500 Gramm Amphetamin als „letzte Hoffnung“

Halver - Rund ein Pfund gefährliche Aufputschmittel, sogenannte Amphetamine, lieferte ein 26-Jähriger aus Halver an einen 22-Jährigen aus Halver, der die Ware eigentlich weiterverkaufen wollte.

Geld sah der Lieferant nie. Denn bevor der Empfänger den Stoff in Umlauf bringen und seine Drogenschulden von 1250 Euro begleichen konnte, hatte er Besuch von der Polizei. Die Beamten fanden nicht nur das Pfund, sondern auch geringe Mengen an Marihuana und Haschisch sowie eine Feinwaage, Portionierungs- und Verpackungsmaterialien.

Gestern sahen sich Käufer und Verkäufer im Amtsgericht Lüdenscheid wieder, wo sie sich wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten mussten. Das Geschäft war ins Rollen gekommen, weil der 22-Jährige sich mit einem dringenden Appell an den Lieferanten gewandt hatte, nachdem andere Möglichkeiten geplatzt waren: „Du bist unsere letzte Hoffnung.“ Er musste sich erst einarbeiten. „Ich hatte einen alten Bekannten, der auch wieder einen kannte“, beschrieb er den Weg zu seinem eigenen Ankauf der 500 Gramm Amphetamine. „Okay, ich gebe mein Bestes“, schrieb er dem Auftraggeber per Kurznachricht zurück. „Ich kann aber nichts versprechen.“

Die 1250 Euro für die Ware streckte er vor - die bürgerliche Existenz mit einem guten Job und einem guten Gehalt machte es möglich. Bezahlt werden sollte nach dem Verkauf der Ware an die Endverbraucher. Er habe seinen eigenen Konsum durch die Drogengeschäfte finanziert, trug der 22-Jährige vor, der seinen mitangeklagten Lieferanten schon im polizeilichen Ermittlungsverfahren namentlich genannt hatte. Ihm wurden neben dem Drogengeschäft auch ein Hausfriedensbruch und der Besitz einer erlaubnispflichtigen Signalrakete vorgeworfen. Diese beiden Verfahren wurden allerdings mit Blick auf die Verurteilung wegen Handels mit Betäubungsmitteln vorläufig eingestellt.

Wegen eines Tipps hatten die Ermittler die Handy-Kommunikation der beiden überwacht, berichtete eine Beamtin. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Leichter wertete das Ganze als minderschweren Fall, weil die Droge nicht konsumiert worden war und keiner einen finanziellen Vorteil aus der Transaktion gezogen hatte. Schwer wog allerdings die Menge des Amphetamins, die die Grenze der Geringfügigkeit um das Zehnfache überschritten hatte. So wurde der 26-jährige Lieferant der Ware, der sich zuvor strafrechtlich noch nie etwas hatte zuschulden kommen lassen, zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Als Bewährungsauflage muss er 1500 Euro Geldstrafe bezahlen. Den Empfänger der Ware verurteilte das Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten. Als Auflage bekam er zudem 75 Stunden sozialen Dienst aufgebrummt.

Von Thomas Krumm

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