Bewährungsstrafe für Angeklagte wegen Kokainbesitzes

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Halver - Es schien, als sei ein Päckchen Kokain auf Reisen gegangen: 187,57 Gramm der Droge fanden Polizeibeamte am 19. November 2014 in einem Fahrzeug in Halver. „Ein sehr teures Päckchen“, wie Richter Jürgen Leichter mit Blick auf den Schwarzmarktwert der Ware später sagen sollte: 5000 bis 8000 Euro.

Einige Zeit später trafen die Beamten auch zwei niederländische Staatsbürger marokkanischer und türkischer Herkunft an, die mit dem nicht mehr ganz jungen Auto aus den Niederlanden eingereist waren. Sie gaben sich ahnungslos und überrascht. Und tatsächlich gab es Merkwürdigkeiten festzustellen: Keine der Türen des Wagens war verschließbar – ein möglicher Dieb hätte das Päckchen also ohne Schwierigkeiten mitnehmen können.

Umgekehrt hätte auch jeder das Päckchen in das Auto legen können, wenn er es kurzfristig hätte loswerden wollen. Aber warum hätte ein anderer Besitzer als die beiden niederländischen Besucher das tun sollen? Zudem hatte der jüngere Angeklagte (41) bei der vorläufigen Festnahme 4428 Euro bei sich, von denen die Polizeibeamten annahmen, dass es sich um Geld handele, das irgendwie mit Drogengeschäften zu tun habe. Es war also nicht verwunderlich, dass die Beamten in den beiden Männern die mutmaßlichen Besitzer dessen sahen, was da in deren Auto lag, und den Vorfall anzeigten.

Angeklagte bestreiten die Vorwürfe

Angesichts vieler weiterer offener Fragen und offenkundiger Ermittlungspannen war es nicht verwunderlich, dass das Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid sich viel Zeit für die Klärung der Angelegenheit nahm. Die beiden Angeklagten bestritten, etwas vom Aufenthalt des Kokains unter dem Beifahrersitz gewusst zu haben. Die beiden Beamten, die vor Ort gewesen waren, hatten stark differierende Erinnerungen an das, was sich bei der Festnahme der Beiden abgespielt hatte.

Es war deshalb letztlich keine Überraschung, dass die Meinungen am Ende des Verfahrens immer noch stark auseinander gingen: Der Staatsanwalt sah die Anklage bestätigt und stellte fest: „Anderweitig ist nicht erklärbar, wie eine so große Menge Kokain in das Auto gekommen sein sollte.“ Sein Strafantrag: Zwei Jahre und fünf Monate sowie zwei Jahre und drei Monate für die beiden Angeklagten – Haftstrafen, die nicht mehr zur Bewährung hätten ausgesetzt werden können.

Die beiden Strafverteidiger hatten ebenfalls Argumente auf ihrer Seite: „Was wollen Sie denn feststellen?“, fragte Verteidigerin Silvia Oster mit Blick auf die unklare Situation: Hatten die Angeklagten das Kokain in Deutschland gekauft? Oder wollten sie es noch verkaufen? Einzig der Besitz der Ware sei möglicherweise festzustellen und nicht einmal der könne wegen des nicht abgeschlossenen Fahrzeuges und der nicht gesicherten Spuren zweifelsfrei nachgewiesen werden. Silvia Oster beantragte deshalb einen Freispruch für ihren Mandanten – genauso wie ihr Kollege Dr. Prinz. Er vermisste den zweifelsfrei nachgewiesenen „Besitzwillen“ der beiden Angeklagten und bemängelte die Aufklärungsbemühungen der Beamten: „Wir haben keine DNA, keine Fingerabdrücke von dem Päckchen.“

Gericht überzeugt von "typischer Drogenfahrt"

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Leichter kam dennoch zu dem Ergebnis, dass die beiden Angeklagten die Besitzer des Kokains gewesen seien. „Warum sollte jemand gerade zu diesem Zeitpunkt Kokain für 5000 bis 8000 Euro in das Auto legen?“ Auch der kurze Aufenthalt zu dunkler Stunde sei typisch für eine Drogenkurierfahrt.

Vom Strafmaß her machte das Gericht den beiden Angeklagten jedoch einen Vorschlag zur Güte: Beide wurden „mit großen Bedenken“ zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt und müssen eine Geldbuße von je 1200 Euro zahlen. Außerdem zog das Gericht die sichergestellten 4428 Euro zugunsten der Staatskasse ein.

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