Ärztemangel ist Thema

Es bleibt "wolkig" in Sachen MVZ - Diskussionen im Ausschuss

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Am Montag fand der Hauptausschuss im Kulturbahnhof statt. Mit Abstand saßen die Mitglieder zusammen.Alle trugen Masken.

Halver -  Es wurde wieder viel diskutiert über das angedachte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), das dem Ärztemangel, der auch in Halver ankommen wird, entgegenwirken soll.

Im Hauptausschuss am Montag gab es aber dank des Besuchs von Ingo Jakschies, der Geschäftsführer vom Gesundheitscampus-Sauerland mit Sitz in Balve ist, eine Grundlage. Es ging um die Wirtschaftlichkeit – und um vieles mehr. 

Insgesamt betreut Jakschies acht Medizinische Versorgungszentren. Den Ausschussmitgliedern gab er einen Einblick. Die Planung des medizinischen Bedarfs ist in Hinblick auf den demografischen Wandel veraltet. „Diese Welle trifft uns jetzt besonders hart“, sagt Jakschies. Obwohl es, wie es eingangs auch Bürgermeister Michael Brosch sagte, nicht die Pflicht einer Kommune sei, diesem aufkommenden Mangel entgegenzuwirken, hätte gerade ein interkommunales MVZ auch Vorteile. 

Ingo Jackschies hatte das Wort im Hauptausschuss.

In drei Modellen rechnete der Diplom-Kaufmann verschiedene Varianten vor. Stellt man Kosten und Ertrag nebeneinander, entsteht erst dann ein Plus, wenn es mindestens 3,5 Arztsitze in einem MVZ gibt, wenn man in der Berechnung von 1200 Scheinzahlen (Anzahl der Patienten) pro Arzt ausgeht. Mut macht er bei der Arztfindung. Sie würden Interesse zeigen, wenn flexible Arbeitszeiten angeboten werden. Denn es seien vor allem Ärztinnen, die an den Universitäten ihren Abschluss machen. Und diese hätten aufgrund familiärer Zusatzbelastungen oft andere Vorstellungen als männliche Kollegen. 

Experte rät von Fachärzten ab

Weiter riet er davon ab, Fachärzte mit speziellen Geräten in ein solches Zentrum zu integrieren. Jedes MVZ mit solchen Medizinern sei im Minus. Halver bräuchte Kinderärzte und Orthopäden. Was Halver aber auf jeden Fall für ein MVZ braucht, ist politische Rückendeckung. Vonseiten der UWG-Fraktion war die Aussage von Sabine Wallmann: „Das ist mir alles zu wolkig.“ Sie fordert eine detaillierte Problemanalyse, der sich FDP, Grüne und CDU anschlossen. „Wir sollten sehr, sehr gut überlegen, was wir wirklich brauchen“, ergänzte Wallmann und äußerte ihre Befürchtung, dass ein profitables MVZ nicht gleich gut für Patienten ist. 

Weiter wolle man nicht gegen die Ärzte arbeiten, die in Halver derzeit die Versorgung tragen. Sie sagte klar: „Wir bekommen ein Hausarztproblem und kein Facharztproblem.“ Ein MVZ soll nach Halver, so viel Einigkeit bestand im Ausschuss. „Wir brauchen aber keinen Wettbewerb darüber, welche Partei das MVZ am heftigsten will“, sagte Martina Hesse (CDU). Neben der bisherigen theoretischen Diskussion bräuchte es ein Fundament, sagte die Fraktionsvorsitzende und bezog sich auf den Antrag der vier Fraktionen CDU, FDP, Grüne und UWG, den Fachbereich 1 Zentrale Dienste und Finanzen, mit in die Planungen einzubeziehen. „Denn schlussendlich ist es eine Firma“, sagte Hesse. 

Mitglieder streben ein Konzept an

Markus Tempelmann, Bürgermeisterkandidat, Kämmerer und Leiter des Fachbereichs 1, betonte ausdrücklich, dass er gerne bei der Planung mitarbeiten wolle. „Man sollte das Konzept jetzt forcieren“, sagte Tempelmann und plädierte für eine zeitnahe Weiterarbeit. Chancen hätte er noch, denn noch sei man bei der Planung ganz am Anfang. 

„Das ist ein Prozess, der klein anfängt“, sagte Regina Reininghaus (SPD) und glaubt, dass etwas Großes daraus werden könne. Vonseiten der Sozialdemokraten kam vermehrt der Hinweis, dass gerade vor Ort Ärzte gebraucht werden. „Senioren warten auf etwas Neues“, sagte Reinighaus. Fraktionsvorsitzender Martin Kastner ergänzte die Diskussion um den Standort damit, dass nicht alle einen Pkw hätten, um in die benachbarten Kommunen und deren Fachärzte zu fahren, und reagierte damit auf Kritik, dass ein Arzt in Kierspe so viel bringe wie ein Arzt in Lüdenscheid oder Hagen, zu denen auch jetzt schon Halveraner gehen. Ingo Jakschies unterstützte mit der Aussage, dass durch ein MVZ mit zwei Standorten, die Ärzte untereinander wechseln und so ein Vorteil für beide Kommunen entstünde. 

Viele Diskussionen im Kulturbahnhof

Es wurde viel diskutiert – mit dem gemeinsamen Ergebnis, dass alle Theorie bisher zu nichts geführt habe und es nun ein Konzept geben müsse – noch bevor man über Wirtschaftlichkeit spricht. Im Hintergrund gab es laut Michael Brosch bereits Anfragen vom Hellersen-Klinikum und einer weiteren Klinik. Auch ein Orthopäde hätte bereits angefragt, was die Stadt genau vor habe. Und laut Ingo Jakschies habe die Kinderärztin Regina Tan aus Kierspe Interesse an einer Kooperation mit anderen Ärzten – auch im Rahmen eines MVZ. 

Aussichten gibt es, aber noch kein Konzept. Verblieben ist man nun damit, dass es eine Bedarfsanalyse sowie eine Stärken- und Schwächenanalyse eines MVZ geben muss. Stellungnahmen von Halveraner Ärzten sollen vorgelegt werden und ein Gespräch mit den Märkischen Kliniken soll stattfinden. Zusammen werde daraus ein Fundament entstehen, auf dem weiter geplant werden kann. Und das dann auch zeitnah.

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