Unter Pandemiebedingungen

Zurück in den Kita-Regelbetrieb: Optimistischer Blick auf die kommende Woche

Melina (4) und Johanna (2) mit ihrem Papa. Er und seine Frau freuten sich schon, nach all den Wochen Spagat zwischen Betreuung und Beruf, auf den eingeschränkten Regelbetrieb – und die Kinder ebenfalls. Jetzt gehen Kitas mit dem Regelbetrieb noch einen Schritt weiter – zur Entlastung der Eltern und für mehr Struktur in der Einrichtung
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Melina (4) und Johanna (2) mit ihrem Papa. Er und seine Frau freuten sich schon, nach all den Wochen Spagat zwischen Betreuung und Beruf, auf den eingeschränkten Regelbetrieb – und die Kinder ebenfalls. Jetzt gehen Kitas mit dem Regelbetrieb noch einen Schritt weiter – zur Entlastung der Eltern und für mehr Struktur in der Einrichtung

Halver - Ein Schritt zurück ist auch ein Schritt nach vorne. Zumindest in Corona-Zeiten. Ab Montag laufen die Kitas wieder im Regelbetrieb. Was bedeutet das?

Monatelang hatten die Einrichtungen einen eingeschränkten Regelbetrieb. Während der Hochphase der Pandemie sogar nur Notgruppen – zunächst nur für Kinder, deren Eltern in systemkritischen Berufen arbeiten, später auch für Alleinerziehende. Im eingeschränkten Regelbetrieb durften zwar aller Kinde wieder in die Kita, ihre Betreuungszeiten wurden jedoch alle um zehn Stunden verkürzt. Ab Montag sind die Kinder wieder zu den gebuchten Zeiten in den Kindertagesstätten.

Kritik gab es dazu zum Thema Personal. Gibt es genügend Erzieher, um die 45 Stunden zu stemmen? Wer kümmert sich neben der pädagogischen Arbeit um die Hygieneverordnungen? In der Pressekonferenz von Familienministerin Franziska Giffey am Montag hieß es, von einem breiten Kitaausfall aufgrund des Personals könne nicht die Rede sein. Bezogen hat man sich auf bundesweite Daten, die lediglich einen fünf- bis zehnprozentigen Ausfall belegen.

Bei der Wiederaufnahme des Regelbetriebs sollen die Einrichtungen begleitet werden. Neben den Hygienestandards soll das ein Kita-Register sein, bei dem sich die Einrichtungen eintragen können. Die Leitungen machen dort Angaben zur Zahl der betreuten Kinder, den Hygienemaßnahmen sowie zur Raum- und Personalsituation. Einmal im Monat tagt der neue Corona-Kita-Rat.

Oberstes Ziel sei, laut Franziska Giffey, Kita-Schließungen zu vermeiden. In Halver hat es direkt zu Beginn eine Kita getroffen. Das Wunderland ist für zwei Wochen geschlossen, am Freitag liefen Tests ("Infokasten und Artikel unten). Wie blicken die Halveraner Kitas in die kommende Woche? Wir haben nachgefragt.

Coronavirus in Halver: So läuft´s in der Awo-Kita Wundertüte

In der Awo-Kita Wundertüte liegt bei Leiterin Sybille Haberland der Brief zur Anmeldung im Kita-Register. Zu Ende gelesen hat sie ihn bisher noch nicht. Die Ereignisse überschlagen sich momentan. Viele Personen rufen an, erzählt Haberland. Auch, weil sie die Wundertüte mit dem Wunderland verwechseln. Grundsätzlich aber blicke man entspannt auf die kommende erste Woche im Regelbetrieb. Personell passt alles und bis auf die Betreuungszeiten ändere sich nicht viel. Bis auf die Kinder, die momentan noch neu in die Kita eingewöhnt werden, geben die Eltern ihre Kinder weiterhin an der Tür ab und betreten die Einrichtungen nicht. Die Eltern in der Eingewöhnungsphase tragen einen Mund-Nasen-Schutz. Das Abgeben an der Eingangstür habe sich mittlerweile zur neuen Normalität etabliert. Die Kinder wollten es gar nicht mehr anders und sind stolz, selbstständig zur Garderobe zu gehen und sich umzuziehen. Daran dass sie danach als erstes Hände waschen gehen, müsse Sybille Haberland die Kinder nichtmals mehr erinnern. „Die Kinder wissen das alles. Sie können Corona zwar nicht packen oder begreifen, aber sie wissen, dass das nicht lustig ist.“ Auch die Eltern lobt Haberland für deren Gewissenhaftigkeit. Manche hätten sogar negative Corona-Tests vorgelegt, nachdem sie aus dem Urlaub kamen. Die wenigsten jedoch seien überhaupt verreist.

So läuft´s in der Kita St. Nikolaus

19 neue Kinder sind jetzt in der Kita. Elf von ihnen sind bereits eingewöhnt. „Trotz aller Einschränkungen hat alles gut geklappt.“ Sonst wird sich nicht viel in der Kita ändern. Jedes Kind ist wieder zehn Stunden länger da, sie bleiben aber in ihren Settings und auch die Erzieher werden nicht gemischt. Die einzelnen Gruppen gehen viel an die frische Luft; in den Wald oder auf den Spielplatz an der Ringstraße. Für die Familien freut sich Angelika Szymik. „Familien werden wieder entlastet. Das war eine Jonglier-Leistung.“ Personell gibt es in der Kita keine Probleme. Und bei der Studie macht die Einrichtung mit. Am Dienstag startete das Register und die Kita St. Nikolaus ist bereits eingetragen. Die Mitarbeiter haben gemeinsam als Team entschieden, sich alle 14 Tage testen zu lassen. „Damit sind wir auf der sicheren Seite und schützen alle.“ So könne man rechtzeitig reagieren und eine plötzliche Schließung versuchen zu verhindern. Dass Kitas flexibel seien, hätten sie während Corona bewiesen.

So läuft´s in der DRK-Kita Juno

In der DRK-Kita Juno gibt es aufgrund des Corona-Falls in der Kita Wunderland ebenfalls viel Erklärungsbedarf. Aber man sei vorbereitet, sagt Leiterin Petra Gelhart. „Wir arbeiten seit Beginn der Pandemie unter Volllast.“ Es sei gar keine Frage, ob man vorbereitet sei oder nicht. Sie sagt aber auch: „Das ist ein Regelbetrieb unter Hygienemaßnahmen einer Pandemie.“ Personell sei grundsätzlich alles gut, „aber ob in der kommenden Woche plötzlich jemand erkrankt, kann ich nicht wissen“. In der Elternschaft spiegeln sich viele Meinungen wider. Der eine sei froh, der andere eher ängstlich. Und auch die Vorgaben könne noch immer nicht jeder in Gänze nachvollziehen. Aber die Vorgaben macht das Ministerium, nicht die Kita selbst, betont Gelhart. Bei der Studie wird auch die Kita Juno mitmachen. „Man hat keine Vergleichszahlen. Wir wissen so vieles einfach noch nicht.“ Für sie eine Selbstverständlichkeit, mitzumachen. Beim Auftakt war die Kita noch nicht dabei. Man müsse immer Tag für Tag schauen, sagt Gelhart. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht.“ Aber auch dann, sagt sie, kann es trotzdem jeden treffen. „Wir gehen ganz gelassen in die kommende Woche. Alles andere wird sich zeigen.“

O-Töne zum Wunderland:

Was in der Kita Wunderland vorgefallen ist, könnte jede Kita treffen – so gut sie sich auch vorbereitet. Das sagen die Kita St. Nikolaus, die Awo-Kita Wundertüte und die DRK-Kita Juno zu ihren Kollegen in Oberbrügge: . Wundertüte: „Das tut uns leid für die Kollegen in der Kita Wunderland.“ St. Nikolaus: „Die Kita Wunderland hat sehr verantwortungsbewusst gehandelt. Das ist eine blöde Situation für die Einrichtung und auch für die Eltern. Man kann nur hoffen, dass kein weiterer Fall dazukommt. Die Kita hat in jedem Fall schnell und gut reagiert.“ .Juno: „Die Kita Wunderland hat alles gemacht, was sie konnte. Mehr kann man nicht machen. Es kann jeden treffen, leider hat es das Wunderland erwischt. Das hat sich keiner ausgesucht. In zwei Wochen wird die Kita wieder weitermachen.“

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