Wie das Technische Hilfswerk (THW) Halver mit der Pandemie umgeht

„Wir brauchen die Praxis“

Der Umgang mit der Technik des THW erfordert Schulungen und Training. Doch das schwierig zu Corona-Zeiten.
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Der Umgang mit der Technik des THW erfordert Schulungen und Training. Doch das schwierig zu Corona-Zeiten.

Fast alles, was beim THW zurzeit passiert, hat mit Corona zu tun. Schlimmer ist aber, was wegen Corona gerade nicht passiert. „Wir haben im Februar 2020 den Ausbildungsdienst praktisch eingestellt“, sagt Zugführer Matthias Oelke im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger. Das Problem ist: „Wir brauchen die Praxis.“ Nur nötige Gerätewartungen können derzeit stattfinden - und Einsätze.

Halver - Es ist die große Hilfsorganisation des Bundes, organisiert in Ortsverbänden. Sie wird getragen vom ehrenamtlichen Einsatz der Helfer. Das Technische Hilfswerk (THW) steht weniger im Blick der Öffentlichkeit als die Feuerwehr und auch als das DRK. Die Einsätze sind – und das ist gut so – einfach seltener. Rückt das THW aus, muss schon richtig was schiefgegangen sein.

60 Frauen und Männer im Ehrenamt

Es gibt an der Löhbacher Straße einen Technischen Zug, bestehend aus einem Zugtrupp, einer Bergungsgruppe, einer Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung, unter anderem für das Thema kritische Infrastrukturen, und einer Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen für Überschwemmungen und allgemeine Unwetter-Schadenslagen. 60 Männer und Frauen sind darauf spezialisiert, mit Lkw und schwerem Gerät und unterschiedlichsten Werkzeugen umzugehen. Die unscheinbare Unterkunft mit ihren Hallen ist vollgestopft mit Fahrzeugen und Ausstattung, die man im Notfall an die Front bringen muss. Das Schlauchboot hängt aus Platzgründen schon unter der Decke.

20 Corona-Einsätze gefahren

Diese Vielseitigkeit der Aufgaben wird durch Corona langsam zum Problem, und das macht Oelke zunehmend Sorge. Die rund 20 Corona-Einsätze, die das Team seit Beginn der Pandemie gefahren hat, sind dabei nicht das Schwierigste. Das war die Transportlogistik von Schutzausrüstung aus Landesbeständen an den Märkischen Kreis, die Verteilung an Ärzte, die Hilfe beim Aufbau des Impfzentrums in Lüdenscheid, die technische Unterstützung für die Kollegen im Ennepe-Ruhr-Kreis – keine mit der echten Schadenslage vergleichbare Herausforderungen. Auf Anforderung der Landesbehörden waren die Helfer viel unterwegs im letzten Jahr. Doch mit Theorie und Praxis im Katastrophenschutz hinkt es wegen der Pandemie.

Matthias Oelke, Zugführer des THW Halver

Geschult wird normalerweise dienstags. Dann ist Dienstabend. Es stehen Einweisungen und praktische Übungen auf dem Programm. Die „Schmutzwasser-Großpumpe Dia VSA 240, 5000 Liter/Minute“ hat man nicht täglich im Betrieb. Und hat man nicht wenigstens ab und zu mit der Technik zu tun, die auf den Unimogs und schweren Allrad-Lkw mitgeführt wird, muss man sich unter Umständen unter Zeitdruck und Stress an der Einsatzstelle neu hineindenken.

Dienstabend per Video

Ein bisschen geholfen hat, dass die Dienstabende seit geraumer Zeit schon virtuell laufen, um Kontakte zu vermeiden. Selbst zu Einsätzen rückt man in verkleinerten Gruppen aus, um weiterreichende personelle Ausfälle zu vermeiden. Aber eine Videoschalte ist in der Aus- und Fortbildung kein Ersatz für die praktische Unterweisung und das erforderliche Training.

Kameradschaft hoch im Kurs

Und außerdem: Das THW bedeutet für die Helfer mehr als Kettenwechsel an der Säge oder der Aufbau der Großzelte als provisorische Unterkünfte. Es geht beim THW auch viel um Kameradschaft. „Eine ganze Reihe von Kameraden hat sich jetzt fast anderthalb Jahre nicht gesehen“, weiß der Zugführer von seinem Team. „Einer aus der Mitte des THW heiratet und die anderen nehmen nicht teil“, sagt er über einen Fall aus der Vergangenheit. Früher wäre das kaum denkbar gewesen. „Ich mache mir noch keine Sorgen, dass der Laden auseinanderfällt“, doch neue Interessenten als Helfer seien ohne Regelbetrieb kaum zu gewinnen. Auch der wichtige Quell des Nachwuchses, das Jugend-THW, bleibt bei der Stange. Doch die jungen Leute brauchen die Perspektive, auch in die jeweiligen Gruppen einzusteigen. Die Jugend hat ebenfalls Praxis-Pause. „Wenn die hier wieder reinkommen, passen denen die Klamotten nicht mehr.“

Wann wieder ein praktischer Betrieb zustande kommt, ist schwer zu sagen. Noch gibt es keine Verfügungslage des Landesverbandes, wie es mit Schnelltests oder nach vollständigen Impfungen weitergehen könnte. Denn auch die haben die ehrenamtlichen Helfer noch nicht. Den Piks in die Schulter gibt es für das THW in der Prioritätengruppe 3.

Info und Kontakt

Kontakt: THW Ortsverband Halver, Löhbacher Straße 3, Tel. 0 23 53 / 6 65 82 10, Info: www.thw-halver.de, Förderverein: THW-Helfervereinigung Halver e.V., IBAN DE50 4585 0005 0000 0431 33.

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