Wohnungsmarkt in Bewegung

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Halver - Lediglich zwei Prozent Leerstand bei 1835 Wohnungen in Halver und Schalksmühle. Davon konnten Wohnungsunternehmen noch vor einigen Jahren nur träumen. Über Neubauten und den aktuellen Stand der Gesellschaft sprach der Allgemeine Anzeiger mit WHS-Geschäftsführerin Andrea Craen.

Die Stadt Halver steht vor einer interessanten Situation im kommenden und wohl auch übernächsten Jahr. An mehreren Stellen der Stadt wächst neuer Wohnraum aus dem Boden. 

Laufende Bauvorhaben 

- Als privater Investor errichtet das Immobilienunternehmen Steinbach & Dahlhaus auf dem Gelände von ehemals Halver Rollen drei Mehrfamilienhäuser mit etwa 25 Wohneinheiten.

- Auf dem früheren Bahngelände investiert die WHS in zunächst ein, in der Folge in ein weiteres Mehrfamilienhaus mit jeweils acht Einheiten.

- In direkter Nachbarschaft baut Eberhard Franke als Investor zweimal je 14 Eigentumswohnungen. 

- Der Halveraner Ralf Tweer plant im westlichen Bereich der Fläche ebenfalls 14 Mietwohnungen. 

Kummer bereitet diese Perspektive Andrea Craen allerdings nicht. Was die Wohnungsgesellschaft Halver-Schalksmühle neben dem Fachmarktzentrum errichte, sei das, was im Portfolio des Unternehmens nicht ausreichend repräsentiert sei – Wohnraum für Familien mit ein bis zwei Kindern, von vornherein ausgestattet mit zwei Kinderzimmern. Dafür bestehe Nachfrage, und der Neubau am Bahnhof sei nahezu ausgebucht. Bleibt’s bei dem Zeitplan, soll der Bezug Anfang Juli 2018 erfolgen und spätestens dann über ein Nachbargebäude in gleicher Dimension entschieden werden. 

Eine Voraussage über eine möglicherweise höhere Fluktuation im eigenen und fremden Bestand mag die WHS-Chefin allerdings noch nicht treffen. Festzustellen sei, dass viele Anfragen von Zuzüglern kämen. „Offenbar sind Halver und Schalksmühle in den vergangenen Jahren attraktiver geworden“, vermutet sie. 

Förderung bringt nicht viel 

Die WHS-Vorhaben sind dabei – wie in den vergangenen Jahren auch – frei finanziert, also ohne Zugriff auf Mittel des sozialen Wohnungsbaus. Dies sei zwar vorstellbar, aber aus ihrer Sicht kaum mit Vorteilen behaftet. Die Erklärung ist dabei aus wirtschaftlicher Sicht einleuchtend. Angesichts der Niedrigzinslage brächten externe Fördermittel bei der Finanzierung keine nennenswerten Vorteile. 

Der Ruf nach mehr sozialem Wohnungsbau und damit Wohnraum für finanziell Schwächere sei auf Bundesebene und insbesondere für die Ballungsräume nachvollziehbar, doch „Halver ist nicht München“, sagt Andrea Craen. 

Selbst wenn seinerzeit geförderte Wohnungen des WHS-Bestandes aus der Zweck- und Mietpreisbindung fallen, weil sie ausfinanziert sind, gelte der Mietspiegel, und der sei eben im ländlichen Raum niedrig. In Halver gelte für neue Sozialwohnungen die Mietstufe 3, das heißt, der Mietpreis läge bei 5,25 Euro pro Quadratmeter. „Wir vermieten die meisten unserer Wohnungen unter diesem Betrag und bieten preisgünstigen Wohnraum auch ohne Förderung. Wohnungen in besonderer Lage und Ausstattung sind natürlich teurer.“ 

Auch für die Kommunalpolitik könnte ihre Einschätzung von Interesse sein. In mehreren Reden zum Haushalt griffen die Fraktionssprecher die Notwendigkeit auf, mehr preiswerteren Wohnraum zu schaffen. Dieser Verantwortung stelle man sich, habe aber in Halver eben nicht die Nachfrage wie in den Ballungszentren. In Halver gebe es „keinen Vermietermarkt, und wir haben keine langen Wartelisten“.

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