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Hochsitze zerstört: Jäger äußern sich zu Vandalismus

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Von: Florian Hesse

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Totalschaden in der Vömmelbach. Der Ansitz wurde umgehackt.
Totalschaden in der Vömmelbach. Der Ansitz wurde umgehackt. © Dirk Düppe

In der Woche nach Ostern sind in zwei Jagdrevieren im Osten der Stadt Halver insgesamt sechs Ansitze beschädigt worden. Eine Kanzel brachten ein oder mehrere Täter komplett zu Fall. Diese Kanzel in der Vömmelbach dürfte als Totalschaden durchgehen.

Halver - Als Revierpächter Kai Schönnenberg am Samstag am ersten Ansitz den Schaden in seinem Revier Winkhof entdeckte, dachte er zunächst an einen „Dummjungenstreich“. Im Folgenden stellte er fest, dass nahezu alle, im Revier fünf an der Zahl, Ansitze betroffen waren. Sie seien „unbrauchbar“, aber wohl reparabel, sagt Schönnenberg. Er vermutet, dass es Kinder, wahrscheinlicher aber Jugendliche gewesen seien, die möglicherweise aus Langeweile in der letzten Woche der Osterferien, seine Einrichtungen demoliert hätten: herausgetretene Bretter und Pfosten, verbogene Scharniere. Insgesamt hätte es schon Kraft gebraucht, schätzt der Jäger, der mit dem Erholung suchenden Publikum im Revier Winkhof eigentlich nie Probleme hat, wie er sagt, gerne auch Zusammenhänge von Jagd und Hege erklärt.

Mit Kraft und Werkzeug

Mal eben reparieren, das ist im Revier von Dirk Düppe am Raffelnberg nicht möglich. Am Ostersonntag stand sein Ansitz am Bachlauf des Vömmelbachs noch. Am Mittwoch kam ein Anruf. Die Kanzel läge am Boden. Am Samstag schaute sich der Pächter den Schaden genau an. Anders als im Revier Winkhof waren hier die Täter mit Kraft und Werkzeug an den Hochsitz herangegangen. Eine von vier Stützen, zwölf Zentimeter Durchmesser, war systematisch durchgehackt worden. Düppe vermutet eine Machete oder ein Messer als Werkzeug. Im Anschluss wurde sein Ansitz auf Zug oder Druck umgeworfen.

Ärgerlich in diesem Fall: Die Kanzel war gut eingerichtet mit Blick auf die Wiese am Bach und den nahen Waldrand. Auch eine ganz kalte Nacht hätte man darin aushalten können, sagt Jens Vohrmann, Mitjäger in dem Revier, das Düppe schon seit 25 Jahren gepachtet hat und betreut. Ob es reiner Vandalismus ist, sagen beide, könnten sie kaum beurteilen. Am ersten Mai ist die Jagd auf Rehwild eigentlich offiziell offen. Vielleicht hätten auch Jagdstörer vor diesem Hintergrund gerade jetzt zugeschlagen.

Viele Rehe, starker Verbiss

Für möglich, aber eher unwahrscheinlich hält das Kristian Filling, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit des Hegerings Halver. Genaue Kenntnisse der Jagdzeiten hätten die wenigsten Nichtjäger. Und zudem sei die Jagd auf Rehwild zumindest zum Teil bereits offen – aus Gründen des Naturschutzes. Denn die Jägerschaft ist zurzeit dringend gehalten, die Bestände klein zu halten. Grund ist die Borkenkäfer-Kalamität.

Im Klartext: Wo die Harvester in den vergangenen beiden Jahren die befallenen Fichten meist restlos abgeräumt haben, kommt junges Grün. Diese Art der natürlichen Verjüngung ist ökologisch gewünscht – das aber auch beim Rehwild. Der Verbiss an den jungen Trieben verhindert den natürlichen Aufwuchs, zerstört die jungen Pflanzen zum Teil auch endgültig.

Halver nicht jagdfeindlich

Über die Attacken auf die Ansitze, sagt Filling, dass Halver eigentlich nicht jagdfeindlich sei. Das Verhältnis zwischen Jägern, Spaziergängern und Hundebesitzern sei im Allgemeinen gut. Um so ärgerlicher seien die Vorfälle aus der Woche nach Ostern, denn die Jäger müssten sich auf sichere jagdliche Einrichtungen verlassen können. Und speziell mit Blick auf die Kanzel in der Vömmelbach ist Fillings Urteil deutlich: „Das hat schon eine andere Qualität.“

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