Existenzängste feiern Geburtstag

Von Halver auf die Bühnen: Frank Bosse als Schauspieler in der Pandemie

Von Halver aus auf die Bühnen: Frank Bosse ist Schauspieler. Corona macht diesen Job nicht so leicht
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Von Halver aus auf die Bühnen: Frank Bosse ist Schauspieler. Corona macht diesen Job nicht so leicht.

Als Schauspieler in der Pandemie klarkommen? Schwierig, erzählt der gebürtige Halveraner Schauspieler im Gespräch.

Halver - „Ich erinnere mich gerne an die Sommer in der Herpine. Auch wenn das Wasser ziemlich kalt war. Und die einsamen, zugeschneiten Wege im Winter. Solche magischen Momente gibt es nicht in der Großstadt.“ Frank Bosse blickt gerne zurück auf seine Kindheit, die er in Halver und Schalksmühle verbrachte. „Mein Papa hat früher dort die Biker-Meetings mitveranstaltet. Es war immer wie ein großes Familienfest.“ Jetzt lebt er in Köln und verdient sein Geld mit der Schauspielerei.

„Eigentlich wollte ich Arzt werden. Dafür reichte mein Notendurchschnitt aber nicht aus“, verrät der 35-Jährige. „Meine zweite Option war es, Schauspieler zu werden. Dann könnte ich irgendwann zumindest einen Arzt spielen.“ Dieser Plan ging dann auch auf. Er stand nicht nur als Arzt vor der Kamera, sondern ist auch als verführerisches Date im neuen Musikvideo von Marie Reim, Tochter von Matthias Reim, zu sehen. Und bald wird man ihn als Ratte sehen können.

Projekt für Kinder

„Das ist ein ganz großartiges Projekt, an dem ich schon 2019 beteiligt war. 2020 ist es leider wegen der Pandemie ausgefallen und soll im Juni nachgeholt werden.“ Es ist ein Outdoor-Theaterstück, das vor rund 500 Kindern aufgeführt wird. „Ich spiele dabei eine Ratte, die in der Aula einer Grundschule lebt und den Kindern interaktiv Technik und Töne der Jazzmusik näherbringt.“ Dabei sei so ein Auftritt vor Kindern immer etwas Besonderes. „Die Kinder reagieren ganz anders als Erwachsene, und man bekommt ein ganz ehrliches, verspieltes Lachen zurück. Das öffnet mir das Herz.“

Musik ist ohnehin eine große Leidenschaft des gebürtigen Halveraners. „Während meiner Schauspielausbildung habe ich parallel Gesangsunterricht genommen. Das ist aber eher für die Stimmbildung gedacht“, bremst Frank Bosse jedoch die Hoffnung auf einen eigenen Song in den Charts. „Ich bin dadurch aber fähig, den einen oder anderen Ton zu halten. Deshalb habe ich auch eine Rolle in einem Theaterstück bekommen, in dem ich viel singen musste.“ Überhaupt ist er ein großer Fan von Musicals. „Ich finde die Möglichkeit, Gesang, Tanz und Schauspiel miteinander zu vereinen, einfach großartig. Das ist mega!“ Ein großer Traum wäre für ihn, in einem Musical oder einer Serie wie Glee mitspielen zu können.

Kollaps in der Kulturbranche

Derzeit sind allerdings fast alle Projekte des Schauspielers auf Eis gelegt. TV-Auftritte, Theaterstücke und Werbefilme sind kaum noch zu bekommen. Die Corona-Pandemie sorgt für einen regelrechten Kollaps in der Kulturbranche. „Man ist wirklich über jeden Job, der angeboten wird, sehr froh“, bedauert er die schwierige Situation. „Von rund 100 Terminen im Theater sind gerade mal zehn übrig geblieben. Ob die gespielt werden, steht aber noch nicht fest.“ Seine Existenz sichert Frank Bosse in erster Linie durch die Auftritte im Theater. „Jedes Wochenende hatte ich drei bis vier Auftritte und konnte gut davon leben. Jetzt hoffe ich jedes Wochenende auf ein Ende des Lockdowns, weil ich meine Miete bezahlen und etwas im Kühlschrank haben möchte.“ Er konnte in dem Zusammenhang ein trauriges Jubiläum feiern: „Am 15. März 2020 hatte ich meine letzte Vorstellung im Theater.“ Der „erste Geburtstag der Existenzängste“, sagt Bosse.

Die Kunst- und Kulturszene leide mit am stärksten unter der Pandemie. Deshalb engagiert sich der Schauspieler auch in Kampagnen, die auf die Probleme der Branche aufmerksam machen: „Man hört immer wieder, dass dieser Bereich stark unter der Pandemie leidet, aber man hat keine Gesichter vor Augen. Die Kampagne ‚Kulturgesichter NRW‘ versucht mit vielen Schauspielern, Musikern oder Menschen, die hinter der Bühne arbeiten, dem ein Gesicht zu verleihen.“ Unzählige Fotos von Menschen, die von der Kunst leben, seien fotografiert worden und sollen in einer groß angelegten Plakataktion überall zu sehen sein. „Man soll dadurch sehen, wer diese Menschen sind, die darunter leiden. Es waren die ersten, die es getroffen hat, und werden wohl auch die letzten sein.“

Ausbildung als zweites Standbein

Um bei derartigen Krisen in der Zukunft noch ein sicheres Standbein zu haben, hat sich Frank Bosse jetzt entschieden, zusätzlich noch eine weitere Ausbildung zu beginnen. „Ich habe mir vorgenommen, ab September noch eine Ausbildung als Operationstechnischer Assistent zu beginnen. Das wäre auch gut für meine Altersabsicherung.“ Spannend findet er diesen Beruf, seit er im Klinikum Hellersen seinen Zivildienst geleistet hat.

Doch bis dahin wird noch einiges von dem sympathischen Ex-Halveraner zu sehen sein: „Im Juni bin ich als ‚Martin, die Aularatte‘ zu sehen. Im vergangenen Jahr habe ich in einem Musical-Film mitgespielt, zu dem im Sommer ein Ableger gedreht werden soll.“ Außerdem kann Frank Bosse in einer Nebenrolle in dem Kinofilm „Enfant Terrible“ gesehen werden oder in aktuellen Werbekampagnen.

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