Ein Stück Ortsgeschichte seit Sommer verschwunden

Wasserwerk Halver-Oberbrügge: Natur holt sich feuchtes Plätzchen am Vömmelbach zurück

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Halver - Als der Bagger in den Wald fuhr, ging damit ein Stück Ortsgeschichte zu Ende. Das alte Wasserwerk Oberbrügge ist seit Sommer 2018 abgebrochen.

Den bunkerähnlichen Betonbau im Wald nahe dem Vömmelbach dürfte nicht jeder Halveraner gekannt haben. Sichtbar vom Weg war der später errichtete Hochbehälter. Doch die Wurzeln der Oberbrügger Wasserversorgung liegen genau dort. 

1888 schlossen sich Bürger zusammen zur „Vollmer Wasserwerke in Oberbrügge“. Das Unternehmen besorgte sich die Leitungsrechte im Hirschberg und in der Vömmelbach, um die Anlage 1902 dann zu verkaufen „zu dem sehr billigen Preise von Mk. 28 500.- - ‘‘, wie aus den Akten hervorgeht. Betreiber war ab da die „Wasserwerk Oberbrügge GmbH“, deren Schriftzug noch bis zum Abriss an der Stirnseite des Behälters prangte. 

Zehn Jahre später war das Unternehmen durch stete Erweiterung schon mehr als doppelt so viel wert, und die GmbH hätte es gerne abgegeben. Denn die Arbeit in der Praxis hatte Rudolf Berghaus geleistet, doch der war nun tot, und „ein Ersatz für diesen Herrn ist unter den Gesellschaftern nicht zu finden“, schrieben diese an die Gemeinde. Die aber wollte den Betrieb nicht kaufen und lehnte 1920 schließlich das Angebot „als nicht für annehmbar“ ab. 

Wie elementar diese Versorgung ist, geht aus einigen Unterlagen hervor, die im Halveraner Stadtarchiv liegen. In 19 Paragrafen regelte die Wasserwerks-Verwaltung den Umgang mit dem wertvollen Gut. Der Abnehmer habe dafür zu sorgen, dass „von seinem Gesinde oder seinen Miethern eine Vergeudung nicht stattfindet“. Und wenn es in der Umgebung brannte, waren „die Privatwasserleitungen geschlossen zu halten solange, bis das Feuer gelöscht ist“. 

Manchmal war es vielleicht besser, die Leitungen nicht nur im Brandfall zu schließen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war der Betrieb zwischenzeitlich eingestellt, weil das Lebensmittel Nummer eins in Oberbrügge ziemlich verkeimt war. Eine Vorbehandlung schaffte Abhilfe, sodass die Militärverwaltung der Wiederaufnahme der Versorgung zustimmte. 

Viel an Material über die Brunnen und Speicher im Wald ist nicht vorhanden. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Anlage in den 70er-Jahren stillgelegt, weiß man bei den Stadtwerken Halver. Das Oberbrügger Wasser stammt nun aus dem großen Ringsystem des Wasserbeschaffungsverbandes Lüdenscheid und damit vorwiegend aus der Jubach. 

Die Stadtwerke als Rechtsnachfolger des früheren Stadtwasserwerks Halver standen damit vor der Überlegung, die Anlage instandzusetzen, um eine Gefährdung für Mensch und Natur auszuschließen oder sie abzubrechen. Das wurde letztlich gemacht. Und die Natur holt sich nun das feuchte Plätzchen am Vömmelbach zurück.

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