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Wenn der Melk-Roboter spricht: Digitale Hilfe im Stall

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Von: Thilo Kortmann

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Der Roboter saugt eigenständig die Milch ab.
Der Roboter saugt eigenständig die Milch ab. © Kortmann, Thilo

Landwirte nutzen immer mehr digitale Unterstützung auf ihren Höfen, um den Anforderungen gerecht werden zu können. Und um ihre Arbeit zu erleichtern und Zeit zu gewinnen. So ist es auch auf einem Hof im MK.

Halver – „Robo“ heißt die Stimme von Stefan Pastoors Angestelltem, der den ganzen Tag die Kühe melkt. „Robo“ spricht mit dem Landwirt nur über das Smartphone, wenn es Probleme beim Melken gibt. Hinter der Roboter-Stimme steckt das Modell „Lely Astronaut A5“, das neueste Melksystem für Milchviehhalter der niederländischen Firma Lely.

24 Stunden lang ist der Roboter im Einsatz im Kuhstall am Ober Hövel 1. Müde werden kann er nicht, zu spät kommen auch nicht. Sich krank melden, liegt ihm auch sehr fern. Es gibt höchstens mal ein Problem mit der Software. „Das vorherige Modell hat mit mir nur per SMS kommuniziert“, sagt Stefan Pastoors und lächelt.

Seit 2019 hilft der Roboter

Der sprechende Roboter ist seit 2019 bei Stefan Pastoors auf seinem Bauernhof im Einsatz. 280 000 Euro hat die Aufrüstung vom alten zum neuen Roboter gekostet. Innerhalb von zehn Jahren zahlt der Landwirt den Roboter jährlich ab. 140 Kühe besitzt Stefan Pastoors, viele davon melkt die Maschine täglich mehrmals. Er arbeitet auch an Feiertagen. „Der neue Roboter meldet sich viel seltener wegen Softwareproblemen. Das war beim Vorgängermodell doch häufiger der Fall, der hat sich öfter aufgehängt“, erzählt der Halveraner Landwirt. Im Schnitt melkt „Robo“ jede melkbereite Kuh 2,8-mal am Tag. Kühe, die gekalbt haben, können bis zu vier Mal am Tag gemolken werden. Die Zeiten, als vergleichbar weniger Kühe am Melkstand und nur morgens und abends gemolken werden konnten, sind vorbei. Zumindest in Stefan Pastoors Kuhstall.

Technik im Kuhstall: Stefan Pastoors neben dem Melk-Roboter.	Halver
Technik im Kuhstall: Stefan Pastoors neben dem Melk-Roboter. © Kortmann, Thilo

Mit dem Melkvorgang an sich hat der Milchviehhalter nicht mehr viel am Hut. Auch Mitarbeiter für das Melken braucht er nicht mehr. Vor dem A5 hatte Stefan Pastoors noch zwei 450-Euro-Kräfte, die ihm beim Melken geholfen haben. Das Umrüsten auf einen Roboter hat sich für den Landwirt gelohnt. Ohne menschliche Hilfe, ist der Ertrag an Milch um ein Vielfaches gestiegen. Ohne Unterbrechung die ganze Woche lang ist das Melksystem im Einsatz. „Robo“ schafft es an guten Tagen bis auf 3300 Kilogramm Milchertrag.

Die Milchpreise sind heutzutage wie in den 80er-Jahren.

Stefan Pastoors, Landwirt

Bei einem Milchpreis von nur 36 bis 37 Cent pro Liter, ist ein schneller und hoher Ertrag umso wichtiger. „Die Milchpreise sind heutzutage wie in den 80er-Jahren. Nur haben wir viel höhere Kosten als noch vor 40 Jahren“, sagt Stefan Pastoors. Hinzu kämen, so Stefan Pastoors, immer neue Verordnungen, die die Bauern immer wieder vor neue finanzielle Herausforderungen stellen würden. Um wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, müsste der Milchpreis um sechs bis sieben Cent steigen, findet Stefan Pastoors. Somit lohne sich, sagt er, eine Investition in ein Melksystem allemal, um zukunftsfähig als Landwirt zu bleiben. Und der digitale Arbeiter erfüllt Aufgaben, die das reine Melken noch weit übertreffen.

Krankheiten werden gemeldet

Er ist zudem Arzt und Analytiker. Die Kühe, die gemelkt werden wollen, gehen entweder freiwillig in die Melkvorrichtung oder werden mit Spezialfutter angelockt. In der Vorrichtung werden zunächst die Zitzen der Euter gebürstet, gesäubert, stimuliert, damit sie bereit zum Milchgeben sind. Kühe, die nicht melkbereit oder krank sind, schickt der Roboter wieder aus der Vorrichtung. Zum Beispiel bei Fieber, dann meldet sich der Roboter mit einer Analyse beim Bauern auf dem Smartphone.

Ist eine Kuh gesund und zum Melken bereit, dann fahren Saugstutzen an die Zitzen. Auf einem Display wird die Milchabgabe je Zitze angezeigt und der Milchfluss gemessen. Auch die Milch untersucht der Roboter auf ihren Keimgehalt, deren Wert Stefan Pastoors wiederum auf seinem Smartphone angesagt bekommt.

Unterstützung im Landwirte-Alltag

Auf diese Unterstützung möchte der Landwirt nicht mehr verzichten. Neben der Ertragssteigerung durch die künstliche Intelligenz, ist Stefan Pastoors auch dankbar für den anderen sehr angenehmen Nebeneffekt: die Entlastung. „Ich kann mich um vielmehr andere Dinge auf dem Hof kümmern. Das zeitaufwendige Melken fällt weg“, er.

Maisernte und Futterherstellung nehmen auch noch einen großen Platz im Arbeitsalltag von Stefan Pastoors ein. Nur wenn sich „Robo“ meldet, kann auch mal nachts oder Heiligabend sein, dann muss er in den Stall. „Robo ist egal, ob wir Weihnachten feiern“, sagt Stefan Pastoors und grinst.

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