Windkraft bei Engstfeld: Bislang nur Anfragen

Die Kraft der Natur: Das einzige Windrad auf Halveraner Boden steht derzeit bei Kamscheid. ▪

HALVER ▪ Nein, neu ist das Thema nicht. Doch es gewinnt angesichts der Ereignisse in Japan erneut an Bedeutung: Der mögliche Ausstieg aus der Atomkraft durch die Förderung alternativer Energiequellen beschäftigt die Behörden und Verbände auch auf kommunaler Ebene. Wie Bau-Fachbereichsleiter Franz Helmut Engel gestern erklärte, sei etwa das Investoren-Interesse an der Errichtung von Windkraftanlagen in Halver ungebrochen. Und mit einem Anstieg der Nachfragen sei infolge der Katastrophe in Japan durchaus zu rechnen.

„Es wird immer wieder nach unseren Vorrangflächen gefragt“, so Engel, der auf das Areal bei Engstfeld verweisen kann. Nachdem diese Fläche vor acht Jahren für große Diskussionen in Politik und Bevölkerung gesorgt hatte, sind dort Windräder „nur“ mit einer Höhe von bis zu 99,99 Metern zugelassen. Ursprünglich hatte ein Investor bei Engstfeld zwei jeweils 138,5 Meter hohe Windräder errichten wollen. Allein die derzeit gültige Höhenbeschränkung hindere potenzielle Investoren jedoch nicht daran, in Halver zu investieren, meint Engel. „Viel eher ist die Zufahrt problematisch.“ Für den Transport der Windräder müssten die Lastwagen teilweise auch auf Privatgrund fahren – doch die Genehmigung dazu sei nur schwer zu bekommen.

Nichtsdestotrotz rechnet der Fachbereichsleiter in naher Zukunft damit, dass das Thema Windkraft erneut an Fahrt gewinnt. Nicht nur aufgrund der aktuellen Diskussion, sondern auch wegen des Windenergie-Erlasses, der laut Landesumweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) in neuer Form verabschiedet werden soll. „Investitionshürden“ sollten dadurch abgebaut werden, hieß es bereits aus Düsseldorf – in welcher Form dies konkret geschehen soll, steht indes noch nicht fest. Der Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen wies noch in dieser Woche die Kommunen darauf hin, dass der entsprechende Entwurf noch nicht in Kraft ist und erst am 6. April im Rahmen einer öffentlichen Anhörung im zuständigen Landesausschuss erörtert wird.

In jedem Fall kämen auch auf Halver infolge einer Neuregelung einige Änderungen zu – mit denen sich dann nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Politik auseinander setzen müssten.

Dabei ist es nicht nur die Windkraft, die als alternative Energiequelle in Halver genutzt wird. So betreibt der Verein Heesfelder Mühle gemeinsam mit dem jeweiligen Förderverein Photovoltaikanlagen auf den Gebäuden des Anne-Frank-Gymnasiums sowie der Realschule. Zahlreiche weitere Anlagen wurden privat auf Hausdächern installiert – wie viele es davon in Halver gibt, ist behördlich nicht nachzuvollziehen, wie Raimund Meilwes vom Fachdienst „Bauen und Planung“ beim Märkischen Kreis erklärt. „Solche Photovoltaik anlagen sind grundsätzlich nicht genehmigungspflichtig. Es ist also jedem Hausbesitzer freigestellt, sein Haus damit auszustatten.“

Keine Wasserkraft

ohne Wasserrecht

Weitaus weniger Freiheiten haben Grundstückseigentümer, die Wasserkraft zur Energiegewinnung nutzen wollen. Ohne das entsprechende Wasserrecht sei der Betrieb einer solchen Anlage nicht erlaubt, erklärt Bernd Seuthe von der Unteren Wasserbehörde im Märkischen Kreis. „Man darf nicht nur schauen, welche positiven Effekte eine Wasserkraftanlage für die Umwelt hat.“ So würde von Wasserrädern immer auch Wasser entnommen, das dem Fluss- oder Bachlauf unbedingt zurückgeführt werden müsse. „Dass sich im Wasser lebende Organismen nicht gerade über ein Wasserrad freuen, versteht sich von selbst.“ Dennoch sei die Genehmigung möglich, wenn Auflagen erfüllt oder teils sogar historische Wasserrechte durch den Investor vorgelegt werden. „Manche dieser Rechte tragen noch das preußische Siegel“, erinnert sich Seuthe an einige Genehmigungsverfahren. Allerdings nutzt das „vererbte“ Wasserrecht, das etwa ein Müller weiland erhalten hat, heutzutage nichts, wenn damals nur die „Wasserentnahme“ zum Betrieb einer Mühle gewährt wurde. Trotz aller bürokratischen Hürden gibt es in Halver derzeit gleich drei Wasserkraftanlagen: eine in Oberbrügge, zwei entlang der Ennepe. „Damit ist Halver im Vergleich zu anderen Kommunen recht gut im Geschäft“, sagt Bernd Seuthe. ▪ Frank Zacharias

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