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Ein Mahnmal gegen das Grauen

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Von: Florian Hesse

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Drei von fünf Kindern der Halveraner Familie Laubinger. Die Familie wurde 1943 nach Auschwitz deportiert.
Drei von fünf Kindern der Halveraner Familie Laubinger. Die Familie wurde 1943 nach Auschwitz deportiert. © Matthias Clever

Errichtet die Stadt Halver ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer und Verfolgten des Nazi-Regimes?

Halver - Der Vorschlag liegt am Donnerstag dem Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales vor. Die Gedenkstätte würde sich dabei auch dem grauenvollen Schicksal der Halveraner Familie Laubinger widmen, die im Konzentrationslager umgebracht wurde.

Die Bitte, diesen Teil der Geschichte Halvers zu thematisieren, hat im Mai Ricardo Lenzi Laubinger an Bürgermeister Michael Brosch herangetragen. Laubinger, Jahrgang 1959, ist laut Stadtverwaltung ein Neffe der Eheleute Laubinger, die am 9. März 1943 deportiert wurden. Vier ihrer fünf Kinder überlebten das Konzentrationslager nicht. Die Eltern konnten kurz vor der Befreiung des Lagers Auschwitz fliehen. Die Mutter starb nur kurze Zeit später an der Trauer um den Verlust ihrer Kinder.

Ricardo Lenzi Laubinger ist Vorsitzender der Sinti Union Hessen und Bevollmächtigter der Bundesregierung für die Ausstellung von Beglaubigungen zum dauerhaften Erhalt der Grabstätten NS-verfolgter Sinti und Roma. Der Unternehmer aus Wiesbaden (Hessen) weist im Schreiben an Brosch auf das Schicksal der Familie hin. Er regt an, in Halver eine Gedenkstätte zu errichten, die an die Familie erinnert. Dieses Anliegen wurde dem Interfraktionellen Arbeitskreis vorgestellt und dort grundsätzlich positiv aufgenommen, heißt es in der Vorlage für den Fachausschuss. In einem persönlichen Gespräch Anfang Oktober wurden die Überlegungen weiter erörtert und vertieft. Seitens der Stadt wurde angeregt, damit in diesem Zusammenhang an alle Opfer und Verfolgten des NS-Regimes zu erinnern.

Konkrete Vorschläge für einen Standort gehen aus der Vorlage nicht hervor. Angedacht und vorstellbar wäre eine solche Gedenkstätte beispielsweise im Umfeld des Kulturbahnhofs, wie der Fachbereichsleiter Bürgerdienste, Thomas Gehring, sagt. Die Transporte der Nazi-Opfer erfolgten mit der Bahn und damit vom Bahnhof aus.

Die grauenvolle Geschichte der Halveraner Familie ist zudem sorgfältig dokumentiert. Der Halveraner Matthias Clever hatte sich mit den Laubingers beschäftigt und die Fakten zusammengetragen für sein Buch „Vergessene Schicksale – NS-Opfer in Halver“, erschienen im Denkerverlag. Dazu hatte er auch mit Spinetta Weimer geb. Laubinger gesprochen – das einzige der Kinder, das Auschwitz überlebte.

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