Werner Clever schließt seine Schuhmacherwerkstatt

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Der Schemel mit Blick auf den Parkplatz war seit 60 Jahren der Arbeitsplatz von Werner Clever. Nach 60 Jahren schließt der Schuhmacher-Meister seine Werkstatt.

Oberbrügge -  Am 1. August wird Werner Clever seine Schuhmacherwerkstatt am Glockenweg schließen. Nach nunmehr 60 Jahren Berufsleben.

Er hat von seinem runden Schemel einen guten Blick auf die Straße und den Parkplatz vor seinem Haus. Von dort kann er die Kunden sehen, die seine Werkstatt aufsuchen und ihm Schuhe und andere Lederwaren bringen, um sie reparieren, ändern oder aufpolieren zu lassen. Seit 60 Jahren ist das der Arbeitsplatz von Werner Clever. Der Schuhmacher aus Oberbrügge möchte nun aber endgültig in den Ruhestand gehen – mit 82 Jahren.

Sein Beruf ist mehr als nur sein Beruf. Es ist sein Lebensinhalt, seine Leidenschaft, sagt Clever. Bis vor ein paar Jahren teilte er diese Leidenschaft mit seiner Frau. Doch als sie starb, musste er allein klar kommen. Seitdem ist er noch enger mit seinem Beruf verbunden. Ihn jetzt an den Nagel zu hängen, fällt ihm schwer, das gibt er offen zu. Doch sein Alter und der gesundheitliche Zustand lassen ihm keine Wahl.

Noch bis Ende des Monats möchte er weiterarbeiten. „Im August ist dann aber Schluss“, sagt Clever entschlossen. Das hatte er vor zwei Jahren schon mal gesagt. Er zeigt einen Zeitungsartikel, in dem er seinen Ruhestand angekündigt hatte. „Irgendwie musste ich aber doch weitermachen“, sagt der Oberbrügger und lächelt.

In dem kleinen Halveraner Ortsteil im Volmetal kennt ihn jeder. Auch in Halver und den umliegenden Volmegemeinden hat sich Clever über die Jahre einen festen Kundenstamm aufgebaut. „Die Leute waren ganz traurig, als ich ihnen von meinem Ruhestand erzählt habe“, berichtet der 82-Jährige, dem man sein Alter gar nicht ansieht. Sie hätten ihn zum Weitermachen überreden wollen. Nicht zuletzt, weil das Angebot an Schuhmachern immer geringer wird. Doch sein Entschluss steht fest: Die Werkstatt am Glockenweg schließt.

Den Beruf des Schuhmachers kennt er wie kein Zweiter. Die Leidenschaft für Schuhe weckte der Großvater in ihm. Der flickte in einem Kämmerchen im Nachbarhaus des jetzigen Geschäftshauses in Oberbrügge Schuhe. Im Alter von 21 Jahren machte Werner Clever seinen Meister. Zunächst bot auch er seine Arbeit im kleinen Kämmerchen an, erweiterte sein Angebot nach und nach. Am 1. August 1955 eröffnete er schließlich sein Geschäft am Glockenweg. 1964 baute er das Haus, in dem er bis heute wohnt und arbeitet. Seine Frau war Schneiderin, so konnten beide Hand in Hand arbeiten. Zudem bot seine bessere Hälfte Fußpflege an, ein Angebot, das bei den Kunden gut ankam. Werner Clever erweiterte das Repertoire darüber hinaus um orthopädische Zurichtungen. Lange Zeit betrieb das Ehepaar zudem ein Schuhgeschäft am Glockenweg, das sie aber vor einigen Jahren schließen mussten.

Zwar war und ist Oberbrügge seit seiner Kindheit Heimat und Arbeitsstätte, trotzdem zog es Werner Clever im Rahmen seiner Arbeit auch in die weite Welt hinaus – oder zumindest seine Schuhe. Überwiegend in den 60er-Jahren nahm der Schuhmacher-Meister am Wettbewerben teil, was ihm viele Medaillen und Auszeichnungen einbrachte. Urkunden aus New York, London, Oxford oder Kopenhagen hängen in seiner Werkstatt. Stolz macht ihn vor allem die Goldmedaille anlässlich des 6. Deutschen Schuhmachertages in Hamburg am 10. Oktober 1964. „In meiner Branche war ich bekannt wie ein bunter Hund“, erinnert sich Clever. „Ich wurde immer besser, viele kannten meinen Namen.“ Allerdings fuhr der Oberbrügger – bis auf die Ausstellung in Hamburg – nicht persönlich in ferne Länder, um an den Wettbewerben teilzunehmen. Er schickte die geforderten Arbeiten ein, die in den Fachmagazinen ausgeschrieben waren.

Wie viele Schuhe er im Laufe seines Berufslebens repariert und bearbeitet hat, kann er nicht genau sagen. „Es müssen Tausende gewesen sein.“ Das Verhältnis zu seinen Kunde ist immer gut gewesen. „Es wird mir schwer fallen, die Türen für immer zu schließen“, sagt Werner Clever. „Wenn jemand vor meiner Tür steht und Hilfe braucht, werde ich nicht Nein sagen.“

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