„Zeus & Consorten“ im Kulturbahnhof

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„Viva Las Vegas“: Hans Halbfas imitierte den Elvis und sorgte als „King“ für viele Lacher im Publikum.

Halver - Der Stadtstreicher, der sein Leben – mehr schlecht als recht geduldet – auf dem Bahnsteig verbringt, und die Putzfrau sind die festen Konstanten im Spiel. Auch Irina, „Mädchen für alles“ am Bahninformationsschalter und als alleinerziehende Mutter mit ihren pubertierenden Kindern hoffnungslos überfordert, und „Bordsteinschwalbe“ Nancy sind auf dem Bahnhof mehr oder weniger zuhause.

Alle anderen kommen und gehen, begegnen sich und gehen auseinander, lachen, streiten, lösen oder knüpfen Verbindungen, ziehen die Notbremse oder landen auf dem Abstellgleis. Wie Puzzleteile fügen sich die kurzen Episoden ihres Lebens in Thorsten Böhners Komödie „Wer versteht hier Bahnhof?“, mit der die Schauspielgruppe „Zeus & Consorten“ der Volkshochschule (VHS) Volmetal am Dienstagabend im Kulturbahnhof zu Gast war, zu einem runden, höchst vergnüglichen Stück. Kein Klischee blieb außen vor.

Unter Leitung von Martina Schnerr-Bille, die sich unter anderem als nicht ganz textsicherer Schauspieler auf der Durchreise mit Shakespeares Hamlet abmühte, brachte das spielfreudige Ensemble seine Zuschauer im voll besetzten Saal zum Lachen. Ideenreich umgesetzt, nahm eine ebenso komische wie tragische Szenenfolge ihren amüsanten Lauf.

Der eine verzweifelte, der andere fand unverhofftes Glück. Dem einen gingen die Augen auf, der andere revidierte seine Ansichten. Zügig und temporeich gespielt, nahm die Inszenierung die Dynamik, die jedem Bahnhof anhaftet, auf. Von Liebe zum Detail zeugten Bühnenbild (Bahnsteig) und Kostüme. In wechselnden Rollen legten die Akteure, die mit sichtlichem Vergnügen bei der Sache waren, Wandlungsfähigkeit an den Tag. Bis auf Sauberfrau Gathe (Inge Lück), die im Beruf taffe, privat an ihren Kindern verzweifelnde Irina (Claudia Klinke) und „Bankinhaber“ Siggi (Jutta Niggemann) – im früheren Leben Polizist – schlüpften alle Darsteller in mehrere Rollen.

Getreu der Devise: „Kein Typ Mensch, den Sie hier nicht antreffen“, blätterte das Ensemble frank und frei im großen Buch der Charaktere, Verhaltensmuster, Gedanken und Gefühle.

Vom Snob bis zur bibelfesten Helfersyndrom-„Aktivistin“, vom Schwerenöter bis zur sitzen gelassenen Braut beziehungsweise Bräuten fanden sich die (un-) möglichsten, amüsant überspitzten Charaktere auf dem Bahnsteig ein. Ihrer vielen Handys wurde da eine gestresste Geschäftsfrau nicht mehr Herr. Eine skrupellose Politikerin, der jedes Mittel recht war, blies zur Demontage ihres Gegenkandidaten. Einem Bräutigam im rosa Hasenkostüm, mit seinen Kumpeln hoffnungslos beim Junggesellenabschied versackt, schwante Übles.

Die bestrapste Nancy (Brigitte Péron) weckte den Tiger in einem Muttersöhnchen – und ein genervter Ehemann ergriff in der Krise die Flucht nach vorn. Das Schöne: Vieles löste sich überraschend und anders als erwartet auf. Außer den bereits Genannten spielten Diemut Barth, Siegbert Schomann, K. H. Buchwald, Helmut Fastenrath, Nina Naber, Ute Gehres, Ivonne Lemke, Anette Klingelhöfer, Helga Arnold, Elsbeth Venohr, Monique Hillebrands und Hans Halbfas in der rasanten Komödie „Wer versteht hier Bahnhof?“ mit. - von Monika Salzmann

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