Vorerst Erleichterung nach dem Tsunami-Schock

„We’re ok“ („Uns geht’s gut“): Nach mehrmaligem Versuch, mit Yoko Miyazaki Kontakt aufzunehmen, meldete die sich erstmals am Samstagmorgen mitteleuropäischer Zeit zurück. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Zwischen Japan und Deutschland liegen etwa 9000 Kilometer – und doch fühlen sich viele dem Land in diesen Tagen besonders nah. Das gilt umso mehr für Mahes Hewakandamby: Erdbeben, Tsunami und drohende Atom-Katastrophe beschäftigen den in Halver lebenden Ceylonesen nämlich auch aus persönlichen Gründen. Die Japanerin Yoko Miyazaki, die sich zum Zeitpunkt des Bebens in Tokio aufhielt, ist für ihn nicht nur Geschäftspartnerin, sondern auch eine Freundin.

„Nach dem Erdbeben habe ich sofort versucht, Yoko zu erreichen“, berichtet der 45-Jährige, der die Japanerin über seinen Job als selbstständiger Tee-Händler 2007 bei einem internationalen Treffen von Teeverkostern in Hongkong kennen gelernt hat. Seither ist die 36-Jährige Hewakandambys Schnittstelle ins „Land der aufgehenden Sonne“. Wenn es um den Im- und Export hochwertiger japanischer Tees geht, führt für den Halveraner an Yoko Miyazaki kein Weg vorbei. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Freundschaft, die für japanische Verhältnisse ungewöhnlich ist, wie Hewakandamby erklärt. „Dass man zum Beispiel nach Hause eingeladen und der Familie vorgestellt wird, passiert dort äußerst selten.“ Doch Hewakandamby wurde eingeladen – eine Geste, die die enge Verbindung zwischen dem Halveraner und der Teekennerin wohl am Besten beschreibt.

Die Sorge um die Familie Miyazaki war entsprechend groß – noch größer war am Samstagmorgen die Erleichterung, als sich die Freundin per Handy-Kurzmitteilung erstmals nach dem Beben zurückmeldete. „Uns geht’s gut“, schrieb sie auf Englisch. Mittlerweile hat Hewakandamby mit der Japanerin auch telefoniert – und erfahren, in welch einer Ausnahmesituation sich ihr Land befindet.

Wenn der Wohnort der Miayzakis, Hammatsu, auch mehr als 250 Kilometer südlich von Tokio liegt, so sei das Beben auch dort mit voller Wucht zu spüren gewesen, erzählt Hewakandamby. Die Tochter der Familie, die in der mehr als 800 000 Einwohner zählenden Stadt einen Kindergarten besucht, ist jedoch wohlauf. „Yoko selbst war zum Zeitpunkt des Bebens bei einer Messe in Tokio und froh, als sie ihr Kind unbeschadet bei Verwandten abholen konnte.“

Mittlerweile bestimmten jedoch nicht nur die Folgen des Bebens den Alltag in Hammatsu, sondern auch der drohende Super-GAU. „Batterien und Taschenlampen sind knapp“, berichtet Yoko Miyazaki in einer E-Mail. Eine Folge der Stromsparmaßnahmen im Land. In Hammatsu blieben derzeit stets von 7 bis 11 Uhr die Lichter aus. Da zudem viele Japaner aus Angst vor radioaktiver Strahlung freiwillig aus dem Norden gen Süden zögen, seien die Regale der hiesigen Lebensmittelhändler leer gekauft. Die Menschen hamstern.

Angesprochen auf die Informationspolitik ihrer Regierung gibt sich die 36-Jährige jedoch zurückhaltend. „Die Japaner und ihre Regierung sind wie Kinder und ihre Eltern“, sagt Mahes Hewakandamby. Seine Kritik am Verhalten der Verantwortlichen konnte Yoko Miyazaki denn auch nicht nachvollziehen. Eines habe sie im Telefonat aber eingeräumt: „Ihrer Meinung nach, können sich die Europäer vermutlich ein besseres Bild von der Lage in Japan machen als die Menschen vor Ort.“ Dort würden viele Fotos im Fernsehen nicht gezeigt. „Viele Japaner haben ihre Bilder aber sofort ins Internet gestellt, ehe sie von den Behörden daran gehindert werden konnten.“ ▪ Frank Zacharias

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