„Zauberhafte Klassik“ in der Nicolai-Kirche

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Rudolf F. Nauhauser entlockte seinem Saxophon in der Nicolai-Kirche ungeahnte Klänge.

Halver - „Zauberhafte Klassik“, so war das Konzert von Carlos A. Reigadas und Rudolf F. Nauhauser Sonntagabend in der Evangelischen Nicolai-Kirche überschrieben. Und es war wahrlich zauberhaft – trotz defekter Orgel.

Die rund 120 Zuhörer waren zunächst ein wenig enttäuscht, als Carlos A. Reigadas diese Botschaft übermittelte und damit auch die Streichung von „Imitatio“, „Canon“ und „Organum“ bekannt gab. Denn diese im Programm angekündigten Improvisationen seien nur mit der Orgel spielbar, erklärte er. Doch am Ende des Konzertes waren alle zufrieden und glücklich mit dem, was die beiden Musiker dargeboten hatten.

Ungeahnte Klänge aus dem Saxophon

Zauberhaft wurde dieses klassische Konzert mit Werken von Eugene Bozza, Johann Sebastian Bach oder Claude Debussy, zum einen durch die Auswahl der Stücke und zum anderen durch die sehr gefühlvolle, fast zärtliche Darbietung. Reigadas überzeugte am Piano und Nauhauser entlockte seinem Saxophon ungeahnte Klänge. „Drücken sie mir die Daumen. Der junge Mann hat das ja nicht für das Saxophon geschrieben“, sagte Nauhauser und schmunzelte, bevor er das Allegro der Sonata Nr. 6 von Bach anstimmte. Mit seiner sympathischen Art und seinem Spiel verbreitete Nauhauser eine fröhliche Stimmung, die das Publikum mit begeistertem Applaus honorierte. Und dass der zweite Teil, Siziliano, „so seine Tücken hat“, wurde durch einen kleinen Patzer zu Beginn dann auch deutlich. Doch Nauhauser überspielte das gekonnt, setzte seine Brille auf und begann von Neuem.

Erfrischende Version zum Mitwippen

Auch Spontaneität bewiesen die beiden Musiker: „Air“ aus der Suite Nr. 3 BWV 1068 von Johann Sebastian Bach brachten sie zunächst klassisch perfekt auf die Bühne. Dann folgte die jazzige, ebenso perfekte Variante, die dem einen oder anderen in der Kirche sogar das Mitwippen gestattete. Es folgte lang anhaltender Applaus für diese erfrischende Version. Reigadas erklärte dazu: „In der Barockzeit war es üblich, bei Wiederholungen zu variieren. Der Solist durfte zeigen, was er drauf hat.“

Nach einer guten Stunde zollte das Publikum den Musikern mit Standing Ovations Tribut und Reigadas und Nauhauser bedankten sich ihrerseits bei den Zuschauern mit zwei Zugaben.

Ilka Kremer

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