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Wettbewerb für den Klimaschutz: Diese Stadt im MK will ihn gewinnen

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Von: Sarah Lorencic

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Solarstrom: Eine Photovoltaikanlage
Halver macht beim „Wattbewerb“ mit. © PantherMedia / olly18

Seit wenigen Wochen ist die stadteigene Klimaschutzmanagerin im Dienst. Uns hat sie verraten, „was bisher geschah“ und was „demnächst“ passieren wird.

Halver – Seit circa 50 Tagen ist Halvers Klimaschutzmanagerin Diane Novakovic im Dienst. Für das Gespräch über die ersten Wochen in der Stadt im Grünen, hat die Bochumerin einen Zettel vorbereitet: „Klimaschutzmanagement Halver – was bisher geschah...“.

Es klingt wie der Fortgang einer neu gestarteten Serie, und das ist es im Grunde auch. Denn vor der Klimaschutzmanagerin liegt ein 279 Seiten starkes integriertes Klimaschutzkonzept, das erarbeitet und politisch beschlossen wurde. Maßnahmen und Ziele, die Diane Novakovic umsetzen soll. Für drei Jahre ist die 31-Jährige zunächst eingestellt – ihre Stelle wird vom Bundesumweltministerium gefördert, der Stadt entstehen keine Kosten. In drei Jahren wird nicht alles erreicht sein, was sich Halver vorgenommen hat. Aber einiges. Diane Novakovic stellt derzeit die Weichen.

Sofort begonnen wurde mit dem Netzwerken. Zunächst mit den Klimaschutzmanagern der Kreis-Kommunen. Auf regelmäßigen Treffen tauschen sich die Klimaexperten aus, sammeln Ideen und planen Aktionen. Ein gemeinsamer Klimaschutztag steht im Raum, wie Diane Novakovic sagt, „und noch einiges mehr“. Aktionen, die nur in Halver stattfinden oder in einer anderen Kommune seien in der Wirkung nicht so erfolgreich wie Gemeinschaftsaktionen mit den Kollegen aus Kierspe, Schalksmühle und Herscheid/Neuenrade.

Kontakte knüpfen

In den vergangenen anderthalb Monaten hat Diana Novakovic aber auch viele Halveraner Akteure kennengelernt. Etwa mit Politikern, dem Baumverein und Lehrern. Die Bochumerin ist positiv überrascht von den Ideen und dem Tatendrang einiger Halveraner. Weiß sie doch auch um die fehlende Akzeptanz für ihre Stelle. „Es gibt Wichtigeres“ oder „das ist Geldverschwendung“ sind nur einige der Vorurteile, mit denen sie und ihre Kollegen konfrontiert sind.

Einmal mehr geht es darum, Akzeptanz zu schaffen, aufzuklären und für Klimaschutz zu sensibilisieren. Auch das ist eine Aufgabe eines kommunalen Klimaschutzmanagers.

Offene Klimasprechstunde

Auf Facebook teilt Diane Novakovic auf der Seite „Klimaschutz Halver“ bereits Informationen rund ums Thema. Für den persönlichen Kontakt bietet Diane Novakovic seit Donnerstag eine offene Sprechstunde an. „Ich möchte da sein“, sagt Novakovic. Zum Beispiel, wenn es um Fragen zum Thema Klimaschutz im Alltag und Fördermöglichkeiten geht. In den vergangenen Wochen wurde sie mehrmals von Halveraner angerufen, die Konkretes zu der Möglichkeit von Photovoltaik auf ihrem Hausdach wissen wollen. Eine Energieberaterin ist sie nicht, betont Novakovic. Aber sie kann Ansprechpartner vermitteln.

Halver macht beim „Wattbewerb“ mit

Grundsätzlich freut sich Novakovic über die Bereitschaft, eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren. Um noch mehr für das Thema zu sensibilisieren und auf Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen, hat sie Halver beim Wattbewerb angemeldet. Die Challenge für den massiven Photovoltaik-Ausbau, wie es seitens der Initiatoren heißt.

Wattbewerb ist ein Wettbewerb für Kommunen, bei denen es um den beschleunigten Ausbau von Photovoltaik geht. Ziel ist es, die Energiewende in Deutschland durch exponentiellen Ausbau von Photovoltaik zu beschleunigen. Der Wattbewerb startete im Februar, eine Teilnahme ist jederzeit möglich. Die aktuelle Herausforderung an die Teilnehmer lautet: Welche Stadt schafft es als erste, ihre installierte Leistung an Photovoltaik zu verdoppeln?

Die Städte sind nun gefordert, durch Kooperation zwischen Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft in der Stadt eine Strategie zu entwickeln, wie die Dachbesitzer in der Stadt überzeugt werden können, ihre Dächer mit PV-Anlagen auszustatten. Ob Einfamilienhäuser, große Mietshäuser oder Dächer auf gewerblich oder industriell genutzten Gebäuden: Sie alle bieten das Potenzial, das für die lokale Energiewende vor Ort erschlossen werden muss.

Getragen wird Wattbewerb von Fossil Free Karlsruhe, Parents for Future Germany, Fridays for Future Deutschland und Scientists for Future Deutschland. Zwei bis drei Jahre wird der Wettbewerb dauern, schätzen die Organisatoren.

Von derzeit 137 teilnehmenden Städten und Gemeinden ist Halver auf Platz 9. Das gute Ranking sieht Diane Novakovic darin begründet, dass Halver eine Kleinstadt ist, mit wenig angefangen hat und so einfach das Ziel erreichen kann. Gewinnen kann man nichts, sagt die Klimaschutzmanagerin. „Neben einem messbaren Beitrag zur Energiewende und dem guten Gefühl, ein Teil der großen gesellschaftlichen Transformation in eine Zukunft ohne CO2-Emissionen zu sein, sind einige Auszeichnungen vorgesehen“, heißt es auf der Internetseite wattbewerb.de. Eine Motivation sei es dennoch, sagt die 31-Jährige.

Stadtbäume schützen

In Zusammenarbeit mit dem Baumverein sollen die Stadtbäume noch mehr in den Blick genommen werden. Neben den Baumpatenschaften, die der Baumverein initiiert hat, könnte es in Zukunft auch bauliche Maßnahmen geben, die die Bäume in der Stadt schützen sollen. Gemeinsam soll eine Vorschlagsliste mit klimaangepassten Zukunftsbäumen erstellt werden. Sie sollen dann für Bäume gepflanzt werden, die ersetzt werden müssen. Bäume der Zukunft sind nicht nur klimaresistent, vertragen also Hitze und Trockenheit, sondern sind auch ökologisch wertvoll. Weitere Faktoren wie Allergiepotenzial fließen auch in die Bewertung mit ein.

„Demnächst...“

E-Mobilität: Geplant sind in Kürze zwei weitere Ladesäulen für E-Autos in Halver. Konkret in der Planung ist ein Standort am Bahnhof in Oberbrügge und ein weiterer am Lern- und Begegnungszentrum. „Damit ist es aber nicht getan“, sagt Novakovic. Es müssen mehr werden, sagt sie deutlich. Für passende Standorte würde sie gerne Vorschläge von Halveranern hören. „Wir müssen die Leute reden lassen“, sie wüssten am besten, wo die Ladesäulen Sinn machen.
Vorträge: Im Bürgerhaus Oberbrügge sind demnächst regelmäßige Vorträge zum Thema Klimaschutz geplantl

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