„Wir sind moderner, als viele denken“

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Volkslieder? Fehlanzeige! Im gemischten Chor Germania Hohenplanken werden moderne Lieder einstudiert. Auch vor englischen Texten schrecken die Sänger nicht zurück. Wilfried Kriegeskorte und Beate Beisenbusch hoffen auf neue Mitstreiter.

Halver - „Unser Image ist viel verstaubter, als wir es wirklich sind“, sagen Wilfried Kriegeskorte und Beate Beisenbusch. Der Vorsitzende des gemischten Chores Germania Hohenplanken und seine Stellvertreterin sorgen sich um die Zukunft des Chores.

„Der Chor wird immer kleiner und neue Sängerinnen und Sänger bleiben aus“, erläutert Kriegeskorte das Problem. Viele scheiden aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen aus, derzeit haben sie noch 22 aktive Sänger – Tendenz fallend. Zum Vergleich: Vor drei Jahren waren es noch mehr als 30.

Das 140-jährige Bestehen des Chores wollen die Mitglieder in diesem Jahr aber zum Anlass nehmen, etwas gegen das staubige Image und gegen den Mitgliederschwund zu tun. Am 24. Oktober soll in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums ein Freundschaftssingen stattfinden, an dem nicht nur der Chor selbst, sondern auch bis zu zehn befreundete Chöre und Musikgruppen teilnehmen. Die Planungen laufen auf Hochtouren. Im Jahr 1875 wurde der Chor Germania Hohenplanken gegründet – damals noch als Männerchor. Seit 1963 singen auch Frauen mit.

„Wir singen Lindenberg und den Bond-Song“

Kriegeskorte: „Für die Veranstaltung im Oktober möchten wir einen Projektchor gründen, dafür suchen wir nun Männer und Frauen, die Lust haben, mitzusingen.“

Dass solche Aufrufe nicht immer Erfolg haben, ist Kriegeskorte und Beisenbusch bewusst. „Viele wissen gar nicht, wer wir sind oder denken, wir singen nur alte Volkslieder. Das stimmt aber überhaupt nicht!“, betont die stellvertretende Vorsitzende und zwinkert. „Oder die Leute sagen, dass sie gar nicht singen können. In den meisten Fällen fehlt aber nur der Mut. Man muss es einfach probieren.“

Möglicherweise sei es auch der Name, der viele abschreckt – immerhin hat dieser 140 Jahre auf dem Buckel. „Vielleicht ist es Zeit für etwas Neues, eine Erfrischungskur, auch nach außen“, mutmaßt die 46-Jährige. „Wir sind auf jeden Fall offen für Veränderungen und stellen uns Herausforderungen, wenn es dazu führt, dass unser Chor erhalten bleibt.“

Die Lieder jedenfalls sind modern und zeitgemäß, pflichtet Kriegeskorte ihr bei: „Wir singen was von den Toten Hosen, Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Lieder aus Musicals, Atemlos von Helene Fischer oder Skyfall, den Titelsong des gleichnamigen James Bond-Films.“ Beisenbusch: „Ännchen von Tharau gehört schon lange nicht mehr zu unserem Repertoire.“ Die Sänger entscheiden gemeinsam, welche Lieder einstudiert werden.

Proben jeden Freitag von 20 bis 21.30 Uhr

Die Mitglieder von Germania Hohenplanken hoffen darauf, Mitstreiter für den Projektchor gewinnen zu können und würden sich freuen, neue Gesichter in die Chorgemeinschaft aufzunehmen. „Bei uns muss man nicht vorsingen und auch keine Noten lesen können. Es geht um den Spaß an der Musik“, wirbt Wilfried Kriegeskorte. Wer unverbindlich in die Arbeit des Chores hereinschnuppern möchte, kann zu den Proben kommen. Jeden Freitag wird im Vereinshaus des TuS Ennepe von 20 bis 21.30 Uhr unter der Leitung von Ingo Reich geübt.

„Wer Fragen oder Anregungen hat oder nicht weiß, wie er zum Übungsraum in Schwenke kommen soll, kann sich gerne bei uns melden“, lädt Vorsitzender Wilfried Kriegeskorte ein. Er ist unter der Telefonnummer 0 23 53/41 46 zu erreichen.

Von Friederike Domke

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