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Viel Obst: Apfelernte ist viel besser als die Jahre zuvor 

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Von: Thilo Kortmann

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Gaby Brunsmeier beim Apfelschnitt. 
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Gaby Brunsmeier beim Apfelschnitt. © Thilo Kortmann

Einige Obstbäume an der Heesfelder Mühle werfen bereits die Äpfel ab – aufgrund der üppigen Frucht-Fülle. Der Apfelertrag ist in diesem Jahr so gut wie schon lange nicht mehr. „Es sind wesentlich mehr Äpfel als die Jahre zuvor“, sagt Gaby Brunsmeier, die sich zusammen mit ihrer Familie um die Streuobstwiesen rund um die Heesfelder Mühle kümmert. „Der weiße Klarapfel hat bereits Früchte abgeworfen, weil er die Versorgung der vielen Äpfel nicht mehr bewerkstelligen kann“, erklärt die Halveranerin. Das sei dann, so die Naturexpertin, reiner Selbstschutz des Apfelbaumes.

Der Grund für den üppigen Apfelertrag: „Der Spätfrost ist in diesem Jahr ausgeblieben, die Blüten unversehrt“, so Brunsmeier. Das sei die vergangenen Jahre nicht der Fall gewesen und deshalb waren die Ernten nicht so ertragreich, erklärt sie, die zusammen mit ihrem Ehemann Klaus Brunsmeier Mitglied im Koordinierungsausschuss Streuobstwiesen des Landes NRW ist.

Der üppige Fruchtgehalt der Apfelbäume kommt nicht nur gut beim Menschen an, auch andere Lebewesen freuen sich. In vielen Klaräpfeln, die in der Wiese liegen, sind kleine braune Höhlen oder auch Einstichstellen. Dort hätten sich, sagt Brunsmeier, „Bewohner“ eingefunden. Es ist der Apfelwickler „Cydia pomonella“, ein Falter aus der Familie der Wickler. Dieses Insekt, ein Schädling, liebt nicht nur Äpfel, sondern auch Pflaumen oder Quitten zum Beispiel.

 Der Spätfrost ist in diesem Jahr ausgeblieben, die Blüten unversehrt.

Gaby Brunsmeier von der Heesfelder Mühle.

Rund 250 Obstbäume stehen auf den Grünflächen an der Mühle. Mehr als ein Viertel davon sind Apfelbäume, unterschiedlichste Streuobstsorten. Die tragen besondere Namen wie „Schöner aus Boskop“, „Prinz Albrecht von Preußen“ oder „Exertaler Katzenkopf“.

Einige Bäume tragen bereits gelbe Blätter. Eigentlich färben sich die Blätter doch erst im Herbst? Die gelben Blätter, antwortet Brunsmeier, seien eine Konsequenz des Wassermangels, der zurzeit herrscht. „Es regnet gerade einfach zu wenig“, sagt sie. Die Apfelbäume, fügt Brunsmeier hinzu, kämen aber trotzdem ganz gut klar mit der Trockenheit.

„Wir haben einen kleinen Wassertank, mit dem wir Regenwasser sammeln.“ Doch das sei längst nicht genug. „Jeder Baum braucht zehn Liter Wasser.“ Um alle Bäume ausreichend zu versorgen, bräuchte man schon viel größere und zahlreiche Wasserbehälter. „Aber wir sind ja hier keine kommerziellen Großbauern“, sagt sie. Und Leitungswasser in den Mengen zum Bewässern sei einfach ökologisch nicht sinnvoll und auch viel zu teuer.

Der weiße Klarapfelbaum wirft seine Früchte bereits ab.
Der weiße Klarapfelbaum wirft seine Früchte bereits ab. © Thilo Kortmann

Die Wasserknappheit hat aber auch negative Folgen, und zwar dass die Lebensdauer der Obstbäume abnimmt. „Bei ausreichender Bewässerung und einer guten Unterlage kann ein Apfelbaum 80 bis 100 Jahre alt werden“, sagt sie. Bei den momentanen klimatischen Verhältnissen rechne sie jedoch mit einer Lebensdauer von nur rund 20 Jahren.

Mit Unterlage meint Gaby Brunsmeier die Versorgung des veredelten Triebes mit Wasser und Nährstoffen. Das hat starken Einfluss auf die Edelsorten. So werden verschiedene Faktoren wie Wuchsstärke, Fruchtgröße, Ausfärbung, Reifezeit oder Blütenansatz und Blütenfarbe je nach Unterlage beeinflusst.

Unterlage entscheidend für die Lebensdauer eines Apfelbaumes

Manche Bäume sind mit Stacheldraht umzäunt. Schutz gegen Apfeldiebe? Nein“, antwortet sie. „Der Stacheldraht dient als Schutz gegen die hier weidenden Rinder.“ Die Kühe seien jedoch sehr nutzvoll für die Grünflächen. Das sind „Rasenmäher“ und deren Ausscheidungen wichtig für die Artenvielfalt zugleich. In den Kuhfladen lebten, so Brunsmeier, zahlreiche Insekten wie Würmer oder Fliegen, und auch Bakterien. Und das sorge dafür, dass der Boden einer Streuobstwiese zu den artenreichsten Orten der Welt gehört.

Rund 250 Streuobstbäume gibt es an der Heesfelder Mühle.
Rund 250 Streuobstbäume gibt es an der Heesfelder Mühle. © Thilo Kortmann

„In einer Handvoll Streuobsterde leben mehr Lebewesen und Organismen als Menschen auf der gesamten Welt“, erklärt die Halveranerin. Also mehr als sieben Milliarden Organismen und Lebewesen wie Würmer, Insekten und Bakterien bevölkerten diese kleine Menge an Erde.

Streuobst – in jeder Beziehung ein Faszinosum, dem die Halveranerin mit viel Leidenschaft und Herzblut nachgeht. Die Liebe zum Apfel wird auch auf einer Tafel, die am Sortengarten steht, unmittelbar an der B229, deutlich. Dort sind Gedichte wie die „Apfelkantate“ von Matthias Claudius zu lesen. „Der Apfel war nicht gleich am Baum. Da war erst lauter Blüte. Das war erst lauter Blütenschaum und lauter Lieb und Güte“, heißt es dort.

Apfelernte 2022: Saftmobil und Tauschaktion

Jedes Jahr finden im Anschluss an die Apfelernte Obstsammelaktionen an der Heesfelder Mühle statt. Für dieses Jahr stehen die Termine bereits fest: Am 2. und 16. Oktober finden von 9 bis 15 Uhr die Tauschaktionen statt. Hier kann jeder Apfelsaft-Liebhaber seine eigenen, reifen Äpfel aus dem Garten gegen bereits frisch gepressten Apfelsaft tauschen. Am 22. Oktober kommt das Saftmobil zur Heesfelder Mühle. Hier kann jeder seine eigenen Äpfel von 9 bis 15 Uhr im Bag-in-Box-Verfahren pressen lassen.

Ob die Äpfel reif sind, erkennt man, indem man die Frucht vorsichtig anhebt und ein bisschen dreht: Wenn der Apfel sich leicht vom Baum löst, ist er reif. Muss man noch richtig ziehen, sollten die Früchte lieber hängen bleiben. Wenn man den Apfel aufschneidet und die Kerne leicht braun sind, sind die meisten Sorten reif für die Ernte. tko

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