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Leser und Bürgermeister durften titeln: Welche Wünsche sind wahr geworden?

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Von: Sarah Lorencic

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Schlagzeilen Zeitung 2021 Leser Halver
Welche Schlagzeilen gab es in 2021? © Lorencic

Vor fast genau einem Jahr fragten wir unsere Leser, welche Überschriften sie sich im Jahr 2021 wünschen. Nicht einer konnte in der Form bisher über einem Artikel stehen. War das Jahr so schlecht?

Halver – Corona ist noch nicht vorbei, es wurde nicht für jeden Halveraner ein Baum gepflanzt und nein, es sind nicht alle Straßen saniert worden. Doch manchen Bedürfnissen, die dahinter stecken, kam man zumindest ein Stück näher. Zwischenzeitlich war trotz Pandemie in diesem Jahr vieles nah an der gewohnten Normalität, auch wegen der Errungenschaft von Impfstoffen.

Aber Bäume wurden 2021 erst einmal weiter abgeholzt. Die Auswirkungen des Borkenkäfers kann niemand mehr übersehen. In diese Naturkatastrophe reihte sich das Hochwasser ein, das auch Halver traf. Und was die Straßen betrifft, so würden sich die meisten für kommendes Jahr wünschen, dass die A45 wieder frei befahrbar und die B229 nicht mehr länger gesperrt ist. Ist alles nur noch schlechter geworden? Auch Bürgermeister Michael Brosch sollte vor einem Jahr fünf Titel nennen. Wir blicken gemeinsam auf sie und das Jahr zurück – und rein ins neue Jahr 2022.

Unterm Strich war 2021 für Brosch „ein Jahr, in dem ich viel, viel, viel zu wenig Zeit hatte, mich um Themen zu kümmern, für die mein Herz brennt“. Überschattet von Corona war das Rathaus lange Zeit im Krisenmodus, erläutert der Bürgermeister.

Ein Jahr, in dem ich viel, viel, viel zu wenig Zeit hatte, mich um Themen zu kümmern, für die mein Herz brennt

Bürgermeister Michael Brosch zum Jahr 2021

War es im Sommer mit Blick auf die Pandemie eher entspannter, kam das Hochwasser. „Ich bin froh, was dennoch alles geschafft wurde“, sagt Brosch deutlich und lobt die Ehrenamtlichen, die Flutopfern in Halver und der Umgebung geholfen haben. „Was die SGSH geleistet haben, das war einfach gut.“

Was wurde aus Broschs Wunschtiteln?

Gewünscht hatte sich Michael Brosch eigentlich einen prall gefüllten Veranstaltungskalender. „Eine Zeit lang war das so“, sagt Brosch im Gespräch. Nach der Winterstarre 2021 ging es im April wieder los, erinnert sich das Stadtoberhaupt. Bis September. Und jetzt ist man wieder am gleichen Punkt. Er freut sich aber über alles, was möglich war. Zum Beispiel der Ersatz für die Halveraner Kirmes, der eingezäunte temporäre Freizeitpark auf dem Parkplatz des Fachmarktzentrums. „Es war ein kleines Angebot fürs Herz.“

Der zweite Titel beinhaltete den Wunsch nach Wiederaufforstung. Mit Blick in den Haushalt stellt Brosch positiv heraus, dass 60000 Euro bereitstehen für Wiederaufforstungsprogramme. „Geld ist das eine“, sagt Brosch. Erst einmal sind die Forstbetriebsgemeinschaft Halver sowie das Forstamt damit beschäftigt, die kranken Bäume zu entfernen. Ein Schritt nach dem anderen, lautet die Bitte. Wichtig ist Brosch, und so laute auch der Wille des Stadtrates, dass Bäume gesetzt werden, die eine Zukunft haben. Eine Aufforstung müsse mit Bedacht erfolgen.

Sein dritter Wunsch waren barrierefreie Busbahnhöfe. „Da war ich etwas schnell“, kommentiert Brosch rückblickend. Aber im kommenden Jahr wird es diesen Titel geben. Für Sommer sind die Umbauten fest geplant.

Der Wunsch nach einem Orthopäden in Halver war vor einem Jahr noch in weiter Ferne. Jetzt könnte er Realität werden. Die Orthopädin und Unfallchirurgin Bianca Mähler möchte sich gerne in Halver niederlassen, dazu soll auf dem Wippermann-Gelände neu gebaut werden. Pläne dazu sind bereits weit, einige Punkte müssen noch abschließend geklärt werden – wie etwa die Erlaubnis der Kassenärztlichen Vereinigung, Mählers bisherigen Sitz aus Lüdenscheid nach Halver zu übertragen. Geht es nach Michael Brosch, begrüßt er die Idee. „Was in meiner Macht steht, werde ich tun.“ Und er sagt: „Es wäre toll, wenn das klappt.“ Letzte Fragen müssen geklärt werden. Vermittelt worden war der Kontakt der Ärztin und ihres Mannes Uwe Mähler zu Kämmerer Tempelmann über FDP-Fraktionschef Sascha Gerhardt, der anregte, bereits mit einer Sondersitzung des Rats im Januar den Weg frei zu machen. Stimmen auch die Gremien zu, könnte das Gebäude mit integrierten Wohnungen im Jahr 2023 stehen.

Die Blutbuchen am Rathaus sollten gerettet werden, lautete der Wunsch von Brosch. Und so weit er das beurteilen kann, würde er sagen, dass es den Bäumen besser gehe. „Ich habe den Eindruck, sie sind besser ausgeschlagen.“ Zwei Wassertanks mit je 1000 Litern Fassungsvermögen versorgen die Blutbuchen mit Wasser von unten. Die Idee kam vom Baumpflegedienst Turck. Neben den Bäumen an der Thomasstraße geht es Brosch weiter auch um alle anderen Straßenbäume.

Auch zum Thema Windenergie fand Brosch klare Worte. „Wenn wir das ernst meinen, gibt es einen Weg“, sagte er Ende 2020. Die Auflagen für eine Errichtung sind mittlerweile andere, erklärt Brosch. Die neue Abstandsregelung von einem Kilometer bis zur nächsten Wohnbebauung sorgte dafür, dass einige Bereiche, in denen es vorher möglich gewesen wäre, ein Windrad zu errichten, jetzt weggefallen sind. Der Standort am Munitionsdepot aber ist weiterhin gut möglich. „Ein Schrittchen haben wir hinbekommen. Aber wir werden kein Windrad 2022 stehen haben.“

Neue Themen für 2022

Die Sperrung der A45 wird das kommende Jahr prägen. Und der Ernst ist dem Stadtoberhaupt klar: „Das ist auf mittlere Sicht brandgefährlich.“ Betriebe sind schon jetzt in Sorge und treten an Brosch heran. „Die Firmen bekommen keine Rohstoffe rein, aber auch keine fertigen Produkte raus.“ Er spricht von der Halsschlagader Südwestfalens, von der wichtigsten Autobahn in Deutschland. Dazu hat er kein Verständnis dafür, dass die B229 zwischen Brügge und Ostendorf nicht so lange geöffnet bleibt, bis Pkw wieder über die A45 fahren dürfen. Aber: „Ich bin frohen Mutes“, sagt Brosch. Man werde aus allem versuchen, das Beste zu machen. „Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen.“

Ich bin frohen Mutes.

Bürgermeister Michael Brosch

2022: Das Jahr der Jugend

Das kommende Jahr wurde von der Europäischen Union zum Jahr der Jugend erklärt. Symbolik, wenn es nach Brosch geht. „Schade, wenn es solche Impulse braucht.“ Aber auch er hat die Jugend für 2022 im Blick. Die Leser wünschten sich 2021 den Titel: „Mountainbike-Strecke eröffnet.“

Ernüchternd, dass stattdessen die Skateranlage an der Katrineholmstraße ersatzlos geschlossen werden musste. Doch was die Skateranlage betrifft, ist Michael Brosch „guter Dinge“, dass es bald eine Lösung gibt – und auch die Mountainbikestrecke an der Herpine ist konkret im Gespräch gewesen in diesem Jahr. Zu Beginn des Jahres wird Brosch das Gespräch zu Jugendlichen im Aquarium suchen, wie er sagt. Sie sollen mitreden und -entscheiden, was Ort und Umsetzung betrifft. Eine große Runde wird es 2022 auch dazu geben. Ein Schallschutzgutachten für den Standort an der Karlshöhe liegt mittlerweile vor und macht eine Umsetzung – mit drei Meter hoher Schallmauer – möglich. Der andere Vorschlag seitens CDU-, FDP- und UWG-Fraktion bevorzugt den Standort an der Herpine. Brosch liegt es daran, eine gute Lösung für die Jugend zu finden.

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