Verwirrspiel um Geld, Ehre und Eheversprechen

HALVER ▪ Geld macht nicht glücklich. Sagt der Volksmund. Und auch eine Verhandlung vor dem Lüdenscheider Amtsgericht bestätigte gestern diese alte Weisheit. Der Prozessverlauf geriet gar zu einem Lehrstück über die zerstörerischen Wirkungen des Geldes. Im Raum stand dabei der Verdacht einer etwas diffusen Gewaltandrohung.

Die nordafrikanischen Wurzeln der zerstrittenen Parteien sorgten indes dafür, dass noch andere Dinge ins Spiel kamen: ein ausgeprägtes Ehrgefühl etwa, feste Familienbande und Enttäuschung über ein gebrochenes Eheversprechen. Am Ende der Verhandlung präsentierte sich die Sachlage dann leicht unübersichtlich. Die Folge: Einstellung des Verfahrens, keine Strafe für den 29-jährigen Angeklagten.

Rückblende. Im Jahr 2006 lernt der Angeklagte – er arbeitet als Lebensmittelhändler im Ruhrgebiet – eine junge Landsfrau aus Halver kennen. Die Verliebten schmieden schon bald Heiratspläne. Und auch die Familie mag den Freund der Tochter, sieht in ihm den kommenden Schwiegersohn. Ehrensache, dass man sich da auch finanziell hilft. So leiht sich der Mann – als er mit seinem Geschäft im Ruhrgebiet in arge wirtschaftliche Not gerät – von der Familie seiner Freundin 12 000 Euro. Das Darlehen, das durch Quittung und Schuldschein auch belegt sein soll, sichert dem Händler zwar zunächst die Existenz. Doch einige Zeit später zerbricht die Liebesbeziehung. Der Schwiegersohn-Kandidat macht sich davon, die Darlehensschuld aber bleibt.

Um deren Rückzahlung entbrennt in der Folge ein zäher Kampf vor den Gerichten. Da bleibt es wohl nicht aus, dass sich auch Wutgefühle und persönliche Animositäten immer mehr steigern. So soll der Angeklagte im August 2009 bei seiner Ex-Freundin in Halver angerufen haben und sie unter Androhung grober Gewalt zum Verzicht auf die Geldansprüche aufgefordert haben. Zeugen hören per Telefon-Lautsprecher mit, die Frau erstattet Anzeige.

Doch der Vorfall ließ sich gestern nicht mehr sauber rekonstruieren. Daher die Einstellung. Das juristische Ringen der Parteien dürfte sich gleichwohl fortsetzen. Denn auf die Darlehensrückzahlung wartet die Familie immer noch. ▪ dt

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