Volles Haus beim "Poetry Slam in der Tanke"

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Teilnehmer und Moderatoren des „Slams in der Tanke“: Elina Raddy (von links), Jay Nightwind, Özge Cakirbey, Fatima Talalini, Stefan Fischer und Oscar Malinowski.

Halver - Am Poetry Slam gefällt ihr „die direkte Form von Literatur und Kultur“. Nirgendwo sonst, meint sie, kann sie Menschen so unmittelbar und kompromisslos erreichen. Seit knapp zwei Jahren in der Szene unterwegs, holte sich Fatima Talalini am Samstag beim „Slam in der Tanke“ die „Goldene Schere“ als Siegertrophäe.

Mit aufrüttelnden, emotionalen und ironisch pointierten Geschichten textete sich dieGeschichts- und Politikstudentin aus Dortmund in die Herzen des Publikums. Dabei spielte sie auch bissig-amüsant auf ihren Namen („Du siehst nicht aus wie eine Fatima“) und ihre syrisch-schlesische Herkunft an. „Wo kommen Sie denn her?“ – „Aus meiner Mutter“, hieß es da schlagfertig und frech. Gegen Jay Nightwind, Moderator des Essener WestStadtStory-Slams, setzte sie sich im Finale mit ihrer amüsanten Nationalitätenschelte durch.

Vier Slammer aus dem Ruhrgebiet

Gute Unterhaltung boten die vier Slammer aus dem Ruhrgebiet, die auf Einladung von Martina Asbeck in der „Tanke – Haare und Kunst“ zur Wortschlacht antraten. In familiärer, intimer Atmosphäre gaben die jungen Literaten – Fatima Talalini, Özge Cakirbey, Stefan Fischer und Jay Nightwind – in einem voll besetzten Raum zum Besten, was sie umtreibt und bewegt.

Abend bot sehr viel Politisches

Angesichts der aktuellen Flüchtlingsnot, Angst vor Überfremdung und kontrovers geführter Asyldebatte war bei der Neuauflage des Slams – vor Jahren von Marek Tomicki begonnen und unter Martina Asbecks Regie zum zweiten Mal vor Ort durchgeführt – sehr viel Politisches dabei. Viele, die dem Dichterwettstreit entspannt bei Knabbergebäck und Getränken lauschten, erlebten erstmalig einen Poetry Slam mit.

Eine App, die Bayern absteigen lässt

Das Publikum war nach jedem sechsminütigen Vortrag gefordert, Punkte für den jeweiligen Künstler zu vergeben.

Als Moderatoren führten Elina Raddy und Oscar Malinowski, beide selbst aktive Poetry Slammer und Veranstalter des Wermelskirchener Slams „Zeilensprung“, durch den Abend. Außer Konkurrenz führte Malinowski mit einem Opener über Smartphones dabei wortwitzig in die Welt des Poetry Slams ein. Dass es ein Maschinenbaustudent ohne Smartphone schafft, Kontakte zu pflegen und sogar eine Freundin zu haben, ließ er in seinem humorvollen Statement „Warum ich immer noch kein Smartphone habe“ wissen. Allerdings: Eine App, die die Bayern mal absteigen lässt, hätte er schon gern.

Sechs-Minuten-Texte ohne Requisiten

Ohne Requisiten, mal auswendig, mal mit Textblättern vor der Nase präsentierten die vier Slammer ihre Sechs-Minuten-Texte. Nach jedem Vortrag war das Publikum aufgefordert, seine Stimme abzugeben und Punkte für den Einzug ins Finale zu verteilen.

"Aufs Maul, Terroristen!"

Mit einem fantasievollen, äußerst lebendigen Vortrag über die Bedeutung von „20 Sekunden“ legte Özge Cakirbey aus Dortmund dabei die Messlatte für weitere Vorträge hoch. Eine Wutrede an „Horst“ – wer im Brief an Horst S. aus Bayern gemeint war, ließ sich unschwer erkennen – hielt der Dortmunder Stefan Fischer. Von ihren eigenen Gefühlen ließ sich Fatima Talalini in ihrem ergreifenden Plädoyer für den Frieden („Aufs Maul, Terroristen!“) überwältigen. Jay Nightwind, der anstelle des verhinderten Rainer Holl wortstark um die Gunst des Publikums warb, ergriff beim Einkaufen in der Warteschlange vor der (einzig geöffneten) Kasse die kalte Wut.

Wiederholung ist angedacht

Nach zwei Durchgängen standen die Finalisten – FatimaTalalini und Jay Nightwind – fest. Eine Wiederholung des Slams ist angedacht.

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