1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Halver

Weihnachtsbäume haben kein Problem mit dem Borkenkäfer

Erstellt:

Von: Thilo Kortmann

Kommentare

Volker Grüber baut auf seinen Flächen ausschließlich Bio-Weihnachtsbäume an. Als vierjährige Setzlinge (rechts) holt er sie in der Baumschule ab und pflanzt sie auf seiner Plantage ein.	Fotos: Kortmann
Volker Grüber baut auf seinen Flächen ausschließlich Bio-Weihnachtsbäume an. Als vierjährige Setzlinge (rechts) holt er sie in der Baumschule ab und pflanzt sie auf seiner Plantage ein. © Kortmann

Dichte Wolken hängen über den Nordmanntannen in Halverscheid. An den dunkelgrünen Nadeln glitzern winzige Wassertröpfchen. „In diesem Jahr gab es genug Regen“, freut sich Bio-Weihnachtsbaumhändler Volker Grüber, während er inmitten seiner Bäume steht.

Halver - Der Wassermangel in den Jahren 2019 und 2020 hatte für Volker Grübers Tannenbaumkulturen ganz besonders negative Konsequenzen: Pro Jahr musste er 4 000 Weihnachtsbäume entsorgen. „Die sind mir eingegangen, weil zu wenig Regen gefallen ist“, erklärt er. Im Vergleich dazu: 2021 waren es nur 500 Bäume, die nichts geworden sind. Einen kleinen Schwund gibt es jedes Jahr. „Das manche Nordmänner nichts werden, ist ganz normal. Jedoch nicht 4000. Das ist heftig“, erklärt er.

Der Borkenkäfer hält sich zum Glück noch fern. Die Nordmanntannen seien, so der Experte, einfach noch zu jung, hätten keine richtige Rinde entwickelt. Und für diese interessiere sich ja nun mal der Schädling.

Mit vier Jahren werden die Bäume von der Baumschule geholt und gepflanzt. Im Schnitt wird ein Weihnachtsbaum zwischen acht und zwölf Jahre alt und rund eineinhalb Meter groß.

100000 Bäume auf 16 Hektar

Volker Grüber baut seit 27 Jahren rund 100 000 Weihnachtsbäume auf 16 Hektar großen Plantagen an seinem Hof am Halverscheid 19 an. Nordmänner größtenteils, aber auch wenige Rotfichten. Der gebürtige Lüdenscheider übernahm das Weihnachtsbaumgeschäft von Ewald Ulrich. Fasziniert ist der 66-Jährige schon immer von dem grünen Weihnachtsbrauch. Als Student schon verkaufte er Weihnachtsbäume im Nebenjob.

Vor neun Jahren hat Volker Grüber seinen Betrieb auf nachhaltigen Bio-Anbau umgestellt. Bio bedeutet bei Volker Grübers: Artenvielfalt durch kleinteilige Anbauflächen, keinen Einsatz von chemischen Herbiziden und Insektiziden, Wasser- und Bodenschutz sowie der Verzicht auf mineralischen Dünger. Umweltschutz und Nachhaltigkeit betreibt er zudem durch Mähen von Hand und Schafbeweidung. Dazu kommt der regionale Verkauf durch eigene Stände und Direktvermarktung.

22 Euro pro Meter

Ist der Bio-Weihnachtsbaum dadurch teurer als der herkömmliche? „Nein, da gibt es keinen großen Unterschied“, antwortet Volker Grüber. Bei ihm kostet der Meter 22 Euro. Rund 30 bis 50 Euro koste so ein durchschnittlicher Bio-Weihnachtsbaum. Seine Kunden kommen aus Lüdenscheid, Halver und dem Ruhrgebiet. Selber aussuchen und schlagen ist auch möglich.

Sorgen macht sich Grüber wegen der Vollsperrung der B229 zwischen Brügge und Ostendorf. Um zu ihm zu gelangen, müssten Kunden aus Lüdenscheid beispielsweise einen Umweg über Schalksmühle in Kauf nehmen. „Ob das jeder mitmacht, bleibt abzuwarten“, sagt Grüber.

Wegen der Coronapandemie musste er voriges Jahr auf Glühwein-, Kuchen- und Würstchenverkauf verzichten. Normalerweise herrscht auf seinem Hof an den Adventswochenenden eine ausgelassene Stimmung. „Am 3. Advent ist hier richtig Remmidemmi“, erklärt er. Ob das wieder so stattfinden kann, bleibe wegen der angespannten Coronalage abzuwarten, fügt er hinzu.

Mit Straßensperrungen hat Friedhelm Neuhaus keine Probleme. Sein Hof in Kückelhausen ist für alle Kunden aus MK gut erreichbar. Sorge bereitet dem Landwirt auch nicht der Borkenkäfer. Zumindest bei den Weihnachtsbäumen. „Noch nicht“, erklärt. Aber wer wisse schon, was der Schädling mache, wenn alle Fichten weg sind, fragt sich der Halveraner. Gut 90 Prozent seines 34 Hektar großen Fichtenbestandes sind mittlerweile vernichtet. „Vielleicht frisst er sich ja gegenseitig auf, wenn alle Fichten weg sind. Das wäre noch das Beste“, sagt der Halveraner.

Düngerpreis verdreifacht

Sorgen dagegen bereiten dem Landwirt gestiegene Materialkosten für den Anbau seiner Weihnachtsbäume. „Der Düngerpreis pro Tonne ist von 200 Euro auf 600 Euro gestiegen“, erklärt der 73-Jährige. Dieses Jahr würden seine Weihnachtsbäume noch nicht teurer werden, erklärt er. Das werde sich wohl aber nächstes Jahr auf den Meterpreis auswirken, fügt er hinzu.

Ein Meter Nordmanntanne kostet bei Friedhelm Neuhaus derzeit rund 20 Euro. Er versuche, so viel wie möglich beim Anbau auf Chemie zu verzichten, aber rein Bio baut er nicht an.

Der Halveraner Landwirt vertreibt seit 21 Jahren Weihnachtsbäume. Zu seinem Sortiment gehören hauptsächlich Nordmänner, aber auch Korktannen und Nobilis. Auf 1,5 Hektar züchtet er rund 10 000 Weihnachtsbäume. Rund 200 Privat- und Firmenkunden suchen sich alljährlich in Kückelhausen ein nadeliges Exemplar aus. Selberschlagen ist auch möglich. Dafür hat Friedhelm Neuhaus eigens eine kleine Plantage direkt am Hof angelegt.

Selberschlagen als Event

Viele Kunden nutzten den Weihnachtsbaumkauf als richtigen Ausflug, das Selberschlagen komme als Event dazu. Es gebe Kunden, sagt Friedhelm Neuhaus, die stundenlang aussuchen und „die Hand an jedem Baum haben“. Dann gebe es wiederum auch Kunden, die die Tanne eilig im Scheinwerferlicht des Autos aussuchen. Alles schon vorgekommen. Auch am Hof in Kückelhausen gibt es eigentlich an den Adventswochenenden Glühwein, Waffeln und Bratwurst. Doch wegen Corona musste das auch bei ihm im vergangenen Jahr ausfallen. „Wir entscheiden das spontan. Kommt drauf an, wie sich das mit Corona jetzt entwickelt“, sagt der Landwirt skeptisch in die Zukunft blickend. „Im Moment würde ich eher zu einem Nein tendieren.“.

Öffnungszeiten

Am zweiten, dritten und vierten Adventswochenende verkauft Volker Grüber freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr seine Bio-Weihnachtsbäume auf dem Hof am Halverscheid 19. Wegen der Coronalage bleibt noch offen, ob das mit Glühwein- und Bratwürstchenverkauf stattfinden wird. Infos gibt es dazu bald unter www.bioweihnachtsbaum.de.

An allen vier Adventswochenenden verkauft Friedhelm Neuhaus seine Weihnachtsbäume in der Zeit von 10 bis 17 Uhr am Hof in Kückelhausen. Auch er lässt offen, ob er Glühwein, Waffeln und Bratwürstchen anbieten wird. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0 23 53 / 21 26. Auch Kunden, die unter der Woche einen Baum kaufen möchten, bittet der Halveraner, sich telefonisch vorher anzumelden.

Auch interessant

Kommentare