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Wieder Klage gegen Skateranlage? Umfrage bei Anwohnern

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Von: Sarah Lorencic

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Das Skaten an der Katrineholmstraße ist Geschichte. Das ist jetzt auch der Stadt klar.
Das Skaten an der Katrineholmstraße ist Geschichte. Das ist jetzt auch der Stadt klar. © Svenja Meyrich

Wann kann in Halver wieder geskatet werden? Das ist eine Frage, auf die es keine klare Antwort gibt. Bei einer letzten Sachstandsabfrage ging man im Rathaus hoffnungsvoll vom Herbst aus. Diese Möglichkeit ist nun wieder vom Tisch. Und jetzt wieder eine Klage im Raum.

Halver – Angedacht als neuer Standort ist eine Fläche unmittelbar an der Karlshöhe, direkt an der Frankfurter Straße. Doch wer dachte, man hätte einen guten Standort gefunden, täuscht sich. Denn gegen diesen Standort drohen Anlieger mit einer Klage, wie unsere Redaktion erfahren hat.

Dabei ist ein erster Schritt in Richtung Skateranlage gemacht: Im April wurde der Einleitungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 17 „Oesterberg“, gefasst, der eine Änderung der Fläche vorsieht, die fortan als Skaterbahn dienen soll. Der Bebauungsplan setzte für das Plangebiet eine Fläche für Versorgungsanlagen fest. Um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung der Skateranlage zu schaffen, war eine Änderung in eine Fläche für Sport- und Spielanlagen mit der entsprechenden Zweckbestimmung erforderlich. Dieses Mal will man seitens der Stadt alles richtig machen. Denn an der Katrineholmstraße war die Skaterbahn nie rechtens und musste, nachdem eine Anwohnerin geklagt hatte, abgebaut werden.

Gut anderthalb Jahre ist die Anlage nun weg, und die Rampen stehen auf einer Lagerfläche des Bauhofs in Oeckinghausen. Wieder aufgebaut werden sollen sie an der Karlshöhe – für den Vorschlag an der Herpine hatte es viel Kritik gegeben, weil der Standort zu weit weg und versteckt ist. Mit dem Standort an der Karlshöhe sind aber auch nicht alle zufrieden, wie eine Umfrage bei den Anwohnern ergab.

Anwohner an der Karlshöhe

Die erste Kritik äußerte der Reitverein (RV) Halver. Die Vorsitzenden sorgten sich um den Lärm, der die Pferde erschrecken würde. Und dann, so erklärt es Kassierer Thomas Degen, könnte es mitunter ein Sicherheitsrisiko für Reiter geben. Die Sicherheit sei wichtig, sagt Degen. Seit dem letzten Gespräch zwischen ihm, Marcus Freund (1. Vorsitzender, RV Halver) und Michael Brosch sind die Bedenken aber größtenteils verschwunden. „Wir sind nicht begeistert, aber damit können wir leben“, sagt Thomas Degen, der mit seinem Vereinskollegen die Pläne für die Skaterbahn erläutert bekommen hat. So sei die Skaterbahn weit genug von der Reitanlage entfernt und durch Lärmschutzmaßnahmen ausreichend abgeschirmt. Und: „Wir wollen der Jugendarbeit nicht im Wege stehen.“ Während der Reitverein genaue Einsicht in die Pläne bekam und auch frühzeitig mitbekommen hat, dass die Skateranlage auf der Wiese an der Straße platziert werden soll, wissen die meisten Anwohner von nichts.

So nutzt sie keinem ‘was: die Skateranlage ist eingelagert. 
So nutzt sie keinem ‘was: die Skateranlage ist eingelagert.  © Florian Hesse

Zum Beispiel Gertrud Wansch, die im ersten Haus hinter dem Turm an der Karlshöhe wohnt. Die 85-Jährige ist viel zu Hause, verbringt gerne ihre Zeit im Garten und ist bereits genervt von den vielen Lkw, die täglich vor ihrem Haus Steine auf- und abladen. Die Frankfurter Straße sei seit der A45-Sperrung noch stärker frequentiert. „Soll ich mir das auch noch anhören?“, sagt sie zur Skateranlage. Sie kennt die Bahn von der Katrineholmstraße und will sie nicht bei sich am Haus haben. „So will ich nicht leben.“ Gedanken macht sie sich auch um ihren Sohn Thomas Wansch, der im Haus seine Musikschule führt, und auch um die Wanderer. Die, so befürchtet die Seniorin, würden nicht mehr kommen und den Turm bestaunen. Sie wohnt gerne an dem Denkmal, das seit einiger Zeit abends angestrahlt wird. Sie sitzt gerne im Garten und sieht sich das Lichtspiel an. Wenn aber die Skaterbahn kommt, „dann ist die Romantik vorbei“, befürchtet die Halveranerin.

Ihre Nachbarin Irmgard Teepe hätte mit der Anlage dagegen „gar kein Problem“. Die 75-Jährige ist froh, wenn Jugendliche eine Möglichkeit haben, sich auszutoben. Den Standort an der Herpine würde sie schlimmer finden. Die Karlshöhe findet sie gut – die Lage ist zentral, beaufsichtigt und gut erreichbar. Ihre Tochter Katja Degenhardt hat selbst zwei Kinder und findet, dass in Halver viel für Senioren getan, aber die Jugend vergessen werde. Sie appelliert zu mehr Akzeptanz und Toleranz. Den Standort am Turm findet sie gut.

Auf dieser Fläche könnte noch in diesem Jahr die Skateranlage realisiert werden.
Auf dieser Fläche hätte noch in diesem Jahr die Skateranlage realisiert werden können. © Florian Hesse

Beim Schlemmer-Imbiss wusste man noch nichts von den neuen potenziellen Kunden. Aber auch hier findet man die Idee gut. Inhaber Michael Stoffer ist für eine Möglichkeit, wo sich Jugendliche auslassen können. Die Wiese in der Nähe scheint für ihn eine gute Möglichkeit zu sein. „Das ist hier oben auf dem Berg nicht verkehrt.“

Im Haus gegenüber der Planfläche rollen eine 67-Jährige und ein 32-Jähriger, angesprochen auf Kritik aus der Anwohnerschaft, mit den Augen. Die Jugendlichen sollen endlich einen Ort bekommen, wo sie wieder fahren können. Das Haus hat gute Fenster – schon wegen der Straße. Über Lärm von Jugendlichen würden sie sich nicht beschweren.

Ein 57-jähriger Anwohner wusste noch nichts von den Planungen, sah aber vor Kurzem auf der Wiese Stadtmitarbeiter. Dort schnappte er das Vorhaben auf. Auch er ist der Meinung, dass die Jugend eine Lösung braucht. Er fordert ausreichend Sicherheit mit Blick auf die Hauptstraße. Bedenken hat er aber hinsichtlich Partys. Die Tankstelle ist nicht weit weg und bietet Möglichkeiten für den Kauf von Alkohol. Er wünscht sich daher, dass mit den Leuten geredet wird, die die Belastung am Ende haben.

Eine weitere Anwohnerin möchte namentlich nicht genannt werden, sagt aber deutlich: „Ich finde das nicht gut.“ Für die Seniorin ist schon genug los in der Umgebung. „Es wird immer lauter“, sagt sie. „Ich habe ja nicht mehr so viel Zeit, und die will ich in Ruhe verbringen.“ Die Bahn solle hin, wo keiner ist.

Eine andere Anwohnerin, die 44 Jahre ist, plädiert für die Herpine und will die Skaterbahn nicht bei sich haben. Sie sorgt sich um den anfallenden Müll und die etwaigen Partys am späten Abend. Schon jetzt seien abends häufig Jugendliche am Turm. Die Klägerin aus der Katrineholmstraße kennt sie zwar nicht, nimmt sie aber in Schutz. „Sie wird oft als die Böse dargestellt“, sagt sie. „Das finde ich falsch.“ Dass Jugendliche einen Platz brauchen, streitet sie nicht ab. Wenn die Anlage an der Karlshöhe installiert wird, sollte sie eingezäunt und abgeschlossen werden. Aber wer das machen soll, weiß sie auch nicht. Sie schlägt den Wanderparkplatz an der Falkenstraße vor. Oder eben die Herpine, zu der man die Kinder zum Schwimmen auch hinschickt. „Warum dann nicht zum Skaten?“, fragt sich die Halveranerin.

Das kam plötzlich: Sonntag waren die Jungen noch skaten, am Montag war alles eingezäunt an der Katrineholmstraße.
Das kam plötzlich: Sonntag waren die Jungen noch skaten, am Montag war alles eingezäunt an der Katrineholmstraße. © Lorencic, Sarah

Klagen will von den Anwohnern, die wir gefragt haben, zumindest niemand. Aber: informiert werden. Das sollen sie auch noch, denn eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie eine Bürgerversammlung durchzuführen, hat der Stadtrat im April beschlossen. Zumindest, wenn es bei diesem Standort bleibt. Denn von einer Klage weiß man auch im Rathaus. Und die Kenntnis darüber wirft zurück. Wie Michael Brosch sagt, wolle man diesmal 100-prozentige Sicherheit.

Neuer Standort in Prüfung

Wie Brosch auf Anfrage sagt, begutachte man derzeit ein weiteres Grundstück ganz in der Nähe der Wiese an der Karlshöhe. Entscheide man sich für die Alternative, müsste ein neues Verfahren eingeleitet werden und die Planungen würden sich wieder verzögern. Aber: „Die Fläche müsste erhebliche Vorteile bieten, dass wir von der anderen ablassen“, sagt Brosch. Man halte an dem ersten Plan fest und lasse sich juristisch beraten. Einen Erfolg der Klägerseite schließt die Stadt im Falle des Falles zwar aus, aber der Prozess würde die Umsetzung weiter verzögern. Michael Brosch ist enttäuscht: „Mir geht das alles zu langsam.“
Zur Erinnerung: Die Skaterbahn an der Katrineholmstraße war an Ort und Stelle nicht rechtens. Eine Anwohnerin hatte erfolgreich geklagt. Die Stadt hat viele Jahre den Prozess ohne Aussicht auf Erfolg geführt. Dann ging es schnell und die Bahn musste abgebaut werden. Ohne Alternative.

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