Ohne Glyphosat und Co. -Weihnachtsbaum in Bio-Qualität

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Das Bio-Siegel hängt an den Spitzen der Tannenbäume. Volker Grüber züchtet Bio-Weihnachtsbäume in Halverscheid

Halver - Sie machen zwar nur fünf Prozent des Marktes aus, sind aber dank der Diskussion über Glyphosat und Insektizide immer beliebter: Bio-Weihnachtsbäume. In Halverscheid baut Volker Grüber seit 25 Jahren Weihnachtsbäume an.

2012 entschied er sich dazu, dabei komplett auf Chemie zu verzichten und sich als Bio-Hof zertifizieren zu lassen. Auf 20 Hektar Land wachsen in Halverscheid rund 130 000 Nordmanntannen – alle bio. 

Volker Grüber bezeichnet seinen Bestand als eher klein. „Der größte Produzent von Weihnachtsbäumen hat eine Fläche von 1000 Hektar.“ Eine Bio-Wirtschaft sei bei solch einer Größe gar nicht möglich. Aber auf den insgesamt elf Flächen in Halverscheid standen nicht immer Bio-Bäume. Den Hof übernahm Grüber vor rund 25 Jahren von einem Verwandten.

"Bio? Man will sie doch nicht essen"

Knapp 20 Jahre änderte er nichts an der Wirtschaft. Aber seit das Thema immer mehr hinterfragt wurde, entschied er: „Jetzt ist Schluss!“ „Wer viel Chemie benutzt, hat auch keine Kleinlebewesen mehr“, sagt Grüber. „Keine Insekten, keine Vögel.“ Trotzdem kommen noch immer Kunden, die fragen warum die Bäume bio sein müssen, denn man wolle sie ja nicht essen. 

„Den Käufer stört das zwar wenig, und nachweislich allergisch reagiert fast niemand, was die Nachfrage nicht unbedingt erhöht.“ Dass der Bio-Weihnachtsbaum ein Nischenprodukt bleibt, ist Grüber bewusst. „Eine flächendeckende Nachfrage werden wir nie haben“, sagt er. „Mir ging es hauptsächlich um die Umwelt.“ 

Bio-Bäume unterliegen strengen Auflagen

„Ich kann sogar verstehen, dass sich Kunden keine großen Gedanken über einen Weihnachtsbaum machen, der nur einige Tage bis Wochen Zuhause steht und dann weggeschmissen wird.“ Dass ein Baum acht Jahre wächst, um die Verkaufsgröße zu erreichen, sei den meisten nicht bewusst. Die mediale Auseinandersetzung mit dem Thema Glyphosat habe das Geschäft der Bio-Höfe positiv beeinflusst – auch der BUND empfiehlt aktuell für den Weihnachtsbaumkauf, auf Bio-Varianten zurückzugreifen. 

Bio-Weihnachtsbäume unterliegen strengen Auflagen. Sie kommen weder aus Plantagen, noch aus Monokulturen, sondern aus Wäldern. Mit dem Kauf eines Bio-Baumes kann der Käufer sicher gehen, dass der Umwelt bei der Zucht nicht geschadet wurde. 

Kein Einsatz von Glyphosat 

Die Tannen werden weder mit Pestiziden bespritzt, noch chemisch gedüngt. Normalerweise werden diese Mittel eingesetzt, um Beikraut sowie Insekten auf den Feldern der Bäume zu bekämpfen – denn hoch wachsende Gräser und Kräuter könnten den Wuchs des Baumes beeinträchtigen, Insekten den Baum befallen und ihn krank machen. Bio-Höfe müssen daher entweder von Hand mähen oder Schafe einsetzten, die die Felder abgrasen. 

So soll der Baum natürlich wachsen können und ist dabei von Nützlingen umgeben. Nicht alle Insekten seien automatisch Schädlinge und die Artenvielfalt bleibt auf diesem Wege erhalten. 

Die lange Trockenheit sorgte dafür, dass Tausende Bäume gestorben sind. Verlust: 7000 Euro.

„Viele meiner Kollegen arbeiten im Grunde genau wie ich, aber sie möchten sich nicht als Bio-Hof zertifizieren lassen, weil es dann auch für den Notfall keine Erlaubnis für den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln gibt“, sagt er. 

Den meisten sei das Risiko zu hoch, denn im schlimmsten Fall kann dann kein Baum mehr verkauft werden. Bei Volker Grüber entsteht dadurch mehr Arbeit, denn er mäht selbst – an einem Tag kommt er auf rund acht Stunden. Um Schafe halten zu können, wohnt er zu weit weg. Der gebürtige Lüdenscheider ist direkt nach dem Abitur nach Münster gezogen, wo er heute mit seiner Frau und zwei Kindern lebt. 

Noch schlimmer als Insekten wirkte sich allerdings die lang anhaltende Trockenheit auf die frisch gesetzten Tannenbäume aus, gegen die nichts unternommen werden konnte. Auf dem Feld mit den im Frühjahr gesetzten Jungpflanzen gibt es nur noch vereinzelte Tannen, die überlebt haben. So gut wie alle sind tot und „das wird Folgen haben“. 

Auswirkungen der langen Trockenphase

„Ich kenne keinen Kollegen, der nicht betroffen ist. Manche haben sogar 100 Prozent ihres Bestandes verloren.“ Daher sei klar: „In acht Jahren werden diese Bäume fehlen und es wird ein Loch auf dem Markt entstehen.“ Für Grüber bedeutet der trockene Sommer rund 7000 Euro Verlust. Das neue Feld hätte rund 14 000 Tannenbäume hervorbringen können. 70 Prozent sind „für die Tonne“. Dabei kann er in einem guten Jahr an die 70 Prozent seiner ausgewachsenen Tannen verkaufen. Bio-Bäume machen fünf Prozent des Marktes aus. Preislich unterscheiden sie sich mit circa fünf bis zehn Prozent von herkömmlichen Tannen. 

Die Ansprüche an einen Weihnachtsbaum sind in den Mengen, die erforderlich sind – rund 30 Millionen jedes Jahr – in Bio-Qualität nicht möglich. Für perfekte Bäume, die gerade gewachsen, grün und dicht sind, sind Dünger und Insektenmittel nahezu unvermeidbar. „Bei mir darf der Baum wachsen, wie er möchte“, sagt Grüber. „Aber die Kunden möchten einen, der aussieht wie gemalt. Solche, die ich nicht verkaufen kann, werden dann auch schon mal zu Brennholz verarbeitet.“ 

Erntehelfer aus Litauen

Für die Erntezeit kommen drei Saisonarbeiter aus Litauen nach Halverscheid und werden solange auf dem Hof leben. „Deutsche Arbeiter gibt es für diesen Job einfach nicht“, erzählt er. „Die Erntezeit ist schon hart.“ Trotz allem ist sich Grüber aber sicher: „Ich habe den absoluten Traumjob!“

Am 2., 3. und 4. Adventswochenende können jeweils in der Zeit von 10 bis 18 Uhr Bio-Weihnachtsbäume direkt auf dem Hof, Halverscheid 19, gekauft oder selbst geschlagen werden. Zudem wird in der Scheune Glühwein, Kinderpunsch und Bratwurst angeboten.

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