Zauberhafte Klassik in der Nicolai-Kirche

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Carlos A. Reigadas und Rudolf F. Nauhauser überzeugten die Zuhörer.

Halver - Mit großen Komponisten und Melodien zum Träumen durchreisten Rudolf F. Nauhauser (Tenor-, Alt- und Sopransaxophon) und Carlos A. Reigadas (Orgel und Klavier) am Samstagnachmittag in der evangelischen Nicolai-Kirche Länder und Jahrhunderte.

Zum zweiten Mal begeisterten die beiden Musiker in ungewöhnlicher Instrumentenkonstellation mit „Zauberhafter Klassik“. Unterschiedliche Stilrichtungen brachten sie bei ihrem lebendigen Streifzug durch die Epochen unter einen Hut. Bei der Auswahl der Werke habe man eine Art Casting vorgenommen, scherzte Kirchenmusiker Carlos A. Reigadas (Hilden), der das Konzert mit Solostücken für Klavier und Orgel bereicherte. „Da die meisten Stücke so toll waren, ist das Programm so lang geworden.“

Einem umfangreichen ersten Teil in der Kombination Saxophon/Klavier folgte ein kürzerer Teil mit Orgel/Saxophon, den die beiden Musiker von der Empore aus gestalteten. Georg Philipp Telemanns charmanter Ohrwurm „Les Plaisiers“ aus der Suite in a-Moll, ein konzertantes, gefälliges Spielstück, gab gleichsam das Motto des Nachmittags vor. Die galante, empfindsame Schreibweise des Barockmeisters, dessen Musik an der Schwelle zu einer neuen Ära stand, stand den modernen Instrumenten dabei erstaunlich „gut zu Gesicht“. Mit Bravour meisterte Rudolf F. Nauhauser, der in unterschiedlichen Formationen aktiv ist und verschiedene Gospelchöre begleitet, die spieltechnisch ungemein schwierigen, im Original für Violine und Flöte bestimmten Bach-Stücke, die einen Schwerpunkt des Nachmittags bildeten.

Ob Violinkonzert in a-Moll, Doppelkonzert für zwei Violinen oder Sonata Nr. 6 E-Dur für Flöte: Das Duo machte die hochvirtuosen Werke, in denen Bachs Verehrung für Antonio Vivaldi aufblitzte, zum erlesenen Hörgenuss. Auf dem Klavier „ersetzte“ Carlos A. Reigadas kunstvoll begleitende Streicher und Continuo. Seine Virtuosität stellte der Seelsorgebereichsmusiker aus Hilden anschließend mit Präludium und Fuge b-Moll BWV 867 aus dem „Wohltemperierten Klavier“ von Bach eindrucksvoll unter Beweis.

Mit Debussy fingen die beiden Musiker den Zauber einer Mondnacht (Clair de Lune), mit Mendelssohn die Stimmen des Frühlings (Chanson de Printemps) ein. Der Sprung in die Moderne, zu Darius Milhaud und seinem wohl bekanntesten Kammermusikstück „Scaramouche“ – daraus vorgestellt die Sätze „Modéré“ und „Brazileira“ – gerieten zu einem Highlight des Nachmittags. Vor allem letzterer, eine flotte, spritzige Hommage an Brasilien und seine Musik, versetzte in Hochstimmung. Mit schwerpunktmäßig romantischer Musik von Gabriel Fauré bis César Franck luden Carlos A. Reigadas und Rudolf F. Nauhauser von der Empore aus – auf Orgel und Saxophon – zum Anhalten und Innehalten ein.

Die volle Klangschönheit der alten Ibach-Orgel brachte der Organist bei Jacques-Nicolas Lemmens Fanfare D-Dur eindrucksvoll zur Entfaltung. Mit Händels berühmtem „Hallelujah“ setzten die Interpreten unter ihre zauberhafte Auszeit vom Alltag ein dickes Ausrufezeichen. -  MS

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