Coronavirus im MK

Hinter des Kulissen: So arbeiten die Krisenstäbe in Halver und Schalksmühle

+

Halver/Schalksmühle – Der Sachstand in Sachen Coronavirus ändert sich täglich, manchmal stündlich. Die abendliche Nachrichtenlage kann erheblich abweichen von der Erlasslage des Landes Nordrhein-Westfalen und die wiederum vom konkret geltenden Ortsrecht in den Kommunen. Wer aber entscheidet tatsächlich vor Ort?

Wir haben nachgefragt, wo die Richtlinienkompetenz denn nun angesiedelt ist. In Halver sind es zurzeit konkret vier Personen, bei denen die Kommunikation zusammenläuft. Die „Arbeitsgruppe Corona“ besteht zurzeit aus Bürgermeister Michael Brosch, Thomas Gehring als Fachbereichsleiter Bürgerdienste, sowie Andrea Reich und Katrin Serke aus der Kernverwaltung. 

Bei dieser Konstellation bleibe es zunächst, erklärt Bürgermeister Brosch, und zwar, so lange die Fallzahlen überschaubar bleiben und es in Halver nur um Verdachtsfälle geht. Sollte es um bestätigte Infektionsfälle gehen, ändert sich das Verfahren. Und auch für eine Lage mit einem dramatischen Anstieg der Verdachtsfälle behalte er sich in Abstimmung mit den beteiligten Hilfsorganisationen den Wechsel in den vorbereiteten Krisenmodus vor, sagt Brosch. 

Dann wird in Halver und anderen Kommunen aus der „Arbeitsgruppe Corona“ der sogenannte „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“, in dem das Deutsche Rote Kreuz, Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und Polizei vertreten sind. Wann das der Fall sein werde, will Brosch nicht prognostizieren, der aber mit einer Ausgangssperre rechnet. Mit Stand von Mittwoch spricht er von vier gemeldeten Verdachtsfällen, die sich durchweg unter Quarantäne befänden. Doch bei diesen Angaben handele es sich um die amtliche Statistik. Die Zahl der tatsächlich möglichen Fälle dürfte seiner Einschätzung nach deutlich höher liegen, beispielsweise durch Bürger, die aus dem Skiurlaub in den Risikogebieten Österreich und Südtirol zurückgekehrt seien und sich selbst vorsichtshalber unter Quarantäne gestellt hätten. Die amtlichen Zahlen sehe er daher unter Vorbehalt. 

Auf den Märkischen Kreis gesehen, liegt Halver noch vergleichsweise gut. 29 bestätigte Infektionsfälle zählt der Märkische Kreis, Halver keinen. Damit gehört die Stadt zu der Vielzahl kleinerer Kommunen, in denen es noch lediglich um Verdachtspersonen handelt. Bislang infektionsfrei sind außerdem Herscheid, Schalksmühle, Meinerzhagen, Nachrodt und Neuenrade - zumindest, was bestätigte Coronafälle angeht.  

Krisenszenario im Rathaus gibt es

Auch für die Arbeitsgruppe im Rathaus gibt es ein Krisenszenario. Sollte bei einem der Beteiligten der Verdacht auf eine Infektion auftauchen, muss die gesamte Runde, die täglich um 9 Uhr zusammenkommt, in Quarantäne. Chef der Rückfallgruppe, die dann die Steuerung übernimmt, ist der Beigeordnete Markus Tempelmann, der dann mit Lutz Eicker vom Ordnungsamt und Nicole Schmies aus der Kernverwaltung die Regie übernimmt. Mit dabei ist auch dort einer der EDV-Fachleute, voraussichtlich im Rückfallmodus Bernd Weidenauer. 

Der Backup-Modus der Arbeitsgruppe ist dabei nicht der einzige im Rathaus und anderen Verwaltungen. Um organisatorisch funktionsfähig zu bleiben, gilt auch für den Baubetriebshof eine Regelung, dass zwei Gruppen von Mitarbeitern zeitlich getrennt arbeiten, um nicht bei einem Ausfall komplett handlungsunfähig zu werden. Sollte das Krisenszenario anhalten, könne es notwendig werden, dass Mitarbeiter auch bei der Versorgung von Bürgern aushelfen, die nicht durch andere private, kirchliche oder sonstige Unterstützung erreicht werden. 

Auch für weitere Mitarbeiter der Verwaltung werde die Krise Auswirkungen haben, erwartet der Bürgermeister überdies. Es sei vorstellbar, dass Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus ordnungsbehördliche Aufgaben wahrnähmen, um die Einhaltung von Auflagen in der Praxis durchzusetzen.

Krisenstab in Schalksmühle

In der Gemeinde Schalksmühle trifft sich täglich seit vergangenen Freitag ein Krisenstab, dem neben Bürgermeister Jörg Schönenberg auch Silvia Gonzalez (Ordnungsbehörde), Oliver Emmerichs (Bauamt/Gebäudemanagement) und Peer Heinzer sowie Sabrina Knappe (IT), Vertreter aus dem Schul-/Kitabereich und Jörg Schönnenberg (Personal) angehören. 

Für die jeweiligen Personen gibt es darüber hinaus eine Vertretungsregelung. Seit der vergangenen Woche habe man in immer größerem Rahmen zusammengesessen, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg. „Am Samstag waren es nur die Fachbereiche, am Sonntag gab es eine Telefonkonferenz mit an deren Bürgermeistern aus der Region. Damit hat alles an Dynamik zugenommen.“ 

Die Aufgabe des Krisenstabs besteht darin, auf die tagtäglich wechselnde Informations- und Erlasslage zu reagieren. „Wir müssen konkrete Regelungen für die Bürger finden und diese ständig aktualisieren und konkretisieren.“ Die sich ergebenen Maßnahmen werden von der Gemeindeverwaltung auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Jörg Schönenberg: „Wir bemühen uns, dort alles aktuell zu gestalten und nicht zu überfrachten.“ Unter anderem finden Informationssuchende dort die aktuelle Version der Allgemeinverfügung der Gemeinde, in der alle Erlässe vom Bund und den Ländern aufgenommen werden. Sie regelt diese Maßnahmen, die öffentliche und private Veranstaltungen untersagen oder die Öffnungszeiten im Handel einschränken. Außerdem sind dort alle Ausnahmeregelungen, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder der Daseinsfürsorge und -vorsorge zu dienen bestimmt sind. Darüber hinaus enthält die Seite unter anderem Informationen rund um das Thema Kurzarbeitergeld. 

Kristenstab regelt den Alltag

Auch rathausintern regelt der Krisenstab derzeit den Alltag. So wurde etwa ein Schichtbetrieb beim Bauhof und im Bürgeramt eingeführt. „Wir müssen natürlich auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter in der Verwaltung, in den Schulen oder Kitas eingehen und auch die Belastung der Kollegen abfedern. Wir müssen sie schützen.“ 

Mit einem dringenden Aufruf richtet sich Schönenberg an die Schalksmühler. Zum Wohle der Bevölkerung müsse man nun Solidarität zeigen. Er bittet darum, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht zu umgehen. „Wir werden die Einhaltung im Rahmen unserer Möglichkeiten kontrollieren. Doch ich appelliere an die Vernunft der Bürger. Wir können nur gemeinsam aus der Krise herauskommen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare