Pflegemütter wollen besondere Betreuung starten

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Marion Kötting und Vicky Dietrich (rechts) wollen einen Spielkreis oder sogar eine Möglichkeit zur Betreuung behinderter Kinder in Kleingruppen gründen. Bisher gebe es so ein Angebot nur in Meinerzhagen.

Halver - Viele geistig behinderte Kinder brauchen eine besondere Art der Betreuung. Dies gilt auch für Mädchen und Jungen im Vorschulalter. „Bisher ist die besondere Betreuung nur dezentral in Meinerzhagen möglich“, sagt Vicky Dietrich, Sozialpädagogin und tätig als Tagesmutter. Sie will dies, zusammen mit Marion Kötting, ändern und einen Spielkreis oder eine Betreuungsgruppe für behinderte Vorschulkinder in Halver gründen.

Die aktuelle Situation sei so nicht akzeptabel, meint Dietrich, die selbst Mutter von vier Kindern ist. „Die nächste geeignete Einrichtung für geistig behinderte Kinder in Kleingruppe ist der heilpädagogische Kindergarten in Meinerzhagen. Das ist für Kinder, bei denen die Aufmerksamkeitsspanne sowieso stark begrenzt ist, nicht hinnehmbar, wenn sie täglich mehr als zwei Stunden im Bus unterwegs sind“, sagt Vicky Dietrich, die über Jahre Erfahrung in der Tagespflege von Kleinkindern sammelte.

Sie betreut zur Zeit drei Kinder, die am „Fetalen Alkoholsyndrom“ (Fas) leiden. Diese bräuchten eine besondere Behandlung, die nur in Gruppen von fünf bis maximal neun Kinder möglich sei. „Der Plan ist, einen Spielkreis oder eine Initiative zu gründen, die es ermöglicht, dass auch diese Kinder bestmöglich betreut werden“, sagt Dietrich. Dazu zähle neben kleinen Gruppen auch der minimalistische Umgang mit Spielzeug. „Man darf die Kinder nicht mit zu vielen Reizen überfordern“.

Sie würde für Kleingruppen das eingerichtete Spielzimmer in ihrem Haus am Droste-Hülshoff-Weg zur Verfügung stellen. Bei mehr Bedarf gebe es bereits eine Idee für die Nutzung einer größeren Einrichtung, allerdings sei hierbei noch nichts Dingfest gemacht worden. Wie viele geistig behinderte Vorschulkinder es in Halver und Umgebung gibt, weiß sie selbst nicht. „Wir haben eine Anfrage beim Jugendamt gemacht, aber die dürfen aus Datenschutzgründen keine Angaben machen. So ist zwar schwierig abzuschätzen, wie hoch der Bedarf ist“, sagt Kötting, die ebenfalls als Pflegemutter tätig ist, sich aber sicher ist, dass das Angebot in Halver auf Zuspruch stoßen wird.

Zumal der Umgang, je nach Art der Behinderung, im Alltag belastend und so jede Art von Entlastung für die Eltern sehr hilfreich sei. „Es ist schon schwierig, mit den Kindern umzugehen. Was man definitiv benötigt, sind Ausdauer und viel Geduld. Das ist auch für die Eltern solcher Kinder nicht immer einfach“, weiß Dietrich aus Erfahrung. „Die Kinder brauchen Grenzen, die nicht zu rigide sein dürfen. Der soziale Umgang mit den Kindern ist schwierig, da sie sehr aggressiv sein können“, berichtet Dietrich.

Inklusion reicht nicht für alle Kinder aus

Beim Thema Inklusion, das auch in Halver bereits umgesetzt wird, ist Dietrich skeptisch: „Grundsätzlich ist das eine gute Sache. Das funktioniert auch hervorragend bei körperlich eingeschränkten Kindern oder jenen mit Lernbehinderungen“, so Dietrich. Allerdings sei Inklusion bei geistig eingeschränkten Mädchen und Jungen nicht anwendbar, da im Regelfall die Betreuungsrunde viel zu groß sei.

„Normalerweise müsste sich eine Spezialkraft um maximal zwei bis drei Kinder kümmern, aber das ist kaum realisierbar. Heutige Klassen sind zu groß, dass man geistig behinderte Mädchen und Jungen im vernünftigen Rahmen dort integrieren kann“, so die Mutter eines 14-jährigen Sohnes, der lernbehindert ist und durch Inklusion in der Ganztagsschule Halver integriert wurde. „Wir sind uns sicher, dass der Bedarf auch in Halver besteht, sich jedoch nur wenige Eltern bisher an das Jugendamt gewendet haben.

Wer Interesse an der aktiven Teilnahme an einem Spielkreis oder der Gründung einer Initiative als eingetragener Verein hat, kann sich direkt an die beiden Frauen wenden. „Uns ist sehr wichtig, dass wir Eltern gewinnen können, die sich auch aktiv beteiligen wollen. Um eine vernünftige Betreuung zu garantieren, kann das Projekt nicht nur auf zwei Schultern lasten“, erklärt Dietrich, die so bald wie möglich mit ihrer Idee starten würde.

Vicky Dietrich ist unter der Telefonnummer 0 23 53/66 42 92 oder per E-Mail an vicky.dietrich@gmx.de erreichbar. Ein Kontakt zu Marion Kötting ist per Mail unter M_Koetting@t-online.de oder unter der Rufnummer 0 23 53/6 67 52 00 möglich. Beide Frauen stehen für Fragen zur Verfügung und geben auch gerne weitere Informationen über ihr geplantes Projekt.

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