Halver im Jahr 2020

Halver 2020: Was gibt's Neues?

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Das Anne-Frank-Gymnasium im Abendlicht. „Wir müssen für alle öffentlichen Gebäude zumindest Vorstellungen entwickeln, wann sie in wesentlichen Teilen barrierefrei sind“, sagt Bürgermeister Brosch im AA-Gespräch.

Halver - Mit der Regionale 2025, der Notwendigkeit zur Schaffung von Wohnraum und mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum steht die Stadt Halver 2020 vor vielfältigen Herausforderungen.

Was auf die Stadt zukommt, darüber sprach AA-Redakteur Florian Hesse mit Bürgermeister Michael Brosch. Herr Brosch, im Haushalt für 2020 und die Folgejahre stehen an verschiedenen Stellen immense Summen für barrierefreie Zugänglichkeit im öffentlichen Raum. 

Was steht konkret auf dem Plan? 

Barrierefreiheit ist ein Thema, bei dem ich von Anfang an gesagt habe: ,Dafür stehe ich.’ Wir haben immer mehr Ältere, und die haben bestimmte Bedürfnisse. Auch wenn Sie mit dem Kinderwagen oder Fahrrad unterwegs sind, kommt Ihnen die Barrierefreiheit zugute. Wir haben das ja im Rathaus gemerkt. Das ging immer nur irgendwie. Aber wir müssen in öffentlichen Gebäuden brauchbare Zugänge schaffen – nicht zuletzt mit Blick auf die demografische Entwicklung.

Da werden Riesenbeträge genannt?

Ja. Die werden gut investiert. Wir haben insgesamt einstimmig rund 1,8 Millionen Euro in der mittelfristigen Finanzplanung bis zum Jahr 2023 für sämtliche Maßnahmen beschlossen und könnten da noch einmal fast 2 Millionen draufpacken für die Umbaumaßnahmen für die beiden ZOBs, wo die Planungen gerade anlaufen. Für das kommende Jahr sind es zunächst 400 000 Euro. 

Um welches Gebäude geht es zunächst? 

Um die frühere Ganztagsschule, unser Lern- und Begegnungszentrum. Bei der Reihenfolge haben wir uns auch etwas gedacht. Bei der GTS ist das wichtig für die unterschiedlichen Nutzergruppen wie die Teilnehmer der Kurse der VHS. Außerdem denken wir darüber nach, auch die Musikschule in das Gebäude zu verlagern. Im ersten Stock nutzt das AFG Räume, und wir können doch keine Schüler aufgrund einer Einschränkung nach außerhalb schicken. Das kann nicht unser Stil sein. Wir müssen für alle öffentlichen Gebäude zumindest Vorstellungen entwickeln, wann sie in wesentlichen Teilen barrierefrei sind. 

Das hört sich teuer an... 

...aber es gibt auch Förderprogramme dafür. Der Rathaus-Anbau ist aus Regionale- beziehungsweise Städtebaumitteln zu 80 Prozent gefördert worden. Ziel ist natürlich, Förderzugänge aufzutun, beispielsweise auch für behindertengerechte Arbeitsplätze. Da gibt es Möglichkeiten. 

Eine andere Baustelle im kommenden Jahr dürfte die Regionale werden? 

Was uns von anderen Regionale-Projekten unterscheidet, ist zunächst ja der interkommunale Ansatz. Thomas Gehring hat eine Bündelungsrolle für alle fünf Kommunen übernommen, und das Dachkonzept ist ja jetzt mit dem ersten Stern ausgezeichnet worden. Jetzt geht es parallel um die Weiterqualifizierung von Einzelprojekten. Können Sie die noch einmal kurz benennen? Das sind zunächst das Wippermann-Gelände und die Eventhalle. Da müssen wir jetzt aber erstmal ins Kleingedruckte reinschauen und ob da Fallstricke drin sind. Beim Wippermann-Gelände bin ich sehr optimistisch, wenn wir uns mit dem Eigentümer hinsichtlich eines Kaufvertrages einig werden. 

Und wie sieht’s aus mit der Eventhalle? 

Das ist meiner Einschätzung nach noch nicht so weit. Die sehe ich neutral. Es gibt ein Gutachten, das einen gewissen Bedarf in dieser Hinsicht sieht. Die Frage wird sein, wie weit eine teilweise gewerblich genutzte Eventhalle den Förderkriterien entspricht oder ihnen möglicherweise entgegenstehen kann. Das muss im Vorfeld sauber geklärt sein. Und ohne Fördergelder wird das kaum zu stemmen sein. 

Wie ist der Stand bei der Regionale 2013? 

So ganz fertig ist das ja nicht. Das erste ist, dass wir den Schandfleck Frankfurter Straße 11 abreißen, dass das Gebäude wegkommt und wir den Platz hergerichtet bekommen. Und im zweiten Schritt geht es um die Außengastronomie an der Bahnhofstraße. Das ist eine städtebauliche Aufwertung, um die Leute vom Einkaufszentrum auch Richtung Frankfurter Straße zu bewegen. Das Umfeld vom Kuba steht für mich an dritter Stelle, das macht mir keine so großen Sorgen. Und das war’s dann mit der Regionale 2013. Das war für uns ein erfolgreiches Projekt. Themenwechsel: Das Fahrradfahren rückt politisch immer stärker in den Blickpunkt. 

Was macht die Fahrradinfrastruktur? 

Da müssen wir was tun. Das steht außer Frage. Nur in der Praxis ist es manchmal das Bohren dicker Bretter. Das sehen wir am Volmeradweg und besonders dann, wenn es um Grundstücksfragen geht. Wenn der Eigentümer das nicht will, dann steht man da, und manchmal gibt es zur Trasse auch keine Alternative. Enteignen für Radwege geht nicht. 

Wir Halver irgendwann eine Fahrradstadt?

Nein. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, dass wir noch eine Menge machen und die Anbindung an Nachbarstädte verbessern können. Aber in der Innenstadt müssen wir mit bestimmten Straßenquerschnitten leben. An der Mühlenstraße und am Bächterhof zum Beispiel haben wir rechts und links Häuser, das sind wir auf das angewiesen, was wir haben. Da passt kein Fahrradweg mehr hin. 

Wenn wir schon von Ökologie sprechen, dann mal richtig: Im Wahlkampfjahr dürfte das Thema Windkraft auftauchen. Die CDU-Position richtet sich klar gegen eine Privilegierung solcher Anlagen. Wir haben bisher immer unterstellt, dass die Vorrangzone in Engstfeld funktioniert. Ob das zu halten ist, scheint mir fraglich. Wir werden uns im nächsten Jahr neu damit auseinandersetzen müssen. Ich persönlich habe eine leichte Tendenz zur Privilegierung, weil ich denke, dass es gar nicht so viele Potenzialflächen in Halver gibt, wie manche fürchten. Und ich weiß – auch wenn ich in meine Familie gucke – dass gerade für junge Leute Windkraft ein ganz natürlicher Teil der Energiewende ist. Wir müssen uns fragen: Was kann der Halveraner Beitrag sein? Faktisch machen wir doch im Moment eine Verhinderungspolitik. 

Tolles Thema vor der Kommunalwahl...

...aber zu irgendeinem Ergebnis müssen wir schon kommen. Und ich glaube, das Thema Privilegierung glaubhaft besetzen zu können. Und wir sind dabei, ein Klimaschutzkonzept gemeinsam mit anderen Kommunen unter der Regie des Märkischen Kreises zu erstellen. Wir sprechen ja nicht nur über Windkraft. In der Lenkungsgruppe sitzt auch Klaus Brunsmeier von der Heesfelder Mühle, der vorschlägt, auf der früheren Müllkippe in Oberbrügge Solarzellen zu installieren. Das finde ich spannend. Es ist absolut wert, sich damit auseinanderzusetzen. Vielleicht hat das Potenzial neben der Windkraft. In unseren eigenen Liegenschaften müssen wir den verstärkten Einsatz von Kraft-/Wärmekopplung vorantreiben. Das geht aber erst ab dem Jahr 2022, da wir hier an Contracting-Verträge gebunden sind. 

Neues Thema: Oberbrügge: der Schmittenkamp. Sehen wir da 2020 die ersten Häuser? 

Ich wünsche es mir, dass wir das schaffen. Versprechen kann ich das nicht. Aber der Bedarf ist da. Übrigens auch für Geschosswohnungsbau. Ich bin froh, dass es politischen Konsens gibt, den Riegel im unteren Bereich des Geländes dafür vorzuhalten und das Maß der baulichen Nutzung anzuheben. Dafür wird es Interessenten geben. Wir haben auch erste Anfragen. Und, um das ganz offen zu sagen: Bei Kaltmieten von 10 oder 11 Euro bei anderen Neubauwohnungen in Halver, da bleiben Leute auf der Strecke. Der soziale Wohnungsbau ist für mich mit das wichtigste Anliegen für die Zukunft. Darauf sprechen mich die Leute auch an. Ich will da dran. 

Sprechen die Leute Sie auch auf Kita-Plätze an?

Ja, sicher. Ich freue mich auch, dass es da eine politische Einigkeit gibt. Alle Fraktionen haben es in den Haushaltsreden angesprochen, dass wir weitere Flächen für Kitas brauchen. Aber das müssen wir erst bewerten, beispielsweise ob die Einrichtung der Awo an der Weststraße doch noch sanierbar ist. Auch die Hagener Straße ist ja ein vernünftiger Standort, der im Rathaus ja schon Thema war. Die UWG hat ja auch die Susannenhöh ins Gespräch gebracht – ebenfalls sicherlich prüfenswert. 

Vielleicht ein Blick in den Rückspiegel – was hat 2019 Spaß gemacht? 

Auf jeden Fall der Spielplatz am Rathaus. Die Hoffnung, dass er gut angenommen wird, hat sich mehr als erfüllt. Das war mein Lieblingshighlight 2019. Das hat Spaß gemacht. Der Aussichtsturm ist auf der Zielgeraden, und das auch im politischen Konsens. Wenn er fertig ist im nächsten Jahr, da machen wir ein schönes Fest an der Karlshöhe. 

Und welche Menschen waren 2019 aus Ihrer Sicht wichtig? 

Also, schwer zu sagen. Wo ich mich unheimlich gefreut habe, das war bei der Zusage von Jana Eilhardt, dass sie sich künftig um die Villa Wippermann kümmert. Das ist bei ihr in allerbesten Händen! Das soll aber auch die Verdienste von Peter Bell nicht schmälern. Und dass er für seine Arbeit den Heimatpreis erhält, finde ich mehr als richtig. Da geht es ja um ein Lebenswerk in der Gesamtheit für die Arbeit und Zeit, die er in das Regional- und in das Heimatmuseum gesteckt hat und auch auf vielen anderen Ebenen für die Stadt Halver. Und dass der weitere Teil des Heimatpreises an die Fanfaren geht, finde ich ebenso berechtigt. Die Landsknechte tragen das Stadtwappen Halvers überall hin, ob in den Vatikan, aufs Oktoberfest oder nach Düsseldorf. Die Außenwirkung ist nicht zu unterschätzen. Und da bin ich auch dankbar für den Antrag der CDU, die den Heimatpreis erst initiiert hat. 

Ein Bürgermeister mit SPD-Parteibuch lobt die CDU? 

Ja, nicht nur die CDU und nicht nur wegen des Heimatpreises. Ich habe mich riesig gefreut, als der Förderbescheid für den ländlichen Wegebau im Briefkasten lag. Ursprünglich war von vier Fraktionen beantragt, ab dem Jahr 2020 einen Förderantrag im Umfang von 1 Millionen Euro mit einer Förderquote von 60 Prozent zu stellen. Nun haben wir die Förderanträge halt etwas schneller gestellt und bereits 2019 rund 1,4 Millionen Euro in die Wirtschaftswege investiert mit 70 Prozent Förderung. Das heißt also: gleicher städtischer Eigenanteil. Damit konnten gut drei Kilometer Straßen von Grund auf neu gemacht werden, das ist doch ein tolles Ergebnis! 

Herr Brosch, vielen Dank für das Gespräch.

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