf. Denn es sind vor allem die Vereinsmitglieder, die dafür sorgen, dass die Neubürger einen Ausbildungsplatz finden, die immer noch Sorge tragen, dass Nachhilfe, vor allem für die Berufsschüler stattfindet, die das Möbellager betreuen und die sogenannten Anfangspakete packen, die die Neuankömmlinge bekommen und in denen sich neben einigen haltbaren Lebensmitteln auch Bettzeug, Reinigungsmittel, Geschirr, Töpfe und Besteck befinden.

„Früher haben wir Erfassungsbögen verteilt, mit denen nicht nur Herkunft und Familienstand, sondern gerade auch der vorherige Bildungsweg und Berufsabschluss abgefragt wurden. Dazu haben wir mittlerweile weder die Leute noch die Zeit“, erzählt Schmid-Essing. Ihrer Meinung nach müsste solch eine Aufgabe auch längst von einem Integrationsbeauftragten der Stadt übernommen werden, „doch diesen gibt es in dieser Form leider immer noch nicht.“ Ansonsten beschreibt sie den Umgang mit der städtischen Verwaltung als gut, routiniert und von gegenseitigem Respekt getragen.

Doch das mindert nicht ihre Sorgen um die Menschen, die gerade im vergangenen Jahr nach Kierspe gekommen sind. „Für die neuen Flüchtlinge haben wir einfach keine Kümmerlinge mehr. An dieser Aufgabe haben die Kiersper einfach kein Interesse mehr“, so Schmid Essing. Daher sei auch die Betreuung der Geflüchteten am Herlinghauser Weg und am Korteberg problematisch.

Mit den Jahren seien aber Hilfsangebote weggefallen, weil sie in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr notwendig seien. So hätten die Verfahren der Zugezogenen 2015 noch sehr lange gedauert. Da habe man Sprachkurse entweder auf eigene Kosten ins Leben gerufen oder gleich Grundzüge der Sprache durch Vereinsmitglieder vermittelt.

„Mittlerweile sind die Verfahren sehr viel schneller abgeschlossen, dann besteht ein Anrecht auf die Teilnahme auf einen Integrationskurs, die es mittlerweile auch in ausreichender Zahl gibt“, sagt Schmid-Essing. Doch es gebe immer noch spezielle Fälle, die ein Handeln des Vereins auch in diesem Bereich unumgänglich machen würden. Das betreffe zum einen die Berufsschüler, die auf Nachhilfe angewiesen seien, aber oft auch Mütter, die aufgrund der Betreuung ihrer Kinder nicht an jedem Kurs teilnehmen könnten. So starte gerade ein Angebot des Vereins für nigerianische Frauen, die kleine Kinder hätten.

Schwieriger sei es mittlerweile auch, Wohnungen für die Menschen zu finden, die nicht mehr im Leistungsbezug der Stadt seien und deshalb aus den Wohnungen, die die Stadt angemietet hätte, ausziehen müssten. Schmid-Essing: „Noch geht es, auch weil immer wieder Wohnungen oder Zimmer frei werden, weil Menschen umziehen oder auch abgeschoben werden.“

Spenden: 

Der Verein Menschen helfen ist auf Spenden angewiesen, um seine Aufgaben erledigen zu können. Im Gegensatz zu früheren Jahren sind in der Vergangenheit deutlich weniger Zuwendungen eingegangen. Wer spenden möchte, kann das Geld auf das Konto des Vereins „Menschen helfen“ bei der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen unter der IBAN DE 55 4585 1665 0000 0499 überweisen.

Geflüchtete in Zahlen:

Im vergangenen Jahr sind 62 Geflüchtete nach Kierspe gekommen, berichtet Oliver Knuf, Sachgebietsleiter Soziales bei der Stadtverwaltung. Demnach kamen die Menschen aus Nigeria (10), Aserbaidschan (7), Tadschikistan (6), Syrien (4), Sri Lanka (4), Iran (4), Irak (3), Türkei (3), Georgien (3), Guinea (2), Algerien (2), Afghanistan (2), Pakistan (2), Bangladesch (1), Eritrea (1), Marokko (1), Ghana (1), und Ukraine (1). Bei einem weiteren Flüchtling ist die Herkunft nicht geklärt. Insgesamt sind in den Jahren 2003 bis 2017 genau 523 Geflüchtete nach Kierspe gekommen, darunter 154 Syrer, 68 Iraker und 28 Menschen aus Afghanistan. Im Jahr 2017 ist nur ein Flüchtling zugewiesen worden. Auch in diesem Jahr hat es schon Zuweisungen gegeben – und mit weiteren wird gerechnet. Knuf: „Wir rechnen alle zwei Wochen mit drei bis fünf Personen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare