„Schrumpfkur“ endet glimpflich

Die Ergebnisse des „Zensus 2011“ liegen vor.  - dpa

HALVER - Der Zensus bewegte vor zwei Jahren nicht nur die Menschen, sondern auch die Medien: 17,5 Millionen Eigentümer und Hausverwalter wurden nach Gebäudezahl und Bewohnern befragt. Und seit gestern liegen die Zahlen der Öffentlichkeit vor - mit einem für Halver überraschend positivem Ergebnis.

Nicht zuletzt die genaue Einwohnerzahl beschäftigt Kämmerer Markus Tempelmann immer wieder. Denn: Mit jedem Einwohner mehr oder weniger ändert sich auch die finanzielle Zuweisung nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG). Insofern hätte die gestern vom Statistischen Landesamt IT.NRW veröffentlichte Einwohnerzahl zunächst für Ernüchterung sorgen können. Denn: Lag die amtliche Einwohnerzahl Halvers Ende 2011 bei 16 582 Männern und Frauen, weist der Zensus zum Stichtag 9. Mai 2011 nur 16 474 Halveraner aus - also 108 weniger als bislang angenommen. Dennoch wird allein diese „Schrumpfung“ nicht dazu führen, dass Halver weniger Zuweisungen aus Düsseldorf erhält, wie Tempelmann erklärt. „Dadurch, dass das Land in der Relation noch mehr Einwohner verloren hat, können wir sogar minimal von den neuen Zahlen profitieren“, freut sich der Kämmerer. Nordrhein-Westfalens Einwohnerzahl liegt laut Zensus nämlich knapp zwei Prozent, Halvers Zensus-Ergebnis nur 0,65 Prozent unterhalb des bislang angenommen Wertes. Der Anteil Halvers an der Gesamtbevölkerung NRWs stieg damit also sogar: von 0,929 Promille auf 0,939 Promille.

Allzu große Sprünge wird Halver in Sachen GFG-Zuweisungen deshalb aber nicht machen. „Zur Berechnung wird aus den Einwohnerzahlen der letzten drei Jahre ein Mittelwert herangezogen. So wird sich der neue Wert nur zu einem Drittel auf die ohnehin geringen Änderungen auswirken“, erklärt Markus Tempelmann, der sich grundsätzlich aber weiterhin über zusätzliche Einwohner Halvers freuen würde. Pro Kopf könne die Stadt mit einem Bonus von etwa 522 Euro an GFG-Zuweisungen rechnen.

Der Zensus zeigt aber nicht nur die Gesamtzahl der Einwohner, sondern schaut genauer hin. So wird deutlich, dass es am 9. Mai 2011 370 mehr Frauen als Männer in Halver gab (8400 zu 8070) und die 50- bis 64-Jährigen die größte Bevölkerungsgruppe ausmachen (20,3 Prozent), gefolgt von 40- bis 49-Jährigen (18,2 Prozent) und den 65- bis 75-Jährigen (11 Prozent). Diese Verteilung entspricht auch den Werten, die der Zensus für den Märkischen Kreis auflistet.

49,5 Prozent aller Halveraner lebten zum Stichtag in einer Ehe oder anderen Lebenspartnerschaft, 37,1 Prozent waren ledig und acht Prozent geschieden. Zu den übrigen Personen fehlten die Angaben zum Familienstand. 50,4 Prozent der Halveraner gehörten der Evangelischen Kirche an, 14,9 Prozent der Katholischen Kirche. Der Ausländeranteil in Halver lag im Mai 2011 bei 8,1 Prozent.

Und der Zensus nennt auch Zahlen, die sonst verborgen bleiben: Aufgrund der geringen Größe Halvers nennt die Agentur für Arbeit bekanntlich keine Arbeitslosenquote (siehe unten), das Landesamt für Statistik jedoch listet sie auf - zumindest für Mai 2011. Damals lag sie mit 470 Erwerbslosen bei 2,9 Prozent. 39,8 Prozent der Halveraner ab 15 Jahren besaßen demnach außerdem einen Haupt-/Volksschulabschluss, 28,5 Prozent die Mittlere Reife und 21,8 Prozent die Hochschul-/Fachoberschulreife (Abitur/Fachabitur). Überraschend viele Menschen über 15 Jahren hatten keinen Schulabschluss, nämlich 1410 (9,9 Prozent). - Frank Zacharias

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