Schulleitung äußert sich

Zeugnisvergabe am AFG sorgt für Unmut 

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Das Anne-Frank-Gymnasium Halver.

Halver - Der Frust ist groß – nicht nur bei einigen Lehrern, sondern auch bei Eltern und Abiturienten: Corona hat viele Pläne über Bord geworfen, unter anderem auch die feierliche Zeugnisvergabe am AFG verhindert. Dass es stattdessen einen reinen „Abholtermin“ auf dem Schulhof gab, sorgt für Verdruss. Die Schulleitung bezog jetzt Stellung.

Auf eine Meldung, dass sich das Anne-Frank-Gymnasium in Absprache mit den Schülern dafür entschieden habe, jeden Abiturienten sein Zeugnis einzeln abholen zu lassen und keine Veranstaltung für kleinere Gruppen oder ein Autokino stattfinden wird, haben sich Eltern bei uns gemeldet. Denn so, wie es Schulleiter Paul Meurer dargestellt habe, sei es nicht gewesen.

„So was hat keiner verdient“, sagte eine Mutter, die anonym bleiben möchte, zu dem Ablauf der Zeugnisübergabe. Ihr Kind sei enttäuscht und jetzt, da es Bilder von anderen Schulen gibt, in denen etwas für die Schüler organisiert wurde, sei es nur noch schlimmer. „Auch unter Corona-Bedingungen hätte man etwas ermöglichen können.“ Ihr zweites Kind hat sie an der Primusschule in Schalksmühle, die den Abschied ihres ersten Abschlussjahrgangs im Autokino Lüdenscheid feierte. Die Geschwister der Anruferin waren dort zusammen – bis eine Sprachnachricht dazu aufforderte, eine Stunde früher zum AFG zu kommen, weil die Übergabe schneller gehe als vorher gedacht. Am Ende sei ihr Kind alleine zum AFG gefahren.

„Es kam den Schülern nicht so vor, als hätten sie wirklich ihr Abitur gemacht.“

„Es kam den Schülern nicht so vor, als hätten sie wirklich ihr Abitur gemacht.“ Jedes Jahr hätten die Kinder anderen Abiturienten zugesehen und durften aufgrund von Corona weder einen Abisturm, noch eine Mottowoche abhalten. Das hätten die Schüler akzeptieren können. Dass aber auch die Zeugnisübergabe als Ende der Schullaufbahn so abgehalten wurde, können sie und viele andere Eltern, mit denen sie in Kontakt stehe, nicht verstehen.

Coronavirus in Halver: Zeugnis lag auf weißem Tisch auf dem Schulhof

Wie lief die Zeugnisvergabe aber nun ab? Gruppenweise – nach Alphabet geordnet – kamen die Abiturienten auf dem Schulhof zusammen. Iris Rüther, deren Tochter ebenfalls ihr Abitur-Zeugnis bekam, teilte ihre Wahrnehmung öffentlich bei Facebook: „Als wir dort ankamen, wusste ich nicht, ob ich in Tränen ausbrechen oder lachen sollte. Einige Schüler standen mit ihren Eltern auf dem Schulhof und unter dem Schuldach sah man von Weitem fünf Lehrer und zwei Tische stehen. Meiner Tochter wurde gesagt: ,Sie können kommen.’ Die stolzen Eltern begleiteten sie. Ihr Zeugnis lag auf dem weißen kahlen Tisch. Das durfte sie sich selber nehmen. Kein Händeschütteln, keine netten Worte, keine Blumen.“ Der Vorschlag, die Zeugnisvergabe im Autokino zu veranstalten, sei mehrheitlich von den Schülern abgelehnt worden. Auch, weil die Idee von Paul Meurer, mit seinem Cabrio vorzufahren, als Selbstinszenierung verstanden worden sei und nicht im Sinne der Schüler gewesen wäre, sagen die Eltern im Gespräch. Im Nachhinein, sagt Iris Rüther, hätte man das Zeugnis auch per Post schicken können. 

Anrufer aus dem Lehrerkollegium

Zu Wort meldete sich auch jemand aus dem Lehrerkollegium, der anonym bleiben möchte. Unmut gebe es nicht nur in der Elternschaft, sondern auch im Kollegium. Nachdem die Idee mit dem Autokino abgelehnt worden war, sei keine weitere Idee mehr alternativ zugelassen worden. Der Schulleiter habe auf das Hausrecht plädiert, sagt die Lehrerstimme. Die letzte Entscheidung hätte Paul Meurer getroffen ohne sich ein weiteres Mal an einen Tisch mit Eltern und Schülern zu setzen. 

Ablehnung von Ideen, die nicht corona-konform gewesen wären

Die Schüler hätten vorgeschlagen, die Schulaula zu nutzen, doch es sei nicht erlaubt worden, weil aus hygienischen Gründen die Mikrofone nicht benutzt werden dürften. Ein Gospelchor jedoch durfte in der Aula proben. Einen ähnlichen Widerspruch stellte eine Mutter fest, die in der Redaktion anrief. So durften Wunschballons auf dem Hof nicht in die Luft steigen, für den Gedenktag an Anne Frank sei dies jedoch der Plan.

Schulleiter bedauert Ablauf, hielt sich aber an die Schutzverordnung

Auf Nachfrage bei Schulleiter Paul Meurer heißt es: „Die Zeugnisübergabe war corona-konform und hat sich an der Corona-Schutzverordnung orientiert.“ Dass die Zeugnisübergabe der Höhepunkt für Schüler, aber auch für Lehrer sei, wisse er. „Traurigkeit gibt es auch im Lehrerkollegium und bei den Schülern“, sagte Meurer. Er wiederholte, dass sich für das Autokino keine finden ließ und man die Übergabe deshalb in einem formalen Rechtsrahmen durchführte.

Auch mit dem Bürgermeister habe Meurer gesprochen. Eine Veranstaltung wie man sie kennt, ist unter Corona verständlicherweise nicht möglich, sagt auch Michael Brosch. Die geltende Verordnung zu dem Zeitpunkt, an dem die Entscheidung fiel, habe nicht viel Raum für Möglichkeiten gelassen. Doch die Dinge ändern sich schnell, sagt Brosch, sodass die Schüler zum jetzigen Zeitpunkt die Möglichkeit hätten, eine interne Feier ohne Dritte abzuhalten. Also ohne Lehrer, Eltern und sonstige Gäste. Grundsätzlich aber sei jede Feier eine schuleigene Organisation und Veranstaltung, und das habe nichts mit der Stadt zu tun. 

Elternpflegschaft sieht die Schuld nicht beim Schulleiter

Auf Anfrage bei Elternpflegschaftsvorsitzenden Stefan Laartz, heißt es zur Erklärung, es gebe zwei Fraktionen in der Schüler- und Elternschaft. Eine, die eher vorsichtig ist und eine, die offener ist. Er vermutet, es käme einiges an Frust dazu, der sich in den vergangenen Wochen und Monaten aufgebaut habe. Ob den Schüler gerade die Zeugnisübergabe so wichtig ist, bezweifelt Laartz. Eher seien es die typischen Aktionen kurz vor den Abiprüfungen. Egal, wie die Zeugnisse ausgegeben worden wären: „Irgendwer wäre immer unzufrieden gewesen.“ Paul Meurer die Schuld zu geben, findet er nicht richtig. Laartz wisse, dass sich der Schulleiter bereits einiges anhören musste, aber auch, dass viele Schüler und Eltern mit der Ausgabe in Corona-Zeiten einverstanden waren.

Nachholaktion in Planung

Wie Paul Meurer sagt, plane er bereits eine Nachhol-Aktion. Einen Tag vor dem Ehemaligen-Treff im kommenden Jahr soll etwas für die Abiturienten stattfinden. Auch im Lehrerkollegium gebe es Pläne, die zwar noch nicht konkret seien, aber einen früheren Zeitpunkt anvisieren. Die Eltern befürchten nur, dass sich bis dahin die Kinder bereits „in alle Himmelsrichtungen verteilt haben“.

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