Zeckensaison hat begonnen: Was Sie wissen müssen

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Der beste Krankheitsschutz ist, den Biss der Zecke zu verhindern. Lange Hosen und langärmelige Oberteile können helfen. Auch so genannte Repellents, Sprays die auf Haut und Kleidung gesprüht werden, können gute Dienste leisten.

Halver/Lüdenscheid – Mit dem Frühjahr hat auch die Zeckensaison wieder begonnen. Bis zum Herbst müssen Mensch und Tier nun wieder vermehrt Acht geben, sich nicht von den Spinnentieren beißen zu lassen. Denn Zecken übertragen viele Krankheiten.

„Schwerpunktmäßig haben wir bei Mensch und Tier mit FSME zu tun, aber auch mit Borreliose“, sagt Tierarzt Walter Eichert aus Halver. Dabei sei Vorsorge vor Zeckenbissen immer besser als eine Behandlung hinterher.

Wie leben Zecken?

Zecken leben nicht nur in Wäldern und Wiesen, sondern auch im heimischen Garten. Sie sitzen vorzugsweise im hohen Gras, in Büschen oder im Unterholz. Ihre Wirte spüren die Parasiten mit einer Art Geruchsorgan auf, das „Haller’sches Organ“ genannt wird. Es registriert mechanische, thermische und chemische Reize wie die Köpertemperatur oder die Buttersäure aus dem Schweiß eines möglichen Opfers.

Nach einer Blutmahlzeit nimmt der Parasit bis zum 100-Fachen seines Körpergewichtes zu. Es gibt Arten, die sogar um das 600-Fache zulegen. Zecken können aber auch ein Jahr ohne Nahrung überleben – manche Arten kommen sogar fünf Jahre ohne Blutmahlzeit aus.

Was begünstigt die Zeckenpopulation?

„Wir haben für Zecken extrem günstige Bedingungen“, sagt Eichert. Durch milde Winter kommt Zeckenbefall nun auch außerhalb der Zeckensaison vor. Mehrere von Zecken übertragene Krankheiten – Borreliose, Babesiose und Anaplasmose – waren früher Reisekrankheiten, die im Mittelmeerraum vorkamen und mit denen man sich durch Zeckenbisse in dieser Region ansteckte, sagt eine Halveraner Tierärztin, die nicht namentlich genannt werden möchte: „Das hat sich geändert. Wir haben nun in unserem Bereich auch mit diesen Krankheiten zu tun.“

Da es auch in unseren Breiten wärmer ist, seien neben dem Gemeinen Holzbock nach Auskunft der Tierärzte in Deutschland nun auch Arten wie Lederzecke, Auwaldzecke oder die Art Rhipicephalus sanguineus, die Braune Hundezecke, anzutreffen. Mit ihren Wirten, also den Zecken, wandern auch weitere Krankheiten ein. „Durch die Klimaveränderung haben wir es auch bei uns mit einer Zeckenplage zu tun“, meint Eichert. Diese sei jetzt noch überschaubar.

Wie zäh sind die Blutsauger?

„Zecken halten Einiges aus“, sagt die Halveraner Tierärztin. „Man wundert sich auch, wann Tiere mit Zecken belastet sind.“ Normalerweise sei die Zeckensaison im Frühjahr und Sommer, oft noch bis in den Spätsommer hinein. Inzwischen gebe es auch im Winter beispielsweise Katzen, die von Zecken befallen seien. „Mittlerweile haben wir ein ganzjähriges Zeckenproblem.“

Die Kälte mache ihnen nichts aus, ergänzt Eichert: „Die einzige Gefahr für Zecken sind feuchte Winter, wenn sie durch Pilzinfektion geschädigt werden können.“ Zecken überstehen auch das Herunterspülen in der Toilette. Auch den Waschgang bei 40 Grad überleben sie. Erst ab 60 Grad oder im Trockner geht es den Parasiten endgültig an den Kragen.

Nach einer Blutmahlzeit nimmt eine Zecke bis zum 100-Fachen ihres Körpergewichts zu.

Warum kann ein Zeckenbiss gefährlich sein?

Zecken durchlaufen in ihrer Entwicklung mehrere Stadien. Aus dem Ei entwickeln sie sich zur Larve, dann zur Nymphe, bis sie schließlich zu Adulten herangewachsen sind. In jedem Stadium brauchen sie einen oder mehrere Wirte, von dessen Blut und Lymphflüssigkeit sich die Zecken ernähren. Da sie mit dem Blut auch die Krankheiten des Wirts aufnehmen, können sie diese ohne Weiteres bei späteren Bissen übertragen.

Die zwei bekanntesten Krankheiten, die für Menschen gefährlich sein können, sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose (Lyme-Krankheit). „Wir haben in Deutschland 32 000 gemeldete Borreliose-Fälle beim Menschen im Jahr“, sagt Eichert. Die Dunkelziffer sei wahrscheinlich höher. „Gegen Borreliose gibt es für Hunde eine Impfung, für Menschen nicht. Für Menschen gibt es aber eine FSME-Impfung.“ Diese Krankheit sei für den Menschen auch gefährlicher und komme bisher in Ostdeutschland und Teilen Süddeutschlands vor.

FSME und Borreliose kann auch Hunden gefährlich werden, zudem können sie sich über einen Zeckenbiss mit verschiedenen anderen Krankheiten anstecken, darunter Babesiose, Ehrlichiose und Anaplasmose. Bei Katzen kommen Infektionen mit FSME-Virus, Borrelien oder Anaplasmen dagegen sehr selten vor.

Wie können sich Menschen schützen?

„Prophylaxe ist für Mensch und Tier von entscheidender Bedeutung“, sagt Eichert. Zeckenschutz beim Tier diene dabei auch dem Zeckenschutz beim Menschen. An erster Stelle nennt Eichert Repellenzien, also Sprays, die Zecken fernhalten sollen, mit denen Körper und Kleidung eingesprüht werden können. „Häufig sind diese Repellenzien auf der Basis von ätherischen Ölen und wirken teilweise sehr gut gegen Zecken“, ergänzt die Tierärztin aus Halver. Stiftung Warentest hat 2017 diverse Mittel getestet.

Wenn man sich im Freien aufhält, sollte man zum Beispiel die Socken über die Hose ziehen und Kleidung, Haut und Haare nachher genau inspizieren, rät Eichert. Außerdem empfehlen Fachleute, bei Spaziergängen oder der Gartenarbeit möglichst lange Hosen und langärmelige Shirts zu tragen. Wanderer sollten auf den Wegen bleiben und – insbesondere nach einem Sommerregen – Wiesen und Unterholz meiden.

Wie kann man Hund und Katze schützen?

„Man kann Hunde gegen Borreliose impfen, gegen Anaplasmose und Babesiose nicht“, erklärt die Tierärztin. Anders als beim Menschen falle eine Zecke bei Hund und Katze durch die Behaarung oft nicht auf. „Es wird erst bemerkt, wenn Tiere Krankheitssymptome zeigen.“ Wichtig ist auch das Thema Prophylaxe. „Bei Hund und Katze haben wir eine große Palette von tausendfach erprobten Medikamenten, die eine abschreckende oder abtötende Wirkung haben“, sagt Eichert. Dieses breite Angebot ermögliche eine optimal maßgeschneiderte Beratung beim Tierarzt, welche Mittel jeweils sinnvoll sind. „Es gibt die individuelle Frage, zum Beispiel ob Kinder im Haushalt leben, ob der Hund mit ins Bett darf oder man zusammen ins Wasser geht.“

Als Halsband oder als sogenannte Spot-On-Präparate, die auf Rücken oder in den Nacken aufgetropft werden, könnten sowohl abschreckende als auch abtötende Mittel verwendet werden, sagt Eichert. Der Nachteil der abschreckenden Mittel sei, dass die Zecken dann auf den Tierhalter übergehen könnten. „Seit einigen Jahren gibt es auch Tabletten zur Zeckenprophylaxe“, sagt die Halveraner Tierärztin. Weil es Fälle von Krämpfen gab, standen diese zwar in der Kritik, dennoch seien die Tabletten auf dem Vormarsch. „Sie sind nicht so eine Belastung für den Tierkörper und auch für die Besitzer ist es viel angenehmer.“

Prinzipiell sind die Prophylaxemittel bei Hunden und Katzen anwendbar, beim Inhaltsstoff Permethrin sei aber Vorsicht angebracht. „Das wirkt sehr gut gegen Zecken, aber Katzen sind dagegen allergisch und reagieren darauf sehr empfindlich“, sagt die Tierärztin. Sie habe deswegen schon Katzen mit starken Vergiftungssymptomen in Behandlung gehabt. Weil Katzen auf den Stoff allergisch reagieren, müsse man auch vorsichtig sein, wenn die Katze eng mit einem Hund zusammenlebe, bei dem ein Mittel mit Permethrin zum Zeckenschutz verwendet wird.

Wie sollte eine Zecke entfernt werden?

„Darüber streiten sich die Gelehrten“, sagt die Halveraner Tierärztin. „Wenn sie so groß sind, dass sie sich mit den Fingern packen lassen, haben sie sich schon vollgesogen.“ Dann ließen sie sich auch gut herausziehen. Mögliche Werkzeuge, um Zecken zu entfernen, sind Zeckenzange oder Zeckenhaken. Sie bevorzugt den Haken, ebenso wie Eichert. „Man führt den Haken unter die Zecke und entfernt sie mit einer drehend-ziehenden Bewegung“, erklärt er. Der Haken sei besser als eine Pinzette, bei der es vorkommen könnte, dass man zu fest zudrückt. „Und wenn man sich nicht sicher ist, sollte man eine Zecke auf keinen Fall mit den Fingern entfernen“, sagt Eichert.

In beiden Fällen könne dann das passieren, was beim Versuch, eine Zecke zu ersticken, geschieht: „Im Todeskampf erbrechen sie dann noch ihren infektiösen Mageninhalt in den Wirt hinein.“ Deswegen sollte man keine chemischen Mittel oder Alkohol verwenden, um die Zecke zu ersticken, wenn sie noch am Wirt sitzt. Auch die Nachsorge sollte man nach der Entfernung einer Zecke beachten, sagt Eichert.

Wenn sich Bissstellen röten, sollte ein Arzt beziehungsweise ein Tierarzt aufgesucht werden. Auch grippeartige Symptome oder Fieber können – unter Umständen auch erst nach Monaten – auf eine Infektion mit Borrelien oder FSME hindeuten. „Insgesamt ist Vorbeugung aber immer besser als eine Behandlung hinterher“, sagt Eichert. Gerade wenn man in zeckenbedrohte Regionen fahre, sollte man sich vorsorglich einsprühen.

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