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10 Jahre Fritz-Linde-Museum in Kierspe

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Von: Johannes Becker

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Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Marlen Vedder und Silvia Baukloh (links) die Werke von Fritz Linde sichteten, um einen Teil des Nachlasses in dem neuen Museum zu zeigen.
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Marlen Vedder und Silvia Baukloh (links) die Werke von Fritz Linde sichteten, um einen Teil des Nachlasses in dem neuen Museum zu zeigen. © Becker, Johannes

Es gibt den Fritz-Linde-Stein, die Fritz-Linde-Straße und seit Kurzem auch ein in einen Baum geschnittenes Abbild des Heimatdichters. Doch das eigentliche Andenken an den Kiersper, der in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag feiern würde, findet sich an der Straße Höferhof, denn dort steht das Fritz-Linde-Museum, das in diesem Monat seinen zehnten Geburtstag feiert.

Kierspe - Hunderte Seiten hat Fritz Linde säuberlich mit seinen Geschichten und Gedichten beschriftet – in Sütterlin. Kaum zu glauben, dass er dazu noch Zeit fand, neben seiner Arbeit bei Dr. Deisting und der nebenberuflich betriebenen Landwirtschaft. Silvia Baukloh und Marlen Vedder haben diesen literarischen Schatz vor mehr als zehn Jahren gehoben, um einen Teil davon im damals noch im Entstehen begriffenen neuen und dritten Kiersper Museum unterzubringen. Durch eine Erbschaft war der Heimatverein zu dem Haus gekommen, das einst vom Schwiegervater Lindes erbaut wurde und in dem der Heimatdichter bis zu seinem frühen Tod 1935 lebte. Neben einem Melkschemel und einem Küchenstuhl sowie Fotografien, Orden und Ehrenzeichen sind es vor allem die Schriften, die Linde hinterlassen hat und die das Interesse des Heimatvereins weckten. Es war wohl 2012 die letzte Chance, die Werke vor dem endgültigen Vergang zu retten. So begann das Papier sich schon zu zersetzen und die Schrift darauf zu verblassen.

Von Anfang an war klar, dass das Haus nicht zu einer reinen Gedenkstätte werden sollte, sondern dass dieser Ort mit Leben zu füllen sei. Jahr für Jahr fand dort eine neue Ausstellung statt, stets organisiert von Marlen Vedder und Silvia Baukloh. Gleich im zweiten Jahr wurden Puppen und Skulpturen von Silvia Baukloh gezeigt. Später dann auch Puppen aus dem Besitz von Kierspern, Fotos von Kölner und Friedrich-Ebert-Straße oder auch „Prüötteln vam Hahnejacken“ (Sachen vom Dachboden). Nur 2020 fand in dem alten Haus nichts statt. Corona hatte auch dort den Betrieb zum Erliegen gebracht.

Doch bevor die Besucher die wechselnden Ausstellungen besichtigen konnten, musste das Haus in einen Zustand versetzt werden, der dieses ermöglichte. Horst Vedder und Michael Groß waren von Januar 2012 bis zum Sommer nahezu täglich in dem Haus, das sie zur Baustelle gemacht hatten, anzutreffen. Unterstützung bekamen sie dabei auch von Eberhard Spottker, Wilfried Müller, Axel Kaczmarek und Dieter Baukloh. Letztlich schafften sie es, zum 130. Geburtstag von Fritz Linde am 26. Juli 2012 fertig zu werden.

Dank einer Spende war es damals auch möglich, Tische und Stühle zu kaufen, auf denen in den Folgejahren vor allem Mitglieder des Plattdeutschen Kreises gerne Platz nahmen, um auch aus den Werken Lindes zu lesen. Aber auch die Mitglieder des SGV kehrten gerne ein. Wie bei den Ausstellungen gab es an diesen Nachmittagen selbstgebackenen Kuchen, den die Mitglieder des Heimatvereins spendeten und der dort verkauft oder gegen eine Spende abgegeben wurde.

Mit diesen Einnahmen wurde und wird der Betrieb des kleinen Museums hauptsächlich bestritten. Darüber hinaus gibt es noch eine Stiftung, die aber aufgrund der Ertragslage von Geldanlagen in den vergangenen Jahren so gut wie nichts einbrachte. „2020 war es knapp. Dank der Spenden zum Tod eines Mitglieds des Plattdeutschen Kreises kamen wir aber über die Runden“, sagt Marlen Vedder, die aber auch betont: „Für die Zukunft hoffen wir, dass wir nicht wieder schließen müssen und uns unsere Gäste treu bleiben und neue dazu kommen.“

Ob diese Wünsche in Erfüllung gehen, wird sich am Sonntag, 31. Juli, und Dienstag, 2. August, zeigen, denn dann wird der Geburtstag des Museums gefeiert – mit einer Ausstellung, in der eine Auswahl der Veranstaltungen der vergangenen Jahre zu sehen sein wird – und bei der natürlich der selbstgebackene Kuchen angeboten wird.

Wer das Museum zum ersten Mal betritt, wird sich vielleicht wundern, dass dort neben Fritz Linde einer weiteren Kiersper Autorin gedacht wird – Anni Wienbruch. Es war Silvia Baukloh, die die Chance ergriff, dort damals auch die Werke Wienbruchs auszustellen. Die Lehrerin hatte einst vor allem Kinderbücher geschrieben, die in ihrer Zeit durchaus weit über Kierspe hinaus bekannt wurden. Außerdem kannten sich Wienbruch und Linde. „Die beiden kannten sich gut und standen auch miteinander in Kontakt. Das wird aus den Widmungen in Büchern deutlich, die sie sich gegenseitig zukommen ließen“, erzählt Baukloh.

Geburtstagsfeier

Der zehnte Geburtstag des Fritz-Linde-Museums, Höferhof 23, wird am Sonntag, 31. Juli, von 13 bis 17 Uhr

und am Dienstag, 2. August, von 15 bis 17 Uhr mit einer Ausstellung gefeiert, in der Exponate vorausgegangener Schauen gezeigt werden.

Ausstellungen im Fritz-Linde-Museum

Insgesamt elf Ausstellungen haben bislang im Fritz-Linde-Museum ihren Platz gefunden:

. 2014: Puppen und Skulpturen von Silvia Baukloh,

. ebenfalls 2014: Rabenkunst mit Claudia Ackermann,

. 2015: Stammbäume,

. ebenfalls 2015: Puppenausstellung,

. 2016: Schützenbilder KSV 1899,

. ebenfalls 2016: Mustertücher und Bierdeckel,

. 2017: Handgemachte Kostbarkeiten (klöppeln und weben),

. ebenfalls 2017: Fotos der Friedrich-Ebert-Straße,

. 2018: Konfirmations- und Schulbilder,

. 2019: Fotos der Kölner Straße,

. 2020: Aufgrund der Corona-Pandemie fand in diesem Jahr keine Ausstellung in dem Museum statt,

. 2021: „Prüötteln vam Hahnejacken“ (Sachen vom Dachboden)

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