Schauspiel-Duo vermittelt Rezepte gegen Rassismus

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Zufrieden mit der Resonanz: Erika Held von der VHS (links) konnte sich über eine aufschlussreiche Veranstaltung mit engagierten Besuchern freuen.

Halver – Stammtischparolen, gespickt mit Menschenfeindlichkeit, Vorurteilen und Rechtsextremismus, sind zur Alltäglichkeit geworden. Doch wie verhält man sich richtig, wenn man damit konfrontiert wird? Um diese Frage zu beantworten, hatte die Volkshochschule Volmetal das Künstlerduo Karin Kettling und Jürgen Albrecht mit deren Workshop „Zuvielcourage“ in den Kulturbahnhof eingeladen.

 Am Donnerstagabend lieferten die Schauspieler „Impulse zur geistigen Notwehr“ und gaben den zwölf Teilnehmern mit Theaterszenen und Trainingsmethoden das nötige Mundwerkzeug, um sich in künftigen Diskussionen elegant, aber auch eindeutig für Menschenrechte und Menschenwürde einzusetzen.

Seit drei Jahren touren die beiden mit dem Workshop durch ganz Deutschland. „Wir kennen uns seit einer Schauspielausbildung, die wir vor über 25 Jahren besucht haben“, blickte der Theaterpädagoge, Regisseur und Radiomoderator Jürgen Albrecht zurück. Zusammen mit Karin Kettling, die derzeit am Stadttheater in Oberhausen auf der Bühne steht und als Stimmcoach und Antirassismustrainerin aktiv ist, entwickelte er dieses außergewöhnliche Konzept, bei dem zusammen mit den Besuchern Strategien entwickelt werden, mit denen Argumente entkräftet und Alltagsrassismus bekämpft werden kann. „Unser Workshop basiert auf dem Buch ‚Argumentationstraining gegen Stammtischparolen‘ von Prof. Dr. Hufer“, ergänzte Karin Kettling.

Wie es sich für etablierte Schauspieler gehört, begann der Abend für die Besucher mit einem kurzen Theaterstück. Als nörgelnder und rassistischer Besserwisser ließ Jürgen Albrecht dabei pausenlos menschenfeindliche Vorurteile vom Stapel. Seine Kollegin versuchte, mit diesen Aussagen sinnvoll umzugehen und sie zu entkräften. Wie genau sie dabei auf die haltlosen Argumente einging, wurde im Anschluss natürlich noch einmal genau erklärt.

Karin Kettling und Jürgen Albrecht eröffneten den Workshop mit einem kurzen Theaterstück zum Thema Fremdenfeindlichkeit.

Die Botschaft durch die kleine Aufführung kam bei den Besuchern an. Spielerisch wurde deutlich, wie solche Stammtischparolen und Vorurteile aufgebaut sind: Meist wird für die persönlichen Ängste ein Sündenbock gesucht, gegenüber Gesprächen und Argumenten verweigert man sich, und Menschen mit anderer Meinung werden ausgegrenzt. Der Umgang mit solchen Gesprächspartnern wurde ebenso aufgezeigt: Verallgemeinerungen lassen sich durch gezieltes Nachfragen schnell auflösen. Mit etwas Humor lässt sich so ein unangenehmes Gespräch besser führen, und vor allem sollte mit der nötigen Ruhe eine Eskalation verhindert werden.

Danach waren die Besucher an der Reihe. Wie beim Boxen erhielt jeder einen wechselnden Sparringspartner, der zwar nicht körperlich, dafür aber verbal „bekämpft“ wurde. Fremdenfeindliche Aussagen mussten mit passenden Argumenten entkräftet werden. Im Anschluss wurden dann noch einmal die besten Strategien zum Kontern zusammengefasst:

  • Nachfragen und eigene Meinung äußern. 
  • Auf das angesprochene Problem eingehen und Hintergründe erläutern.
  • Ruhig und freundlich bleiben.
  • Position beziehen und Grenzen ziehen.
  • Nicht auf deren Niveau herablassen.
  • Empathievoll und wertschätzend bleiben.

„Wir müssen uns äußern und sagen, was uns wichtig ist“, ermutigte Jürgen Albrecht die Teilnehmer abschließend und Karin Kettling fügte hinzu: „Etwas wird sich vielleicht bei unserem Gesprächspartner bewegen. Auch wenn er erst nach dem Gespräch darüber nachdenken wird.“

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