Digitaler „Friedhof“ hilft Familienforschern

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Marlen Vedder hat alle Gräber der Friedhöfe in Kierspe und Rönsahl fotografiert. Jetzt sind die Aufnahmen bei Genwiki verfügbar und damit eine echte Hilfe für Familienforscher.

Kierspe - Wer Familien- oder Ahnenforschung betreibt, kennt sich aus in alten Pfarrämtern und mit staubigen Kirchenbüchern, fährt viele Kilometer oft vergebens und führt zahlreiche Gespräche mit Pastören, Ämtern und Behörden. Seit einigen Jahren nimmt aber das Internet eine immer größere Bedeutung bei der Erforschung der eigenen Geschichte ein. Vor allem durch das Portal Genwiki, für das auch die Kiersperin Marlen Vedder tätig war und ist.

Von Johannes Becker

Es ist eine echte Fleißarbeit, die Marlen Vedder abgeliefert hat. Tagelang ist sie immer wieder auf den Kiersper und Rönsahler Friedhof gefahren, um dort jeden einzelnen Grabstein zu fotografieren. Die Bilder hat sie auf CD gebrannt und an Genwiki gesendet. Dort wurden die Fotos hochgeladen und anschließend mit einem Personenregister versehen.

„Jetzt kann jeder, der Familienforschung betreibt und glaubt, dass die eigenen geschichtlichen Wurzeln nach Kierspe führen, nachschauen, ob die gesuchten Menschen tatsächlich auf unseren Friedhöfen begraben liegen. Dadurch kann man sich unter Umständen viel Arbeit und Fahrgeld sparen“, erklärt Vedder. Wobei es eine Einschränkung gibt. Denn abgesehen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens oder bei Menschen, die durch Krieg und Terror umkamen, wird das Grab nach 30 Jahren eingeebnet – und damit verschwinden auch die Grabsteine als letzter Hinweis auf den Verstorbenen.

Danach bleiben dann wieder nur die amtlichen Eintragungen, die persönlichen Erinnerungen oder die Kirchenbücher. Letztere werden aber jetzt immer häufiger digitalisiert und stehen dadurch – wenn sie online gestellt werden – einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung.

„Darüber sind dann sicher alle Familienforscher sehr froh, denn oft haben die Gemeindebüros nur ein oder zwei Stunden geöffnet, da muss man dann manches Mal zwei- oder dreimal hinfahren, bevor man die gesuchten Eintragungen gefunden hat“, erklärt Vedder.

Sie selbst beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit den Stammbäumen der eigenen Familie und hat dadurch viel Erfahrung gesammelt und einen erstaunlichen Lebenslauf zusammengestellt. Als Mitglied der Gesellschaft für Familienforscher erhält sie auch deren Informationsschrift. Darin hat sie von dem Projekt erfahren und sich spontan zur Mitarbeit entschieden.

Im Grunde ist eine solche Arbeit nie abgeschlossen. Denn die Kiersper werden auch in Zukunft beerdigt. Von daher müsste auch jeder neue Grabstein fotografiert und in das Portal eingestellt werden. Da jedoch die Gräber an unterschiedlichen Stellen eingerichtet werden, ist dann echte Recherchearbeit gefragt. „Wie und ob ich das mache, weiß ich noch nicht“, so Vedder. Doch auch mit ihrer bisherigen Arbeit hat sie Maßstäbe gesetzt. Denn beispielsweise von den Friedhöfen der Nachbarstadt Meinerzhagen sucht man vergebens nach Aufnahmen. Wobei Vedder auch die Grabsteine des jüdischen Friedhofs fotografiert hat, diese sind allerdings aufgrund technischer Probleme noch nicht online verfügbar.

Arbeit für Genwiki gibt es übrigens noch genug. In Hamburg sucht ein Mann Mitstreiter, möchte er doch einen Friedhof mit 220 000 Grabstellen komplett erfassen.

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