Stadt und Anwohner sind sich uneinig

Wird Glörfeld eine Sackgasse? Anwohner hoffen auf Lösung

Glörfeld Halver Straßen Wegeeinziehung
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Karl-Wilhelm Wehberg will nicht, dass an dieser Straße eine Schranke steht und nur noch eine Durchfahrt für Land- und Forstfahrzeuge möglich ist.

Damit hatte wohl keiner gerechnet. Eigentlich war am Donnerstag ein Beschluss im Ausschuss für Öffentliche Einrichtungen geplant, der die Wegeeinziehung in Glörfeld vorsieht. Die Straße, die nach Schalksmühle führt, soll als reiner Wirtschaftsweg weitergeführt werden.

Halver – Unterm Strich dürften nur noch land- und fortwirtschaftliche Fahrzeuge die Straße benutzen. Eine Schranke soll die Durchfahrt verhindern.

Das alles ist Teil des Wegenetzkonzeptes, das 2016 mit einem Planungsbüro erstellt wurde. Am Donnerstag gab es zur Vorlage noch eine Tischvorlage: ein Antrag der Grünen. Sie forderten, diesen Beschluss auszusetzen. „Bürger sollen mitentscheiden“, sagte Dietrich Pohlmann und las das Schreiben vor.

Fünf öffentliche Informationsveranstaltungen hatte es gegeben. Daran erinnerte Kämmerer Markus Tempelmann im Ausschuss und sagte, es seien Hunderte Anregungen von Bürgern gekommen. Die Bürger wurden beteiligt, sagte auch Bürgermeister Michael Brosch und sprach von klarer „Bürgerfreundlichkeit“. Seitens Michael Brosch und Markus Tempelmann bestand Einigkeit darüber, die Bürger „sehr intensiv“ beteiligt zu haben. „Auch im weiteren Verfahren soll es, wo es Sinn macht, geschehen“, sagte Brosch.

Kritik am Wegenetzkonzept

Kritik kam auch noch aus Reihen der CDU. „Das ist ein Hammer“, kritisierte Horst Höfer das Vorgehen der Verwaltung, die erst eine Woche vor dem Ausschuss mit dieser Vorlage über die Absicht in Glörfeld informiert habe. Dass 2016 ein Wegenetzkonzept erstellt wurde, sei richtig, aber man sei jetzt vier Jahre weiter. Er schlug eine Arbeitsgruppe vor und vor allem einen Ortstermin in Glörfeld, wenn die Corona-Situation es zulässt. Jürgen Wichert (SPD) fragte, ob die Gemeinde Schalksmühle überhaupt informiert wurde, denn der Weg, der ab Glörfeld gesperrt werden soll, ist nach einigen Hundert Metern Gemeindeeigentum.

Betont hat Michael Brosch, dass es sich bei dem Beschluss nur um die Eröffnung eines Verfahrens handele. „Es besteht hier keine Gefahr im Verzug.“ Das Verfahren sei ergebnisoffen und das Ergebnis kann dann „gerne noch einmal diskutiert werden“. Verständnis gab es wenig. Wenn es schwierig wird, sollte man keine Schaufensterreden halten, sagte Brosch. Vor vier Jahren war die Leitlinie klar, dass man sich von Straßen trennen muss, um die, die nötig sind, in einem ordentlichen Zustand zu halten.

Wegenetzkonzept kam mehrmals zur Sprache

Dass Horst Höfer noch bei dem Tagesordnungspunkt „Prioritätenliste der Straßensanierungen“ fragte, ob nicht irgendwie Kosten gesenkt werden könnten, nutzte Brosch und erklärte den Hintergrund des Wegenetzkonzeptes. Die Verwaltung lenkte jedoch ein und folgte dem Rat Höfers, dass es nicht eilt. Denn wird ein Verfahren eröffnet, hängt es auch an Fristen, erklärte Tempelmann. „Es ist sinnvoll, es in die nächste Periode zu schieben.“

Karl-Wilhelm Wehberg und Franz Josef Fleige aus Glörfeld.

Das bringt nun Zeit. Darüber freuen sich vor allem die Anwohner Glörfelds. Drei von ihnen waren am Donnerstag im Ausschuss anwesend. Im Gepäck hatten sie eine Unterschriftenliste mit mehr als 70 Einträgen von Glörfeldern. Gemeinsam mit einem Schreiben überreichten sie dem Bürgermeister ihre Mühen der vergangenen Tage. Denn gewusst haben die Anwohner nichts.

Anwohner haben Sorgen

Wir waren zu Besuch in Glörfeld bei Karl-Wilhelm Wehberg und Franz Josef Fleige und seiner Frau Elisabeth. Erst am Freitag vergangene Woche haben sie über Umwege erfahren, dass die Straße, die sie immer nutzen, abgesperrt werden soll. Innerhalb von 48 Stunden haben sie Unterschriften gesammelt und Politiker involviert. „Glörfeld würde eine Sackgasse werden“, sagt Franz Josef Fleige im Gespräch. Der Nachbar und Verpächter des Campingplatzes, Karl-Wilhelm Wehberg, war sogar 2016 auf den Infoveranstaltungen mit anderen Nachbarn. Konkret von Glörfeld war aber nie die Rede, sagt der 71-Jährige. Und die Nachricht macht den Anwohnern jetzt Sorgen.

Bis auf zwei Haushalte, sind alle Glörfelder gegen die Einziehung der Straße. Jetzt soll der Weg über Magdheide genutzt werden. Das wäre ein Mehrweg von zwei Kilometern, über Krause Buche vier Kilometer. Die sanierten Straßen aber sind für die Verwaltung eine Begründung für den Umweg. „Absurd“, nennen das die Glörfelder. Und die Anwohner in Magdheide? Die sind daraufhin auch „aus allen Wolken gefallen“, sagt Elisabeth Fleige. Die Straßen, die den Anwohnern blieben, meiden sie schon jetzt bewusst, wegen des hohen Unfallrisikos.

Was ist mit Einsatzwagen?

Und was ist, wenn es brennt, fragt Franz Josef Fleige, der Mitglied bei der Feuerwehr ist. Die enge Straße (Glörfeld) wäre von Einsatzwagen blockiert. Über die Wegesperrung werden auch Campingplatz-Besucher nicht erfreut sein, vermutet Wehberg. Sie kommen immer über diesen Weg von der A45. Und dann noch der Wanderparkplatz – der könnte von Schalksmühle aus nicht mehr angefahren werden. Was bliebe, wäre die Einfahrt von der L528 nach Glörfeld – aber die wird durch eine ausgeprägte Schwelle erschwert. Lkw und Campingwagen haben dort Probleme.

Verstehen können die Anwohner es nicht. „Hier hängen so viele Leute dran, aber genau hier will man sparen?“, fragt Elisabeth Fleige. „Wir hoffen auf eine Chance“, sagt Franz Josef Fleige. „Sonst würden wir es nicht machen. Nur, wenn man nichts macht, hat man schon verloren.“

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