Tierschutzverein

Drohnen stören Wildvögel - Tierschützer verärgert

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Drohnen sind nicht nur für Flugzeuge gefährlich, auch Wildvögel werden durch die Flugobjekte gestört.

Halver - Mit ihren Drohnen und Modellflugzeugen kommen Hobbypiloten Wildvögeln und ihren Nestern immer wieder gefährlich nahe, obwohl die Fluggeräte rund um Halver eigentlich verboten sind. Denn dort ist fast überall Landschaftsschutzgebiet.

"Wir haben das regelmäßig auf der Eickerhöh beobachtet, weil wir da auf dem Weg zu einer Futterstelle vorbeifahren“, berichtet Petra Steiner vom Tierschutzverein Halver-Schalksmühle. Unter anderem auch in Hohenplanken, Kamscheid, Grünenbaum sowie Kierspe-Rönsahl hätten sie und ihr Mann Ralf Steiner Modellflieger beobachten können. „Es ist oft so, das in der Nähe von Brutplätzen geflogen wird. Das finden wir dann besonders rücksichtslos“, sagt Ralf Steiner, der ebenfalls im Tierschutzverein aktiv ist und in Teilen des Märkischen Kreises Greifvogelkartierungen macht. 

Gemeinsam beobachteten sie etwa einmal über einen längeren Zeitraum jemanden, der gleich sechs unterschiedlich große Modellflugzeuge und Drohnen im Landschaftsschutzgebiet kreisen ließ, und das zum Teil nur in wenigen Metern Höhe. „Er ließ die Dinger gezielt richtig aufheulen und auch in eine Schonung mit Singvögeln reindonnern.“ Der betreffende Modellflieger sei ihr sogar mehrfach aufgefallen, beim zweiten Mal sei er allerdings mit einem anderen Auto unterwegs gewesen.

„Er hatte dann eine Jacke über dem Mercedesstern hängen und die Heckklappe stand offen“, sagt Steiner. So habe man die Kennzeichen nicht sehen können, vermutlich damit man ihn nicht identifizieren konnte. 

Pilot zeigt sich uneinsichtig

Ein anderer Vorfall ereignete sich an einer Stelle, von der Steiner wusste, dass dort Rotmilane nisten. „Ich habe dann gesehen, wie jemand seine Drohne spiralförmig zwischen den Vögeln aufsteigen ließ“, berichtet sie. Sie habe ihn auf sein Fehlverhalten hingewiesen, der Pilot habe sich aber uneinsichtig gezeigt. „Wir haben es vielfach erlebt, dass es von den Leuten bestritten wird, dass es verboten ist oder den Tieren schadet“, sagt Ralf Steiner. 

Nur einen Teil der Leute erreiche man allerdings durch die Ansprache. „Einigen ist es schlichtweg egal.“ Die Silhouetten von Drohnen oder Modellflugzeugen würden von Singvögeln wie die Umrisse von Raubvögeln wahrgenommen, die Tiere erlebten so Todesangst. Auch Raubvögel wie der streng geschützte Rotmilan haben unter den fremden Flugkörpern in der Nähe zu leiden. Deren Präsenz könne dazu führen, dass die Brut aufgegeben wird. „Wenn Fremdkörper am Himmel sind und Leute in der Nähe, dann fliegen die Vögel das Nest nicht mehr an und füttern ihre Jungen nicht“, erklärt Petra Steiner. 

Für die Vögel macht es keinen Unterschied

Ob jemand seine Fluggeräte aus Absicht in Richtung von Vögeln lenkt und in der Nähe von Nistplätzen kreisen lässt oder aus Unwissen handelt – für die Vögel macht das keinen Unterschied. Sie werden gestört und vergrämt. „Ich unterstelle den meisten keine böse Absicht, sondern Nichtwissen“, sagt Petra Steiner. Schließlich könne man überall Drohnen und Modellflugzeuge kaufen. Man wolle appellieren, dass diejenigen, die ihrem Hobby nachgehen wollen, Rücksicht auf die sensiblen, wertvollen Gebiete nehmen, betont Ralf Steiner. „Der Schutz der Natur sollte hier Priorität haben.“ 

Die Hobbypiloten sollten sich mit den Behörden in Verbindung setzen und abstimmen, wo Drohnen- und Modellfliegerei möglich seien. Allerdings liegt der überwiegende Teil des Halveraner Stadtgebiets außerhalb der bebauten Ortsteile in einem Landschaftsschutzgebiet. Entsprechend gilt dort auch die Landschaftsschutzgebietverordnung für den Märkischen Kreis. Das heißt: Motor- und Modellsport darf dort nicht betrieben werden. 

„Man darf Drohnen und Modellflugzeuge weder im Natur- noch im Landschaftsschutzgebiet fliegen lassen, und zwar generell nicht“, sagt Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises. Eine Erlaubnis des Grundstückeigentümers, zum Beispiel eines Landwirts, genüge nicht, um die Fluggeräte fliegen zu lassen. Handelt es sich nämlich um ein Natur- oder Landschaftsschutzgebiet, gilt auch das Verbot. Petra Steiner trägt inzwischen die Landschaftsschutzgebietverordnung immer bei sich, um den Drohnen- und Modellfliegern gegebenenfalls schwarz auf weiß deutlich machen zu können, dass sie in einem Schutzgebiet nicht ihrem Hobby nachgehen dürfen. „Ich bin es leid“, sagt sie. 

Mindestens sechs Vorfälle

Steiner allein weiß von mindestens sechs Vorfällen mit Drohnen- und Modellfliegern, die sich im vergangenen Jahr im Landschaftsschutzgebiet rund um Halver ereignet haben. Aus diesem Jahr sind ihr noch keine Fälle bekannt, allerdings hält sie es für wichtig, nun zu Beginn der Brutzeit darauf hinzuweisen, dass das Flugverbot dem Schutz bedrohter und streng geschützter Vogelarten dient. Es gibt allerdings durchaus Fälle, in denen Drohnen auch im Landschaftsschutzgebiet eingesetzt werden dürfen, erklärt Kreissprecher Klein: „Wenn Landwirte ihre Felder abfliegen, um Rehkitze zu finde, bevor sie mähen, dann ist das im Sinne einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft und dient sogar dem Artenschutz.“ 

Auch Landwirte benötigen in diesen Fällen allerdings eine luftverkehrsrechtliche Genehmigung – wie sie auch für Drohnen- und Modellflieger generell vorgeschrieben ist. „Aber das wissen die wenigsten“, sagt Klein. „Dazu ist eine nicht so einfache intensive Schulung nötig.“ Der somit erworbene Kenntnisnachweis gilt für Fluggeräte ab einem Gewicht von zwei Kilogramm.

 Bereits ab einem Gewicht von 250 Gramm gilt für Drohnen und Flugmodelle außerdem eine Kennzeichnungspflicht sowie für diese Fluggeräte generell eine Versicherungspflicht. Zuständig für die verkehrsrechtliche Genehmigung ist auch für den Regierungsbezirk Arnsberg die Bezirksregierung Münster. 

Geldbußen bis zu 50 000 Euro

Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die Verbote der Landschaftsschutzgebietverordnung verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro geahndet werden kann. Die Höhe variiert dabei je nach Fall, erklärt Kreissprecher Klein. Angefangen bei einem Verwarngeld von 50 Euro, könne das Bußgeld auch deutlich höher ausfallen, wenn jemand zum Beispiel neben einem Milanhorst ständig seine Drohnen fliegen lasse. Welche Teile Halvers Natur- und Landschaftsschutzgebiete sind und welche nicht, lässt sich im Geodatenportal auf der Webseite des Märkischen Kreises ablesen.

Weitere Infos unter https://gdi2.maerkischer-kreis.de/oeffentlich_b_umwelt.html

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