Das Handwerk hat ein Problem

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Es bewerben sich immer weniger Menschen für Handwerksberufe.

Halver - Den Handwerksbetrieben bleiben die Fachkräfte und Auszubildenden fern und Kunden müssen länger auf Maler, Mauerer oder Zimmerer warten: Das Handwerk hat ein Problem – und daran ist unsere Gesellschaft nicht ganz unschuldig.

„Mit zunehmendem Wohlstand der Gesellschaft verlieren Berufe, in denen körperliche Anstrengung gefordert ist, an Attraktivität. Der Körper geht den bequemsten Weg“, sagt Bauunternehmer Bernd-Michael König vom in Halver ansässigen König-Bau. In seinem Unternehmen landen kaum noch Bewerbungen im Briefkasten. „Das sind ein bis zwei pro Jahr“, sagt König. 

Zwar sei es Jugendlichen nicht zu verdenken, dass sie nach dem Abitur zum Studium wollten. Dennoch: „Ohne Handwerk geht es nicht.“ 

Die Halveraner Architektin Cathrin Brückmann sieht die Lage ähnlich. „Man kann auch mit Abitur eine Ausbildung zum Handwerker machen. Unsere Gesellschaft achtet Handwerker einfach zu wenig, dabei sollten wir stolz darauf sein, was sie leisten“, sagt Brückmann. Auch sie beobachtet einen Rückgang der Fachkräfte. 

Anerkennung in der Gesellschaft stärken 

„Die Anerkennung durch die Gesellschaft sollte mehr gestärkt werden, denn wir brauchen pfiffige Handwerker“, sagt sie. Der Markt habe ein unheimliches Potenzial, das durch Werbung der Handwerkskammern noch viel mehr ausgeschöpft werden müsste. 

Auch Bernd-Michael König sieht die Handwerkskammern in der Pflicht: „Jetzt sind die führenden Köpfe gefordert. Aber die Handwerkskammern machen viel zu wenig.“ Es sollte einiges reformiert werden, um dem Problem beizukommen. In seinem Betrieb seien durchweg ausländische Mitarbeiter beschäftigt. Diese seien deutlich „williger und bereit, diese Arbeit zu machen.“ 

Dass der Rückgang auch Auswirkungen auf die Kunden hat, liegt in der Natur der Sache. „Wir und auch andere Betriebe sind geschrumpft“, sagt König. Und mit weniger Mitarbeitern könne man weniger Aufträge annehmen. Dann sei das Auftragsbuch zwar voll, aber das liege an den dezimierten Mitarbeiterzahlen. „Da muss man realistisch sein“, sagt König.

Kunden müssen länger warten 

Wie lange ein Kunde auf einen Handwerker-Termin wartet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das erklärt Markus Kluft, Pressereferent der Handwerkskammer Südwestfalen. Bei Notfällen komme in der Regel schnell ein Handwerker, planbare Maßnahmen müssten allerdings unter Umständen sechs bis acht Wochen – manchmal sogar noch länger – warten. 

Gesicherte Zahlen über den Fachkräftemangel gibt es zwar nicht, Umfragen der Handwerkskammer zeigen aber einen deutlichen Trend: Die 800 befragten Betriebe – insgesamt betreut die Handwerkskammer Südwestfalen knapp 12 000 – meldeten im Herbst 2012 genau 155 freie Stellen für Fachkräfte. Fünf Jahre später waren es schon 289. 

Noch gravierender ist der Trend bei den Auszubildenden: Im Herbst 2012 wurden 88 Lehrlinge gesucht, 2017 waren es 237. Die Handwerkskammer hat nach eigener Aussage das Problem des Fachkräftemangels erkannt und sucht verstärkt nach Auszubildenden, etwa durch Aktionen in Schulen und Informationsveranstaltungen für Lehrer oder Eltern.

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