Leise Energiewende

Windkraft in Halver nicht mehr strittig

Drei Wege für eine Akzeptanz von Windkraft in der Bürgerschaft sind im Gespräch. 
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Drei Wege für eine Akzeptanz von Windkraft in der Bürgerschaft sind im Gespräch. 

Prima Klima bis 2050. So steht es sinngemäß im Integrierten Klimaschutzkonzept, zu dem sich die Stadt Halver bekennt. Was heißt das konkret?

Halver – 95 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber dem Stand von 1990. Und bis 2035 will man die CO2-Bilanz immerhin schon um 27 Prozent verbessert haben. Ganz unauffällig hat die Politik in der vergangenen Woche ein Stück weit den Weg dazu geebnet.

Im Ausschuss für Planung und Umwelt war am Mittwochabend die Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Stadtgebiet im Grundsatz nicht mehr strittig. Und der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen nahm ohne Diskussion die Absicht zur Kenntnis, zunächst zwei Schulen und das Lern- und Begegnungszentrum mit Fotovoltaikmodulen zu belegen.

Vier Anlagen könnten Halveraner Haushalte versorgen

Das größte Potenzial bietet die Windkraft. Vier Anlagen würden rechnerisch den Strom liefern, um alle Halveraner Haushalte zu versorgen. Drei potenzielle Standorte am Stadtrand kommen dafür in Frage – am früheren Munitionsdepot an der Grenze zu Radevormwald, östlich Eickerhöh und an der Landstraße Richtung Wipperfürth vor Anschlag. Diese Flächen ergeben sich aus den Abstandsberechnungen eines Fachbüros unter Berücksichtigung der geltenden Rechtsprechung, wie Kämmerer Markus Tempelmann, zuständig auch für Bauleitplanung, im Ausschuss erläuterte.

Tempelmanns erklärtes Ziel ist dabei, eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bürgerschaft zu erreichen, und zwar auf zwei, möglicherweise auch drei Wegen. Unabdingbar sei eine frühzeitige Bürgerinformation. Und als weiteres wesentliches Element nennt er eine kommunale Beteiligung an den Erlösen in nennenswerter Höhe, die der Stadt Halver selbst zugute kommt. Bei auswärtigen Investoren sehe er diese Möglichkeiten nicht gegeben. Und ein drittes, noch zu prüfendes Element sei, dass Bürger selbst sich finanziell an den Anlagen beteiligten.

Politik fordert Ergebnisse

Einen Auftrag, dass aber ausschließlich Windkraftanlagen unter kommunaler Beteiligung zu prüfen und zu verfolgen seien, konnte der Kämmerer nicht aus der Sitzung mitnehmen. Damit sei der Prüfungsauftrag zu eng gefasst, monierte insbesondere SPD-Fraktionschef Martin Kastner. Im Sinne des Klimaschutzes gehe es darum, nun endlich zu Ergebnissen in Sachen Windkraft zu kommen, was bedeute, nicht andere potenzielle Investoren auszuschließen.

Für die Lösung sorgte Ausschussvorsitzende Martina Hesse letztlich mit einer redaktionellen Änderung des Beschlussvorschlags. Die weitere Planung und Umsetzung habe „vorrangig“ für Anlagen mit kommunaler Beteiligung zu geschehen – womit die SPD und letztlich der gesamte Fachausschuss gut leben konnte. Bei einer Enthaltung fiel der Beschluss beziehungsweise die Empfehlung an den Rat damit einstimmig aus.

Kein Beschluss, aber Empfehlung

Keinen Beschluss, aber eine einheitliche Empfehlung gab es an einem weiteren wichtigen Punkt. Noch hält die Stadt Halver ihre Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster aufrecht. Sie zielt darauf, dass die vorhandene Vorrangzone für Windkraft in Engstfeld weiter Bestand und damit Ausschlusswirkung für weitere Anlagen auf dem Stadtgebiet habe. Mit dieser Rechtsauffassung aber und dem Beharren auf den entsprechenden Festsetzunge des Flächennutzungsplanes würde die Stadt ihre eigenen Windrad-Planungen selbst blockieren.

Völlig einvernehmlich war tags zuvor auch der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen auseinandergegangen, als es um Solarmodule auf öffentlichen Gebäuden ging. Nach Empfehlungen des Kommunalen Netzwerks Energie- und Ressourceneffizienz könnten darüber jährlich rund 90 000 Kilowattstunden (kW/h)im Jahr auf dem Dach des Anne-Frank-Gymnasiums, knapp 18 000 kWh vom Dach des Lern- und Begegnungszentrums und weitere 82 000 kWh vom Hallendach der Regenbogenschule gewonnen werden. 1150 Quadratmeter Solarmodule wären dafür erforderlich.

Ohne verhältnismäßig teure Speicher würden sich die Anlagen in sieben, maximal neun Jahren amortisieren. Auf rund 125 000 Euro beziffert das Gutachten die Gesamtinvestition. Ziel ist damit die klimaneutrale Abdeckung des Eigenbedarfs der genannten Einrichtungen wie die Einspeisung ins Netz ohne Produktion von CO2.

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