Die Vielfalt der heimischen Mundart

Für seine Untersuchungen der heimischen Mundarten war der Schwerter Dr. Ludwig Brandes auch in Halver unterwegs. Die Ergebnisse sind jetzt in dem Buch „Die Mundarten des heimischen Raumes Breckerfeld - Hagen - Iserlohn“ erschienen. -  Foto: K. Zacharias

HALVER - Dr. Ludwig Brandes beleuchtet in seinem Buch die Dialekte in der Region. Auch Halveraner Ortsteile und ihre Mundarten hat der pensionierte Studiendirektor untersucht.

Von Kerstin Zacharias

Seit seinen Kindheitstagen begleitet ihn die plattdeutsche Sprache durchs Leben – in all ihrer Vielfalt, mit all ihren regionalen Unterschieden, ihren heimischen Mundarten. Mit seiner Sammelleidenschaft zu Lautung, Morphologie, Syntax & Co. ist es dem Schwerter Dr. Ludwig Brandes nun gelungen, einen weißen Fleck auf der Landkarte zu füllen: „Die Mundarten des Raumes Breckerfeld – Hagen – Iserlohn – ein Beitrag zur westfälischen Dialektgeographie“ lautet der Titel seines Buches, in dem der pensionierte Studiendirektor auch Halveraner Ortsteile und ihre Mundarten untersucht hat.

„Ich hatte es mir nach meiner Pensionierung im Jahr 2003/04 zum Ziel gesetzt, den Zustand der Mundarten zum Ende des 20. Jahrhunderts in Form einer Flächengrammatik festzuhalten“, erklärt Brandes im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger. Dass die Ergebnisse, die ursprünglich als Dissertation erschienen sind, nun als Buch in der Reihe „Niederdeutsche Studien“ verlegt wurden, freut Brandes um so mehr. Und das gilt auch für die Verantwortlichen der Kommission für Mundart und Namenforschung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), die als Herausgeber fungierten. Denn auch deren Mitglieder sind sich darüber im Klaren, dass die niederdeutschen Mundarten immer mehr aus der alltäglichen Kommunikation verschwinden und die Sprachkompetenz der verbleibenden Mundartsprecher aufgrund ihres Alters kontinuierlich abnimmt.

Mit Hilfe von Brandes konnte nun also ein weißer Fleck auf der Karte geschlossen werden. Denn das von ihm untersuchte Gebiet – zwischen Giewwelsbiäich (Gevelsberg) und Noiebare (Nieder-Barge), Diälwicke (Dellwig) und Machthai (Magdheide) – fehlte bislang in den Dokumentationen.

Die gezielten Vorbereitungen für seine Dissertation begannen 1988. Doch bereits viel früher, genauer gesagt in den 1950er Jahren, begann Brandes mit seiner Sammlertätigkeit – wenn auch in Form zufälliger, unsystematischer, aber schriftlich festgehaltener Beobachtungen. Erst zwischen 1988 und 2000 führte der studierte Romanist und Anglist systematische Befragungen durch – an insgesamt 107 Orten „seines“ Gebietes und mit Hilfe einer Art Fragenkatalog mit 2000 Wörtern. Die Personen, die Brandes dabei befragte, waren zum Teil Bekannte, die des „Platts“ noch mächtig waren und sind, aber auch Menschen, die ihm durch Mundpropaganda „empfohlen“ wurden und zu denen der 77-Jährige Kontakt aufnahm.

Und so führte er Gespräche in Nieder-Vahlefeld und Magdheide, in Glörfeld und Boßel, in Dahlerbrück und Albringwerde, in Altenhülscheid und Lauenscheid – darüber, wann, wo und wie dort Plattdeutsch gesprochen wurde. Was folgtem, war das Zusammentragen und Auswerten der gesammelten Daten sowie das Einfügen in Sprachkarten. Denn, so fand Brandes heraus, es gibt deutliche Unterschiede im Hinblick auf die einzelnen Dialekte, in Bezug auf Lautung, Wortschatz und Formenlehre.

Nachdem im Jahr 2011 mit Hilfe seines Doktorvaters Professor Niebaum die Dissertation erschien, verlegte die „Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalen“ diese nun als Buch: Auf 440 Seiten finden Interessierte alles Wissenswerte rund um Forschungsziele, Stand des Niederdeutschen, Lautgeographie, Mundartgrenzen, Laut- und Formenlehre. Bemerkungen zur Sprachgeschichte und Soziologie des Mundartraumes runden die Untersuchung ab.

„Möge mein Buch einen Beitrag zum archivarischen Bewahren unserer einst lebendigen Mundarten und eine Erinnerung an sie darstellen“, hofft Brandes und äußert zugleich sein Bedauern darüber, welcher sprachökologische, irreparable Schaden durch ihren Untergang entstanden ist. „Wenn auch die Wiederbelebung des Plattdeutschen als Kommunikationsmittel nicht möglich erscheint, so bleibt dem Forscher doch die wissenschaftliche Aufbewahrung der Mundarten für die zukünftigen Generationen.“

Das Buch von Ludwig Brandes ist im Boehlau-Verlag, ISBN 978-3-412-21066-3, erschienen.

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