DRK will für das Thema sensibilisieren 

Weniger Blutspender 2018 in Halver und Schalksmühle

+
Immer weniger Menschen spenden ihr Blut bei entsprechenden Aktionen des DRK. Auch in Halver und Schalksmühle ist das so.

Halver/Schalksmühle - Die Bereitschaft Blut zu spenden, ist gesunken. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) befürchtet, dass die Blutkonserven-Vorräte im Katastrophenfall knapp werden könnten. Auch in Halver und Schalksmühle gingen 2018 weniger Menschen zur Blutspende.

Noch sind die Zahlen nicht endgültig, aber nach Auskunft des Blutspendedienstes West ist sowohl in Halver als auch in Schalksmühle die Zahl der Blutspender zurückgegangen. 

„In Halver hatten wir 2018 knapp Tausend erschienene Spender, das ist zum Vorjahr ein Rückgang von circa 6,5 Prozent“, sagt Stephan David Küpper, Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes. In Schalksmühle kamen im vergangenen Jahr etwa 630 Spender, 15 Prozent weniger als noch im Jahr davor. „Das ist nur eine sehr punktuelle Betrachtung, aber es zieht sich quer durchs Versorgungsgebiet.“

Bedarf an Blutkonserven wird steigen

Diesen Trend kann auch Rotkreuzleiter Werner Neuhoff vom DRK-Ortsverein Halver bestätigen. Die Spendenbereitschaft sei rückläufig. „Bei uns sind es auch deswegen weniger Spender, weil der Termin in Halver jetzt dienstags statt montags stattfindet“, bedauert Neuhoff.

Durch den demografischen Wandel rechne man damit, dass der Bedarf an Blutkonserven weiter steigt, allerdings wendeten sich nicht genug junge Menschen dem Thema Blutspende zu, sagt Küpper vom Blutspendedienst West: „Das ist eine große Problematik für die Blutspendedienste.“

„Die Menschen werden älter und das ist sicher ein schöner Umstand, aber dadurch werden sie auch eher mal eine Blutspende brauchen oder sie dürfen irgendwann nicht mehr spenden“, erklärt Küpper.

„Die Altspender und die Mehrfachspender fallen raus und die jungen gehen irgendwann weg“, berichtet Rosemarie Roder vom Sozialen Arbeitskreis des DRK-Ortsverbands Schalksmühle. In letzter Zeit habe man sogar vergleichsweise viele junge Leute bei den Spendeterminen gehabt: „Im November hatten wir in der Jahnturnhalle fünf Erstspender, und in Heedfeld sechs oder sieben – das ist für uns eigentlich viel.“ Aber wenn sie wegen Ausbildung, Studium oder Beruf fortziehen, seien sie als Spender zumindest vor Ort verloren.

Drei junge als Ersatz für einen alten Spender

Zudem spendeten jüngere Leute seltener Blut. „Wenn ein älterer treuer Spender wegfällt, müssen wir drei junge gewinnen, um das zu kompensieren.“ Deswegen müsse man frühzeitig darauf hinweisen, dass man langsam aber sicher auf ein Problem zusteuert.

Warum sich weniger junge Menschen mit dem Thema Blutspende auseinandersetzen, habe viele Gründe, sagt Küpper. „Zum einen hat es damit zu tun, dass sie in einer Phase sind, wo sie noch nicht sesshaft sind, zum Beispiel zum Studium wegziehen und ihre Partner kennenlernen.“ Junge Menschen seien zum anderen vielfältigen Anforderungen unterworfen. Allgemein würden Arbeitnehmer auch immer mehr pendeln und kämen auch gestresster nach Hause. Nur wenige wollten dann noch zur Blutspende gehen.

„Es gibt zwei Faktoren, um die Menschen zu erreichen“, sagt Küpper. Damit gerade junge, gesunde Menschen zur Spende gehen, müsste mehr aufgeklärt und ihnen bewusst gemacht werden, dass ihre Spende konkret hilft, zum Beispiel Krebspatienten, die viele Konserven benötigen. „Und die Blutspendedienste müssen auch ihren Service verbessern.“ Man müsse gewisse Prozesse beschleunigen und vereinfachen, damit die Blutspende nicht mehr anderthalb, sondern vielleicht nur noch eine Stunde dauert. „Da arbeiten wir dran“, sagt Küpper. Allerdings dürfe das nicht auf Kosten der Sicherheit für die Spender und Empfänger gehen.

System stützt auf mehrere Säulen

Wie schnell ein Arzt die Spender untersuchen kann, hängt auch davon ab, mit wie vielen Spendern man vorab aufgrund von Erfahrungswerten gerechnet hat. Wenn aber 100 statt der erwarteten 80 kämen, könne es auch zu längeren Wartezeiten kommen. „Oder die Spender kommen nicht über den Tag verteilt“, sagt Küpper. „40 bis 45 Prozent der Spender kommen in den ersten 35 Minuten, diesen Knoten kann man dann nicht zerschlagen. Wir können uns da nur annähern.“

Das Blutspendesystem stützt sich auf mehrere Säulen. „Wir haben die öffentlichen Termine, quasi an jeder Milchkanne“, sagt Küpper. 50 Teams des Blutspendedienstes West sind jeden Tag unterwegs, um mit den Ehrenamtlichen des DRK vor Ort die Termine durchzuführen. „Das Ehrenamt ist eine Riesenstütze. Ohne die könnte die Blutspende gar nicht funktionieren.“

„Wir konnten im vergangenen Jahr sehr viele neue Ehrenamtliche gewinnen und sind da eigentlich glücklich“, sagt der Halveraner Rotkreuzleiter Werner Neuhoff. Ob mehr Spender oder weniger zu den Spendeterminen kämen, für die Arbeit der Ehrenamtlichen mache das keinen Unterschied. Das bestätigt auch Rosemarie Roder vom DRK-Ortsverein Schalksmühle: „Der Aufwand ist eigentlich der gleiche, ob es 50 oder 100 Spender sind.“ 

Der Blutspendedienst teile vorher mit, wie viele Spender angeschrieben wurden und entsprechend werde dann eingekauft. Geschirr ebenso wie das besorgte Essen – die Brötchen liefert der Bäcker selbst – müssten dann von den Ehrenamtlichen zu den Spendeorten transportiert werden. Mit Auf- und Abbau gehe es für die Ehrenamtlichen also um die gleiche Stundenzahl.

Junge Menschen sensibilisieren

Neben den regelmäßigen Terminen vor Ort gibt es Firmentermine mit zahlreichen Unternehmen, die das DRK schon seit Jahren unterstützen, sagt Küpper. „Die dritte Säule sind die Kollegtermine in Schulen, Universitäten und Berufskollegs, wo wir versuchen, junge Menschen für das Thema Blutspende zu sensibilisieren.“ Dabei ließen die Blutspendedienste nichts unversucht, machten auch Spenden mit Eventcharakter wie Blutspende-Marathons.

Auch beim Ortsverein Halver macht man sich Gedanken, wie man mehr jüngere Spender erreichen könne. „Wir wollen mal die Vereine ansprechen und vielleicht Preise ausloben für die, die am meisten Blut spenden“, sagt Neuhoff. Diese Pläne seien aber noch in der Schwebe. „Wir arbeiten daran.“ Man könne die Leute nur immer wieder darauf ansprechen, wie wichtig Blutspenden sei, sagt Roder. „Der Vorteil hier ist, dass man die Leute kennt und direkt ansprechen kann.“ Wichtig seien auch Familien. „Wenn die Kinder durch ihre Eltern herangeführt werden, bleiben sie auch meistens dabei.“

Über soziale Medien wolle das DRK ebenfalls stärker für das Thema Blutspende werben, sagt Küpper: „Wir haben eine Facebook-Seite, haben da aber auch noch Luft nach oben.“ Mit dem Facebook-Auftritt habe man positive Erfahrungen gemacht, viele stellen auf diesem Wege Fragen. Für Jüngere seien dagegen andere soziale Medien wie Instagram interessanter, die man in Zukunft stärker beachten wolle. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, müsse man auf vielen Kanälen unterwegs sein. „Dafür braucht man aber auch ein Konzept und die personellen Ressourcen.“

Die nächsten Blutspendetermine in Halver und Schalksmühle

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare