1000 Hilfspakete bis Juni für Bila Zerkwa

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Die Abgaben wurden von den Helfern des Vereins „Kinder von Tschernobyl“ begutachtet und sortiert.

Kierspe - „Normalerweise ertrinken wir um diese Uhrzeit schon in Klamotten.“ – Samstag hielt sich der Andrang bei der Hilfsgüterannahme des Vereins „Kinder von Tschernobyl“ jedoch arg in Grenzen.

Doch Helmut Willnat weiß, dass es nicht an der mangelnden Spendenbereitschaft liegt, sondern am Glatteis, dass den Spendern die Anfahrt erschwerte, sodass zunächst nur wenige Leute zur ehemaligen Bäckerei Quel in Vorth kamen.

„Einige Helfer haben für heute abgesagt, weil sie nicht von Zuhause wegkamen“, erzählt der Schriftführer des Vereins, während er einen weiteren Karton zuklebt und beschriftet. „Spielzeug“ schreibt er in großen Buchstaben darauf, bevor die Kiste ins momentan recht leere Lager gestapelt wird. Es ist die erste Hilfsgüterannahme nach dem Transport im November 2015 nach Wischgorod; die nächste Fahrt soll im Juni stattfinden und an die evangelische Kirchengemeinde in Bila Zerkwa gehen. „Wenn wir bis dahin einen Lkw voll haben“, hofft Helmut Willnat. Ein Lkw, das bedeutet etwa 1000 Kartons gefüllt mit Kleidung, Schuhen, Taschen, Bettwäsche und Spielzeug, dazu Matratzen und Fahrräder.

Den größten Posten macht bei den Spenden die Damenbekleidung aus. „Da sind oft richtig gute, schöne Stücke dabei“, weiß Willnat. Auch teure Pelzmäntel, die sich hier einige nicht mehr zu tragen trauen, finden sich unter den Spenden, die die Helfer, darunter Vorsitzende Gisela Steinbach und Wilma Hehn (verantwortlich fürs Lager) in der ehemaligen Backstube sortieren.

 „Darüber freuen sich die Bedürftigen einerseits natürlich, aber auf der anderen Seite haben sie auch Bedenken, dass sie nicht mehr als bedürftig angesehen werden, wenn sie solch teure Kleidung tragen.“ Gestrickte lange Unterhosen, sehr knappe, moderne Mädchenkleidung, Karnevalskostüme, ein Mannschaftssatz T-Shirts – die Ehrenamtler können viele Geschichten über die Spenden erzählen. Manchmal vergisst auch jemand, die Taschen zu leeren. Dann finden sich Uhren, Armbänder oder noch D-Mark-Münzen. „Wenn es nichts Wertvolles ist, geht es mit, ansonsten geben wir die Dinge im Fundbüro ab.“ Auch die Röntgenaufnahme, die sich mal in einer Spendentüte befand, ging an den Besitzer zurück.

„Vermitteln Menschen ein Stück Hoffnung“

„Die Spenden werden hier oft sorgsam gepackt und gereinigt angeliefert“, lobt Helmut Willnat und berichtet von Kindern, die ihr aussortiertes Spielzeug selbst abgaben. Die mit Liebe angelieferten Spenden werden im Lager in Vorth 2 mit Freude verpackt und später an die Schwächsten in der Ukraine verteilt. „Wir vermitteln den Menschen damit ein Stück Hoffnung“, weiß der Ehrenamtler. „Uns braucht ja keiner“ sei ein Standardspruch, der in der Ukraine oft zu hören sei. Willnat: „Die Politik kümmert sich nicht und die Korruption im Land ist noch nicht vorbei.“ Die nächste Annahme von Hilfsgütern ist am Samstag, 20. Februar, von 10 bis 12 Uhr.

Doch nicht nur die Hilfstransporte sorgen für leuchtende Augen. Im Juli werden wieder Kinder aus der Region um Tschernobyl in Kierspe erwartet. Dafür sucht der Verein noch Gasteltern.

Wer einem Kind einen erholsamen Aufenthalt bieten möchte, sollte sich bei Antje Krings-Hawlina telefonisch unter 0 23 59 /17 82 melden.

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