Veröffentlichungen werden den Guths zum Verhängnis

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Christa und Günter Guth werden nicht mehr in Halver in die Kirche gehen. ▪

OBERBRÜGGE ▪ Die Katholische Kirchengemeinde „Christus König“ kommt nicht zur Ruhe. Der kommissarische Leiter der Großpfarrei, Pastor Claus Optenhövel, hat das Ehepaar Christa und Günter Guth jetzt in einem Gespräch den Rücktritt von allen Ämtern nahegelegt und um die Einstellung aller verantwortlichen Aktivitäten gebeten. „Wir haben der Bitte entsprochen“, erklärte Christa Guth im AA-Gespräch merklich betroffen.

Pastor Optenhövel begründet sein Vorgehen mit neuerlichen, seiner Ansicht nach nicht tragbaren Veröffentlichungen. „Der Leserbrief war nicht der ausschlaggebende Grund“, widerspricht der Geistliche der Einschätzung des betroffenen Paares. Nach Bekanntwerden der Sex-Vorwürfe gegen Pfarrer Volker Ziegenhagen hatte die vormalige Leiterin der Grundschule Oberbrügge das vorgeworfene Verhalten des Geistlichen als „Ekel erregend“ bezeichnet. Günter Guth sorgte nun offenbar mit einer Darstellung über Pfarrer Ziegenhagen in der Kirchenpostille von St. Georg dafür, dass Optenhövel eingeschritten ist. Er habe sich zuvor auch Rat vom Bistum geholt. „Es war dann meine Entscheidung“, unterstreicht der kommissarische Leiter der Großpfarrei.

Mit der Personalie Guth habe sich bereits Pfarrer Ziegenhagen beschäftigt. Denn: Das Oberbrügger Kirchenblättchen, das Günter Guth seit Jahrzehnten verantwortet, war der Pfarrei ein Dorn im Auge. „Wir haben sie gebeten, die Dinge ruhen zu lassen.“ Doch auch nach dem Zusammenschluss zur Großpfarrei im Jahr 2006 sei dieser Bitte nicht entsprochen worden. „Das, was inhaltlich darin stand, ging nicht mehr“, brachte die jüngste Kommentierung in der Postille das Fass für Optenhövel zum Überlaufen. Daher wird auch Günter Guth, der sich bislang um die Öffentlichkeitsarbeit in der Filialkirche St. Georg kümmerte, ebenfalls jegliche Aktivitäten in der Gemeinde einstellen.

Obwohl Christa Guth das klärende Gespräch mit Pastor Optenhövel als sehr offen lobt, beharrt sie darauf, keine Fehler gemacht zu haben. „Zu meinem Leserbrief stehe ich voll und ganz.“ Sie hatte darin unter anderem geschrieben: „Die Vorstellung, dass dieser Mann mit besudelten Händen das heilige Brot am Altar teilt, ist für mich unerträglich.“ Nun wird sie selbst nicht mehr die Kommunion austeilen oder auch als Lektorin aktiv sein. Ebenfalls hat Christa Guth jetzt die kfd-Leitungsteamarbeit auf Orts- und Pfarrebene niedergelegt. Das Konzipieren von Andachten, die Betreuung von Messdienern und die Leitung des Strickkreises, all das wird sie aufgeben. Günter Guth hat zudem der Bitte von Optenhövel entsprochen und den Vorsitz im Förderverein St. Georg Oberbrügge niedergelegt. Zudem hat er gestern die Schlüssel für die Kirche und Gemeinderäume zurückgegeben. Beide wollen in der Großpfarrei Halver keinen Gottesdienst mehr besuchen. „Wir treten nicht aus der Kirche aus. Aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten.“

Dass es sich nicht um einen Rausschmiss aus der Gemeinde handelt, betont Optenhövel ausdrücklich. „Ich habe sie gebeten, die Dinge ruhen zu lassen.“ Das Stimmungsbild in der Gemeinde sei zu diesem Thema „ambivalent“. So gebe es Gemeindemitglieder, die froh über den jetzigen Schritt seien, in Oberbrügge gäbe es aber auch welche, die es ärgere und Unverständnis zeigten. Und dies beruhe auch auf dem Engagement, das Christa und Günther Guth jahrzehntelang an den Tag gelegen hätten. Und dies unterstrich der Pastor aus Breckerfeld auch am Samstag bei der Verlesung der Nachricht in der Oberbrügger Filialkirche. Er wolle die Entscheidung nicht als Bewertung und Kommentierung des Engagements gewertet wissen. Es sei „allein als notwendige Konsequenz aus der letzten zurückliegenden Zeit“ zu sehen.

Dass sich mit dem Rückzug der Guths für außen stehende Betrachter der Entwicklung in der Gemeinde die Reihen lichten, dem stimmt Optenhövel zu. Zugleich hofft er auf Verstärkung. Als Reaktion auf den Brief des Gemeinderates an den Bischof, in dem auf die personelle Notlage nochmals aufmerksam gemacht wurde, habe der Personalchef erklärt, dass nach Ende August eine Entscheidung mitgeteilt wird. Optenhövel weiß aber nicht, ob dies bedeutet, dass ein neuer Pastor für Schalksmühle eingesetzt wird, oder ein Pfarrer für Halver. „Offenbar hat man jemanden im Blick“, glaubt Pastor Optenhövel. ▪ Marco Fraune

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