Vierter Prozesstag

Gülle-Skandal: „Sehr viel Glück“ für Neye-Talsperre

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Eine Biologin erklärte, dass die Neye-Talsperre „sehr viel Glück“ gehabt habe.

Halver - Weit war das von der 3. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen bearbeitete Feld auch am vierten Tag des Gülle-Prozesses: Auf der einen Seite wurden die Geschäfte des Angeklagten mit einem landwirtschaftlichen Betrieb in Ahaus unter die Lupe genommen, auf der anderen die biologischen Befunde aus dem Neye-Bach und der Talsperre.

Von einer „unkomplizierten“ Geschäftsbeziehung zum Landwirt Tobias Feckinghaus berichtete ein Bauer aus Ahaus. Von dort kamen Rinder- und Schweinegülle sowie Biogasreste auf die Felder des Hofes Feckinghaus. Im Gegenzug nahmen die Lastzüge Grünfutter mit ins Münsterland – so beschrieb der Zeuge die Warenströme. Er bestätigte, dass sein Betrieb – je nach Jahreszeit – zwischen 8 und 15 Euro für die Abgabe eines Kubikmeters Gülle zahle. Für das Ausbringen auf den Feldern mit eigenem Gerät habe man dem Landwirt aus Halver pro Stunde 70 Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt.

Weil der Schlepper mit dem Güllefahrzeug auch am Tag nach der Gülle-Katastrophe am 19. März 2015 vor Ort in Halver war, bekamen die Güllelieferanten aus Ahaus einen mehrtägigen Zusatzauftrag: Die Aufsichtsbehörden baten das Unternehmen, bei der Entleerung des großen Güllebehälters auf dem Hof zu helfen, aus dem zuvor ein Teil der darin gelagerten Gülle in die Neye geflossen war. Sauber und verlustfrei sollte diese endgültige Leerung ablaufen, und das wurde intensiv überprüft: „Es ist selten, dass die Aufsichtsbehörde beim Ausbringen direkt dabei ist“, erinnerte sich der Zeuge an die Begleitung. Er habe in den Tagen vor der Verschmutzung der Neye nicht den Eindruck gehabt, dass Feckinghaus ein Lagerungsproblem gehabt hätte, erinnerte sich der Zeuge und bestätigte auch die Angaben des Angeklagten, dass am Tag nach dem Auslaufen der Gülle einer seiner Schlepper wegen eines Fremdstoffes im „AdBlue“-Tank nicht mehr lief.

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Das Fazit des Zeugen lautete: „Die Gülle ist ein sehr schwieriges Gut zur Vermarktung. Wir sind deshalb sehr froh über die Geschäftsbeziehungen zu Herrn Feckinghaus.“

„Dachte, so etwas könne nicht mehr passieren“

Weitere Zeugen berichteten von den Folgen des Gülleeintrags in die Neye und die Talsperre. „Ich habe gedacht, nach dem Vorfall im November 2014 könne so etwas nicht mehr passieren“, wunderte sich eine Biologin, nachdem sie die Verschmutzung im März 2015 gesehen hatte. „Wir waren sehr schockiert angesichts des Zustandes des Neye-Baches.“ Von oben habe die Neye-Talsperre nach dem Unglück ganz normal ausgesehen. Tote Fische im Becken unterhalb der Staumauer hätten sie dann auf die Spur gebracht: Die relativ zähflüssige Gülle sei wie eine Blase auf dem Boden der Talsperre in Richtung Staumauer geflossen. „Aus Sicht der Talsperre war das noch ein Glück.“

Gefährlich für das Gewässer sei vor allem die Düngung der vorhandenen Blaualgen durch die Gülle gewesen: Toxine der Cyanobakterien können Durchfallerkrankungen auslösen. Die Gefahr einer Verunreinigung der mit der Neye verbundenen Bever-Talsperre, die als Badegewässer freigegeben ist, konnte allerdings abgewendet werden. Noch immer sei die Neye-Talsperre durch das Ereignis leicht belastet. Doch insgesamt gelte: „Die Talsperre hat sehr viel Glück gehabt.“

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