Der Krise trotzen

Mit der Trompete hoch über Halver

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Hoch über dem Kirchplatz: Volker Turck stimmt die Europahymne an, und Halver hört zu.

Halver - Wer in der Kernstadt Halvers wohnt, hatte am Samstag ein Erlebnis der besonderen Art: die Europa-Hymne, Schillers „Ode an die Freude“, gespielt in 30 Metern Höhe über den Dächern der Stadt.

Die Feuerwehr hatte es möglich gemacht und den Halveraner Trompeter Volker Turck senkrecht hochgefahren. Ganz allein im Korb der Rettungsbühne setzte der Leiter des CVJM-Posaunenchores um 14.15 Uhr das Instrument an die Lippen. „Freude schöner Götterfunken“, vertont von Ludwig van Beethoven in der 9. Sinfonie, ist ein Appell zur Solidarität („...alle Menschen werden Brüder...“) und Hoffnung („...deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt...“). 

Gespielt aus dem Rettungskorb oberhalb des Dachs der Nicolai-Kirche, lockte es die Menschen aus den Häusern und auf die Balkone. „Die Leute haben gewunken und geklatscht“, sagt Volker Turck im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger über den ungewöhnlichen Ausflug – der ihm, allerdings dann doch nicht so leichtgefallen war wie zuvor gedacht. 

Die Idee stammt von der Feuerwehr

Die Idee sei nicht von ihm gekommen, sagt er ausdrücklich. Christoph Seibert, Chef des Löschzuges Stadtmitte, sei damit auf ihn zugekommen, inspiriert von ähnlichen Aktionen der Feuerwehren im Land. Und mit seiner Trompete engagiert sich Volker Turck auch bei anderen Anlässen für die Feuerwehr, schwerpunktmäßig durch persönliche Kontakt in den Löschzug Bommert. Auf seiner ungewohnten Bühne schließlich habe er zwar durchgehend Funkkontakt zur Basis gehabt, doch ein wenig mulmig sei es ihm schon gewesen, räumt er ein. Er habe sich schon „etwas kurzatmig angehört“, hatte ihm im Nachgang ein Bekannter signalisiert, der seinen Vortrag auf einem Post der Feuerwehr im Internet gefunden hatte. Die hatte den spektakulären Auftritt mit der Drohne begleitet und den Clip ins Netz gestellt. 

Nach dem Auftritt: Ein Schnappschuss Richtung AFG.

Ein Wunder sei das nicht, stellt Volker Turck im Rückblick fest. Es sei zwar nicht windig gewesen, doch mit dem Instrument in der Hand und mit Notenblättern hantierend war der Plan gewesen, sich selbst bei den Chorälen, die er abschließend anstimmte, um sich selbst zu drehen. „Aber das hört man dann schon“, stellt er zur Performance selbstkritisch fest. Doch wichtiger als das sind offenbar die Geste und das Signal, das von der Aktion ausgeht. 

Begeisterung bei Bürgern

„Ich wusste davon nichts und war begeistert“, sagt der evangelische Pfarrer Martin Pogorzelski. „Es war so gut zu hören. Ich dachte, der spielt bei mir im Garten.“ Als er vor die Tür trat, sah er Volker Turck über Halver schweben. „Das war schon gigantisch.“ 

Die Drohne macht’s möglich und filmt herab auf die Von-Vincke-Straße.

Der bleibende Eindruck, den der Trompeter über den Dächern am Samstag hinterlassen hat, könnte unter Umständen noch zu einer Neuauflage führen. Es seien noch Abstimmungen erforderlich, sagt Pogorzelski. Und falls es klappt, würde Volker Turck am Ostersonntag um 11 Uhr im Anschluss an den Livestream des Ostergottesdienstes erneut in den Korb steigen. Bereit erklärt hat er sich jedenfalls. Und ein großes Publikum hätte er gewiss.

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